Drei der Initiatoren der Bürgerinitiative eröffneten die Kundgebung am vergangenen Freitag vor dem „KiWest“. Fotos Merk
Feldkirchen-Westerham – Kinder malen einen großen Zebrastreifen auf ein Tuch, der auf die Miesbacher Straße vor dem Kinderhaus Westerham („KiWest“) verlegt wird. Auf Pappschildern steht „Tempo 30“, auf anderen wurden Ampeln und Zebrastreifen aufgemalt. Für viele aus der Gemeinde Feldkirchen-Westerham ist das Thema Verkehrssicherheit wichtig. Das zeigte sich am vergangenen Freitag vor dem „KiWest“. Denn da kamen zahlreiche Bürger zusammen, um auf sichere Fußgängerüberwege aufmerksam zu machen.
Initiiert wurde die Kundgebung von mehreren Eltern aus der Gemeinde, die die Bürgerinitiative „Sicher unterwegs in Feldkirchen-Westerham“ gründeten. „Wir fordern an mehreren Stellen sichere Überwege wie Zebrastreifen oder Fußgängerampeln“, erklärte eine der Initiatoren, Juliana Schartner, damals gegenüber dem Mangfall-Boten. „Auch Kombinationen mit zusätzlichen Querungsinseln oder einer Temporeduzierung sind denkbar.“
Mehr Selbstständigkeit
für Kinder ermöglichen
Bei den angesprochenen Stellen handelt es sich vor allem um Wege, die häufig von Kindern genutzt werden, wie zur Schule, zur Kita, zum Sport oder zu Freunden. Deswegen ist das Thema Sicherheit für Fußgänger in der Gemeinde für die Eltern besonders wichtig. Gefahrenpunkte sind ihrer Meinung nach unter anderem an mehreren Kreuzungen auf der Miesbacher Straße, der Aiblinger Straße, der Rosenheimer Straße, der Westerhamer Straße und der Vagener Straße.
Die Eltern wollen damit außerdem ihren Kindern mehr Selbstständigkeit ermöglichen, erklärte Mitinitiatorin Leni Vogel bei der Kundgebung. „Unsere Kinder wollen alleine zur Schule, zu Freunden, zum Sport und zu den Großeltern“, sagte sie. Die Kinder würden sich ausprobieren wollen – doch die viel befahrenen Straßen, die dabei gekreuzt werden müssen und an denen es oft keine Überwege gibt, seien zu unsicher. Ein Zebrastreifen wäre nach Ansicht der Eltern eine gute Lösung. „Er ist einfach umzusetzen und gibt dem Fußverkehr unmittelbar Vorrang“, so Vogel.
Zudem erklärte sie, dass durch eine Veränderung in der Straßenverkehrsordnung im Jahr 2024 und durch die neue Fußverkehrsstrategie der Fußverkehr endlich gestärkt werde. „Sicherheit im Verkehr, insbesondere auf Schulwegen, wird ausdrücklich priorisiert“, so Vogel. Damit sei die Sicherheit des Fußverkehrs zentral und müsse beachtet werden.
Kundgebung
mit vielen Gästen
Und das wollte die Bürgerinitiative „Sicher unterwegs in Feldkirchen-Westerham“ auch ihren „prominenten Gästen“ noch einmal näherbringen. Deshalb waren zur Kundgebung Bürgermeister Johannes Zistl, weitere Politiker, die Ortsräte der Gemeinde und Landrat Otto Lederer eingeladen. Ihm übergaben die Initiatoren eine initiierte Petition mit über 1.100 Unterschriften.
Otto Lederer bezeichnete die Aktion als etwas Lobenswertes, da sich die Eltern der Bürgerinitiative „für eine gute Sache“ einsetzen. „Wir hätten kein Problem, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer einfach an den Paragrafen 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) halten würden“, sagte er an die zahlreichen Demonstranten gerichtet. „Da steht nämlich drin, dass sich jeder im Straßenverkehr so zu verhalten hat, dass kein anderer geschädigt oder auch nur gefährdet wird.“ Doch die Realität sehe meist anders aus. Was vor allem für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Handicap zum Nachteil werden könne. Deshalb sei es wichtig, Kindern frühzeitig zu erklären, wie gefährlich es im Verkehr werden kann und wie sie sich am besten verhalten sollten. Noch wichtiger sei es aber, überhaupt keine brenzligen Situationen im Verkehr zuzulassen. Dies sei auch die Aufgabe der Verkehrsbehörden, zu denen Lederer die Polizei, die Gemeinde und den Landkreis zählt. „Und da möchte ich sagen, dass wir als Landratsamt diese Aufgabe sehr, sehr ernst nehmen“, so der Landrat. Deshalb nehme er die Petition „gerne an“, so Lederer, und sicherte den Anwesenden zu, alle Punkte zu prüfen.
Gefahrenanalysen
und Ortsbesichtigungen
Gleichzeitig gab Lederer zu bedenken, dass vieles, das sich einfach anhöre, oftmals nicht so einfach sei. „Der Gesetzgeber gibt vor, dass wir immer eine Einzelfallprüfung machen müssen“, sagte er. Er erklärte, dass die Gemeinde als Verkehrsbehörde für die Gemeindestraßen zuständig sei und der Landkreis für Kreis- und Staatsstraßen. „Und wir haben alle Aufsichtsbehörden“, so Lederer weiter. „Die Aufsichtsbehörde für die Verkehrsbehörde in der Gemeinde ist die Verkehrsbehörde im Landratsamt und von denen ist die Aufsichtsbehörde die Regierung von Oberbayern.“ Diese führe immer die letzte Prüfung durch und kläre, ob alles rechtskonform ist. Daher seien vorab zunächst Gefahrenanalysen, Messungen, Zählungen und auch mal Ortsbesichtigungen nötig, um sich ein Bild von der Verkehrssituation zu machen. Das brauche seine Zeit.
Tempo 30
am „KiWest“?
Dennoch sicherte Lederer den Anwesenden zu, dass die genannten Straßen besichtigt und geprüft werden. Eine gute Nachricht konnte er zumindest für den Bereich „KiWest“ verkünden: „Mir ist von meiner Behörde gesagt worden, dass wir wegen des geforderten Tempos 30 hier wahrscheinlich gar keinen Ortstermin mehr brauchen. Das könnte auch ohne Ortstermin gehen.“ Das sorgte vor Ort für Jubel.
Auch Bürgermeister Johannes Zistl lobte die Bemühungen der Eltern: „Verkehr bewegt – im wahrsten Sinne des Wortes. Er bewegt Menschen, er prägt unseren Alltag – und manchmal bewegt er auch die Gemüter.“ Vor allem, wenn es um Kinder, ältere Menschen, Familien oder Radfahrer gehe. Dafür, dass die Bürgerinitiative sich mit „großem Engagement“ mit diesem Thema auseinandersetzt, bedankte er sich. „Initiativen haben das Recht, gehört zu werden – und sie können wichtige Impulse setzen. Und das ist hier gelungen“, sagte Zistl.
Er merkte an, dass viele der von der Initiative angesprochenen Stellen der Verwaltung schon seit Jahren bekannt sind. Oft seien die Maßnahmen an „übergeordneten Behörden“ gescheitert. Er hoffe aber, dass sich mit der Änderung der Straßenverkehrsordnung im Jahr 2024, bei der Kommunen mehr Rechte bekommen, etwas bessern wird. „In den letzten Jahren hat das Thema Verkehr in unserer Gemeinde deutlich an Bedeutung gewonnen. Dem wachsenden Umfang dieser Aufgaben begegnen wir im Rathaus neu mit einem eigenen Sachgebiet Verkehr, um Anliegen systematisch abzuarbeiten und tragfähige Konzepte für Feldkirchen-Westerham zu entwickeln“, so der Rathauschef. Auch als Familienvater sei ihm das Anliegen der Bürgerinitiative persönlich wichtig: „Sichere Wege für unsere Kinder und für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, sind ein berechtigtes Anliegen. Dieses Ziel unterstütze ich ausdrücklich.“
Initiatoren ziehen
positive Bilanz
Auch die beiden Bundestagsabgeordneten Victoria Broßart (Bündnis 90/Die Grünen) und Ates Gürpinar (Die Linke) sowie der Verkehrsexperte Martin Cormann lobten die Bürgerinitiative und forderten die Überprüfung ihrer Forderungen. Für Karl Lebsanft, Ortsrat in Westerham, ist das Thema besonders wichtig. Denn schon viele Jahre beschäftigt er sich mit der Verkehrssituation. „Deshalb unterstütze ich eure Ziele mit vollem Herzen“, sagt er.
Die Initiatoren der Kundgebung zogen eine positive Bilanz. Besonders betonen wollte Leni Vogel zum Abschluss: „Wir sind überzeugt – und das ist unser Leitsatz –, dass nur, wenn sich unsere Kinder sicher und selbstständig im Ort bewegen können, auch sie echte Teilhabe am Gemeindeleben haben.“