Bruckmühl – „Anfangs denken die Leute, hier herrschen bald Sodom und Gomorrha, wenn irgendwo eine neue Flüchtlingsunterkunft gebaut werden soll“, sagt der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, Sebastian Thurnhuber, und lacht. Dabei gehe es in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung in Bruckmühl bisher so friedlich zu, dass er als Polizist sowie die Anwohner kaum etwas von den neuen Nachbarn hören.
Gute Auslastung
mit Platz für mehr
Drei Monate ist die neue Erstaufnahmeeinrichtung an der Wernher-von-Braun-Straße nun bereits in Betrieb. Aktuell beherbergt sie 135 erwachsene Geflüchtete. Die Menschen, die hier Zuflucht finden, wurden dem Landkreis Rosenheim zuvor von der Regierung von Oberbayern zugewiesen. Minderjährige werden hingegen vom Kreisjugendamt betreut und separat untergebracht.
Im Durchschnitt lag die Auslastung der Bruckmühler Erstaufnahmeeinrichtung seit ihrer Eröffnung Anfang November konstant zwischen 60 und 70 Prozent, weiß Sibylle Gaßner-Nickl, Pressesprecherin des Landratsamtes Rosenheim. Platz wäre dort insgesamt für 200 Geflüchtete. Je nach Weltgeschehen könne sich die Auslastung von Erstaufnahmeeinrichtungen wie der in Bruckmühl jedoch schlagartig ändern, so die Pressesprecherin weiter. Die aktuelle Belegungssituation biete jedoch ausreichend Puffer, um im Zweifelsfall schnell zu reagieren.
„Die aktuelle Gruppe in Bruckmühl ist sehr homogen“, berichtet Gaßner-Nickl. Die Bewohner, allesamt ukrainische Kriegsflüchtlinge, teilen eine ähnliche Fluchtgeschichte. Sie sprechen dieselbe Sprache und fühlen sich ihr zufolge aufgrund von Herkunft und Kultur tief miteinander verbunden. Entsprechend selten sei es in den vergangenen Monaten zu negativen Vorfällen gekommen.
Entspannte Lage
aus Sicht der Polizei
Dem kann Sebastian Thurnhuber seitens der Polizei nur zustimmen. „In den letzten drei Monaten wurden wir vier- bis fünfmal in die Wernher-von-Braun-Straße beordert: Einmal für eine leichte Körperverletzung im Dezember, ansonsten ereignete sich höchstens einmal ein kleiner Streit“, sagt Thurnhuber mit Blick auf die Polizeistatistik. Eine nähere Beobachtung sei für keine der Flüchtlingsunterkünfte im Einzugsgebiet der Bad Aiblinger Polizei notwendig: „Die Stimmung hier ist völlig unaufgeregt“, so Thurnhuber. Das gelte sowohl für die neue Einrichtung in Bruckmühl, als auch für die beiden bestehenden Unterkünfte in Bad Aibling und Kolbermoor.
Reibungsloser Auszug
aus der Schulturnhalle
Unterstützt werden die Bewohner der Unterkunft maßgeblich von den Ehrenamtlichen der Asylhilfe Bruckmühl. „Wir haben einen aktiven, engagierten und motivierten Helferkreis der Marktgemeinde. Dafür, und auch für den regelmäßigen Austausch, sind wir sehr dankbar“, so Gaßner-Nickl.
Neben regelmäßigen Deutschkursen in Kooperation mit der Volkshochschule und der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) betreiben die freiwilligen Helfer eine Fahrradwerkstatt mit den Geflüchteten, erklärt Silvia Mischi, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Marktgemeinde Bruckmühl. Dem Helferkreis sei es auch zu verdanken, dass der Auszug der Bewohner aus der Schulturnhalle des Gymnasiums Bruckmühl im vergangenen Sommer so reibungslos vonstattengegangen sei, sind sich Mischi und Gaßner-Nickl einig. Mehr als drei Jahre diente die Turnhalle als notdürftige Erstaufnahmeeinrichtung, bis schließlich Anfang vergangenen Jahres der Neubau der Einrichtung an der Wernher-von-Braun-Straße entschieden wurde.
Einige der ehemaligen Turnhallenbewohner haben nun eine Bleibe in einem der beiden Container neben der Erstaufnahmeeinrichtung gefunden, weiß Christine Kaa. Sie ist als Ehrenamtliche seit zehn Jahren für die Asylhilfe Bruckmühl im Einsatz.
Den Neuankömmlingen den Start erleichtern
Die zehn bis zwölf aktiven Freiwilligen versuchen, den Neuankömmlingen den Start in Bruckmühl so gut wie möglich zu erleichtern. Dafür hat sich die Asylhilfe eigens ein kleines Büro in einem der beiden Container eingerichtet. Hier finden wöchentlich Lebenslauf- und Bewerbungstrainings statt oder intensive Vorbereitungskurse für den qualifizierenden Mittelschulabschluss. „Zu unseren Aufgaben gehören ansonsten gemeinsame Ämtergänge, aber wir sind auch oft einfach zum Trösten und Ratschen da.“
Integration sei jedoch ein schwieriges Thema in Erstaufnahmeeinrichtungen, weiß Kaa: In der Regel bleiben die Bewohner hier nur sechs bis acht Wochen direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland. Danach würden sie zufällig auf neue Einrichtungen umverteilt, in denen sie daraufhin zum ersten Mal für längere Zeit bleiben sollen.
Helfer planen
weitere Angebote
Dauerhaft in Bruckmühl bleiben ihren Angaben zufolge stattdessen die rund 100 männlichen Geflüchteten, die seit einiger Zeit in zwei Containern direkt neben der Erstaufnahmeeinrichtung wohnen. Die ehrenamtlichen Helfer möchten den Neuankömmlingen den Start in Deutschland dennoch erleichtern. Sie nehmen darum verstärkt Kontakt zur Erstaufnahmeeinrichtung auf und möchten ihr Unterstützungsangebot dort erweitern: Geplant sind zum Beispiel ein Kinderflohmarkt oder Deutschkurse für geflüchtete Kinder und Jugendliche.