Bad Aibling – Seit über 40 Jahren züchtet Hans Schwarzenberger Tauben. Zu seinen größten Erfolgen zählt der Gewinn der deutschen Meisterschaft in der Rasse „Elsterkröpfer in Gelb“. Knapp 2.000 Taubenzüchter aus dem gesamten Bundesgebiet kamen vergangenes Jahr zu diesem Wettbewerb nach Leipzig. Rund 30.000 Rassetauben verschiedenster Gattungen begutachteten die Wertungsrichter in den dortigen Messehallen. Ein besonderes Augenmerk richteten sie unter anderem auf den Stand, das Gefieder und die Kropfhaltung der Tiere.
Vom Rückschlag
zum Wiedereinstieg
97 von 100 möglichen Punkten gaben die Werter der Siegertaube des 79-jährigen Bad Aiblingers. „Das ist im Grunde die Höchstpunktzahl, die man erreichen kann“, sagt Schwarzenberger. Bereits bei der Bundesausstellung in Erfurt, die 2024 stattfand, kam er mit einem Meistertitel nach Hause. Heuer möchte er sich der europaweiten Konkurrenz stellen und fährt mit einigen Tieren zur Kropftaubenschau nach Straßburg. Auch die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft 2026 in Ulm ist bereits fest in Schwarzenbergers Terminkalender verankert.
46 Tauben hält er derzeit in seinem Gehege, das sich in Westerham bei Willing befindet. Darunter sind auch ein paar erst wenige Tage alte Jungtiere. Mit der Taubenzucht begann Schwarzenberger in den 1980er-Jahren. Er war damals passives Mitglied des örtlichen Geflügelzuchtvereins, an dessen Spitze er später ein knappes Jahrzehnt lang stand.
Von einem Freund habe er damals etwa ein Dutzend Tauben erhalten, seitdem sei die Zucht sein Hobby, in das er viel Freizeit investiere, berichtet er. Bei den ersten Geflügelschauen, bei denen er vertreten war, war ihm kein Erfolg beschieden. Im Gegenteil: „Ich habe einst für 200 Mark eine Zuchttaube gekauft, die nie ein Ei gelegt hat“, erinnert sich Schwarzenberger noch heute an einen besonderen Tiefpunkt in seinem Züchterleben. Aufgeben war für ihn dennoch kein Thema. Er baute seinen Tierbestand sogar aus und errichtete später neben seinem Privathaus in Bad Aibling einen 15 Meter langen Taubenstall, in dem er die gefiederten Zeitgenossen hielt.
Als er sich mit seiner Frau im Jahr 2011 ein Wohnmobil zulegte und im Ruhestand mehr Zeit für gemeinsame Reisen bleiben sollte, hängte er sein Hobby an den Nagel. Mit der Reaktion der Elsterkröpfer-Gruppe Südbayern, deren Vorsitzender er bereits damals war und auch heute noch ist, hatte er freilich nicht gerechnet. „Was willst du uns denn über Tauben erzählen, wenn du selber keine mehr hast?“, wurde er bei einer Besprechung gefragt.
Fünf Tauben, die ihm die in dem Verbund zusammengeschlossenen Hobbyzüchter spontan überließen, brachten ihn schließlich zurück zur Zucht. „Hobby und Reisen lassen sich mittlerweile sehr gut miteinander vereinbaren“, erklärt der Bad Aiblinger, der jeden Tag ein- bis zweimal Zeit mit seinen Tieren verbringt. Seine Arbeit beschränkt sich dabei nicht nur auf das Sauberhalten des Geheges und das Füttern des Federviehs: „Du musst dich mit den Tauben unterhalten und mit ihnen spielen, dann werden sie deine Freunde“, sagt der Aiblinger.
Neben seiner züchterischen Tätigkeit engagiert sich Schwarzenberger weiterhin beim Geflügelzuchtverein Bad Aibling, der derzeit rund 90 Mitglieder hat und heuer sein 125-jähriges Bestehen feiern kann. Vorsitzender Johann Buchner und sein Team stecken bereits mitten in den Vorbereitungsarbeiten für die Feier des Jubiläums, zu der auch prominente Gäste eingeladen werden sollen.
Auf Schwarzenbergers Erfolge ist auch er stolz. Ebenso freut ihn die Tatsache, dass auch der junge Maxi Riel mit seinen „Böhmerwaldtauben“ und den „Schweizer Farbentauben“ bei der Meisterschaft erfolgreich war. Riel ist zwar in Maitenbeth im Landkreis Mühldorf zuhause, gehört aber dem Aiblinger Verein an. Buchner selber kann derzeit von Meistertiteln nur träumen. „In mein Gehege ist ein Fuchs eingedrungen und hat meine ganze Zucht mit etwa 100 Tieren vernichtet. Ich muss erst langsam wieder einen Bestand aufbauen“, berichtet der Vereinsvorsitzende.
Eine besondere
Osterüberraschung
Jung und Alt werden sich beim Jubiläum der Bad Aiblinger Geflügelzüchter sicherlich auch über ihre Erfahrungen austauschen und von manch netter Begebenheit aus dem Züchteralltag berichten. Da kann Schwarzenberger dann auch wieder mit einer berührenden Geschichte aufwarten, an die er sich noch immer gerne erinnert.
Als seine Tochter Karina zwei Jahre alt war, legte er ihr zu Ostern ein junges Hühnerküken ins Nest, das erst einen Tag alt war. „Da hat sie sich richtig gefreut und das Tier rasch sehr liebgewonnen“, erzählt er voller Stolz und mit einem kleinen Schmunzeln.
Angesichts der großen Freude des Kindes war dann nämlich auch seine Frau, die nach Schwarzenbergers Auskunft ursprünglich von dieser Form einer Osterüberraschung wenig begeistert war, überzeugt, dass der Papa eine gute Idee hatte.