Verkehrt und trotzdem genau richtig

von Redaktion

Tag des Dialekts Band LuegstoaC macht bayerische Mundart modern

Bruckmühl/Oberaudorf – Ob Lieder von Strawanza oder „Wackelkontakt“ vom Oimara: Lieder auf Bayerisch kennen viele. Der Dialekt ist in Bayern selbstverständlich und gehört für manche zum guten Ton. Am 21. Februar ist der Tag des Dialekts, und der Sänger Christian Gruber von der Band LuegstoaC aus Oberaudorf findet das gut. „Der Gesellschaft wird so einmal im Jahr gezeigt, was bewahrt werden muss“, sagt er.

Er selbst schreibt und singt seine Lieder auf Bayerisch. 2025 erhielt LuegstoaC dafür den Dialektpreis Bayern. Dabei ist für Gruber das Singen im Dialekt selbstverständlich. „Es fällt mir beim Schreiben am einfachsten, es so hinzuschreiben, wie ich denke“, sagt er. Es ist also authentisch – das sieht auch Christoph Schmid so. Er ist der Popularmusikbeauftragte des Bezirks Oberbayern, mit Sitz in Bruckmühl, und kennt die Band. „Das Entscheidende in der Popularmusik ist immer die Authentizität. Das ist so bei LuegstoaC: Die sind einfach so und reden auch im echten Leben so“, sagt er.

Als Popularmusikbeauftragter hat er die Übersicht, wie verbreitet die Musiksparte in seinem Gebiet ist. „Im Vergleich ist die Szene im Bezirk Oberbayern sehr klein“, sagt er. Allerdings hänge dies auch damit zusammen, dass mit München ein internationaler Popkultur-Hotspot in Oberbayern liegt und der Dialekt nur eine kleine Sparte davon sei. „Im Ländlichen kommt Popularmusik mit Dialekt definitiv häufiger vor“, sagt er.

Mit Oberaudorf ist LuegstoaC auch aus dem ländlichen Bereich. „In unserem Umkreis daheim sprechen wir die Jugend mit unserer Musik an“, sagt Christian Gruber. Er sei mit dem bayerischen Dialekt aufgewachsen: Ob beim Feiertag im Dorf, beim Gespräch mit den Großeltern oder einfach zu Hause – der Dialekt werde von Generation zu Generation weitergegeben. Er ist, laut Gruber, tief verwurzelt.

Doch nur in Bayern, was eine Barriere mit sich bringe. „Der Dialekt ist bei der Musik definitiv eine Begrenzung durch die Verständlichkeit“, sagt Gruber. Seine Band habe ein Lied für die Rehkitz-Rettung geschrieben – auf Bayerisch. „Dann haben uns welche aus dem Norden Deutschlands geschrieben. Sie finden unseren Song toll, aber verstehen den Text nicht“, sagt er. Also übersetzte LuegstoaC den Text ins Hochdeutsche. „Uns ist klar: Wir sind deutschlandweit nur schwer marktfähig“, sagt er.

Gleichzeitig gibt es aber auch Künstler, die zeigen: Bayerisch funktioniert außerhalb des Bundeslandes. „Wackelkontakt“ vom Oimara: Er hat es geschafft, im Dialekt über die Landesgrenzen hinaus einen Hit zu etablieren“, sagt Christoph Schmid. Trotzdem sei die Popularmusik mit Dialekt zurzeit auf dem absteigenden Ast. „Sie hat ihren Peak gerade hinter sich. Aber solche Bewegungen sind ganz normal, das ist immer ein Kommen und Gehen. Verschwinden wird es nie“, erklärt er.

Das findet Gruber gut, schließlich sei der Dialekt eine Sache, die man auf keinen Fall verkümmern lassen solle. Und so fördert auch die Politik den Erhalt der Dialekt-Kultur. Das Ministerium für Heimat und Finanzen verleiht den Dialektpreis Bayern, den LuegstoaC 2025 gewinnen konnte. Aber auch Christoph Schmid verleiht einen Preis: den DiaTon. „Der Bezirk Oberbayern würdigt damit künstlerische Qualität im Dialekt“, sagt er. So müsse man sich keine Sorgen um den Bestand des Dialekts in der Musik machen.

Denn der bayerische Dialekt bringt auch eine besondere Freiheit mit sich, findet Gruber. „Bairisch als Sprache macht manchmal grammatisch oder satzstellungstechnisch Sachen, die laut Duden Langenscheid ganz schön verkehrt sind“, sagt der Musiker. Aber für ihn als Künstler sei das praktisch, denn er könne Wörter aufeinander reimen, die im Hochdeutschen nicht passen würden. Doch bei jedem Beharren auf die bayerische Tradition und den Dialekt sei Gruber auch wichtig, dass das Bayerische nicht stehenbleibe. „Es soll nicht alles bleiben, wie es ist. Wir als Band lassen uns stark von der Blasmusik beeinflussen, nehmen aber auch moderne Einflüsse wie Hip-Hop und Synthesizer in unsere Musik auf“, erklärt er.

Am Ende ist es immer ein Zusammenspiel zwischen Musik und Text, sagt Christoph Schmid. „Beim Lied Wackelkontakt ist das sehr spannend: Die Leute fühlen das Lied sehr und machen sich gar nicht so den Kopf darum, ob es auf Bayerisch ist oder nicht“, erklärt er. Man müsse das Publikum einfach mit der Musik abholen. „Das geht wahrscheinlich am besten mit Authentizität“, sagt er.

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