Bad Feilnbach – Auf der Liste der Überparteilichen Wähler steht Dritter Bürgermeister Christian Bergener für die bevorstehende Kommunalwahl an erster Stelle. Persönlich legt er Wert auf gesunde Ernährung und verzichtet unabhängig von der Fastenzeit auf Alkohol. Der Verzicht, der ihm privat leichtfällt, bereitet in der Politik Probleme: „Wir haben so viele Baustellen, aber einen knappen Haushalt”, findet Bergener. Auch freiwillige Projekte, wie der Kauf eines neuen Gemeindebusses, lassen sich nicht einfach streichen.
Lebendige Gemeinschaft
durch reges Vereinsleben
Vereine, Kindergärten oder Bedürftige nutzen den Bus. Dieser stehe symbolisch für die Aufgabe der Kommunalpolitik, die nach Bergener lautet: „Trotz knappem Haushalt müssen wir allen Bürgern gerecht werden.“ Ähnlich verhält es sich mit den beiden Schwimmbädern der Gemeinde. „Das ist ein Luxus, auf den wir nicht verzichten können”, findet der Kommunalpolitiker: Beide Bäder seien von großem ideellen Wert. Man könnte vielleicht die Öffnungszeiten anpassen, aber nicht einfach eines schließen.
„Natürlich könnten wir auf Kleinigkeiten wie die Weihnachtsbeleuchtung verzichten”, räumt er ein. Doch das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Keine Kleinigkeit ist für Bergener als Privatmann der morgendliche Kaffee, gepaart mit der Tageszeitung am Frühstückstisch. Beides kann und will er auch in der Fastenzeit nicht missen.
Dieses Morgenritual teilt Grünen-Listenkandidatin Sieglinde Angermaier. Kaffee und Zeitung ausgenommen, ist die Fastenzeit für sie ideal, um „Gewohnheiten zu hinterfragen und Neues auszuprobieren.“ Darum hat sich Angermaier vorgenommen, ihre Social-Media-Zeit bewusst zu reduzieren. „Ich möchte wieder mehr Zeit für reale Kontakte nutzen“, erklärt sie.
Die Kommunalpolitik sieht Angermaier in der Pflicht, die Ausgaben der Gemeinde zu reduzieren. „Zu den Ausgabetreibern gehören primär Kreisumlage, Kita-Betriebskosten oder Personalkosten. Wir müssen sämtliche Ausgaben genau prüfen“, so Angermaier. Vor allem freiwillige Leistungen sollten dabei genauer betrachtet werden. „Worauf wir jedoch nicht verzichten sollten, sind unsere vielen Vereine mit ihren zahlreichen Ehrenamtlichen.“ Um sie zu stärken, möchte Angermaier die Jugendförderung priorisieren. Immerhin sei die Jugend zugleich die Zukunft der Gemeinde.
Kommunalpolitiker-Kollege Bergener stimmt Angermaier zu: „Wir haben vier Musikvereine und vier Trachtenvereine – sie zu fördern ist unglaublich wichtig für den kommunalen Zusammenhalt.“ Der Stolz auf die gemeinsame oberbayerische Kultur sei eine tragende Säule für ein lebendiges Bad Feilnbach.
Unverzichtbar für Bad Feilnbach ist aus Sicht von CSU-Listenkandidat Martin Kolb die Unterstützung der landwirtschaftlichen Strukturen der Gemeinde. „Unsere schöne Landschaft macht die Gemeinde aus.“ Die Landwirtschaft sei ein wesentlicher Teil davon. Aus Kolbs Sicht könne Bad Feilnbach stolz sein, so viele landwirtschaftliche Betriebe zu beherbergen. Sie zu erhalten, sei deshalb Pflicht der Kommunalpolitik. Auf ihre Schulden hingegen könne die Gemeinde gut verzichten, so der CSU-Politiker lachend. Sein Lösungsvorschlag wäre ein zügiger Verkauf der kommunalen Grundstücke. Privat übt sich Kolb ab sofort 40 Tage lang im Süßigkeitenverzicht. Dass das nicht leicht wird, darauf hat er sich eingestellt, aber „jeder Verzicht sollte schwerfallen, sonst wäre es ja keine Herausforderung.“
Anders als Kolb hat sich SPD-Politiker Konrad Schwaiger noch keine konkreten Gedanken zur Fastenzeit gemacht. „Vielleicht werden es auch wieder die Süßigkeiten, aber das entscheide ich dann spontan.“ Was er sich stattdessen unabhängig von der Fastenzeit vorgenommen hat: Zeit bewusster wahrnehmen. „Ich möchte weniger gedankenlos durch den Tag gehen“, so Schwaiger. Stattdessen möchte er sich öfter daran erinnern, seine Tage bewusst zu gestalten und aktiver wahrzunehmen, was um ihn herum geschieht, und sich nicht bereits Stunden zuvor gedanklich beim übernächsten Termin zu befinden.
Bewusstere Tagesroutinen
statt Süßigkeiten
Worauf Bad Feilnbach nicht verzichten sollte, sei ein vernünftiges Standortkonzept, so SPD-Politiker Schwaiger. „Die schöne Landschaft, in die Bad Feilnbach eingebettet liegt, ist unser Alleinstellungsmerkmal, daraus lässt sich viel machen.“ Als Kur- und Tourismusort brauche die Gemeinde eine konkrete Vorstellung davon, wie sich Tourismus, Infrastruktur und Freizeitangebote künftig weiterentwickeln und ergänzen. Sanfter, nachhaltiger Tourismus wäre Schwaigers Idealvorstellung. Der Tourismus im Ort sollte verträglich sein mit den ländlichen Strukturen, der einzigartigen Alpenvorland-Natur und dem Obstanbau, auf den die Apfelgemeinde Bad Feilnbach so stolz sei, findet er.