Bad Aibling – Ein bisher unbekannter Täter hat am vergangenen Samstag in der Zeit zwischen 15 und 17.15 Uhr das Altartuch am linken Seitenaltar der Sebastianikirche im Herzen der Stadt in Brand gesteckt und das brennende Tuch dann vermutlich selbst auf dem Gehsteig vor dem Gotteshaus entsorgt. Auch der Holzrahmen des Altars weist Brandspuren auf. Die Polizei Bad Aibling ermittelt jetzt wegen „Sachbeschädigung durch Brandlegung“.
Bei Pfarrer Philipp Kielbassa und Vertretern der Kirchenverwaltung sowie des Pfarrgemeinderates ist das Entsetzen über die Tat groß. Zugleich sind sie jedoch erleichtert, dass kein größerer Schaden entstanden ist. Die Polizei gibt ihn mit etwa 500 Euro an.
Angesengtes Tuch
liegt vor der Kirche
Mesner Georg Baumann war der Erste, der die Tat bemerkte, als er das Gotteshaus um 17.15 Uhr zusperren wollte. „Da sah ich das angekokelte Tuch vor der Kirche liegen. Ich war richtig geschockt“, sagt der Mesner. Den Tatzeitraum kann er deshalb so genau eingrenzen, weil Baumann einen Zeugen ausfindig gemacht hat, der um 15 Uhr die Kirche besucht hat und versicherte, zu diesem Zeitpunkt sei der Seitenaltar noch unversehrt gewesen. „Ich mag mir gar nicht ausmalen, was da alles hätte passieren können“, so der Mesner.
Er alarmierte unverzüglich die Polizei, die den Vorfall aufnahm und Ermittlungen eingeleitet hat. „Das Altartuch ist kaputt. Auch der Holzrahmen des Altars ist angekokelt. Zudem ist ein Mikrofonkabel durchgeschmort“, listet Baumann die Schäden auf. Was den Mesner neben der Tat ebenfalls irritiert, ist die Tatsache, dass das angesengte Altartuch vor der Kirche offensichtlich keine Aufmerksamkeit erweckt hat. „Das lag ja vermutlich länger dort. Die Brandspuren waren eindeutig zu sehen. Ich verstehe nicht, dass das niemand gemeldet hat“, sagt er.
„Wir ermitteln in alle Richtungen. Derzeit haben wir aber noch keine konkreten Hinweise“, erklärt ein Sprecher der Polizei Bad Aibling. Man werte auf jeden Fall noch weitere Spuren aus, die zum Täter führen könnten. Die Polizei schließt auch einen „dummen Streich“ nicht aus und vermutet, dass der Zündler das Altartuch selbst entsorgt hat. „Wenn das ein unbeteiligter Kirchenbesucher getan hätte, hätte er vermutlich auch die Polizei angerufen“, sagt der Polizeisprecher.
Er hofft darauf, dass sich noch Zeugen des Geschehens melden. Wer am vergangenen Samstag zwischen 15 und 17.15 Uhr verdächtige Beobachtungen in der Kirche oder deren Umfeld gemacht hat, soll sich mit der Inspektion Bad Aibling unter der Telefonnummer 08061/90730 in Verbindung setzen.
Kirchenpfleger Norbert Kotter, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Edward Browne und Altbürgermeister Felix Schwaller, der Vorsitzende des Fördervereins zum Erhalt der Sebastianikirche, haben sich am gestrigen Montag ein Bild vor Ort gemacht und verurteilen die Tat einmütig. „Ich bin empört und erschreckt zugleich. Glücklicherweise ist nicht mehr passiert“, sagt Browne.
Ähnlich äußert sich Felix Schwaller. „Das ist kein lustiger Streich mehr. Wer so etwas tut, schadet nicht nur der Kirche als Gemeinschaft. Der riskiert letztlich den Ausbruch eines Großbrandes in der Kirchzeile“, so der Fördervereinsvorsitzende.
Franz Xaver Gartmeier, der in der Kirchenverwaltung für die Sebastianikirche zuständig ist, spricht von einem „schlimmen Geschehen“ und will jetzt alsbald mit einem Fachmann über die Behebung des Schadens am Altar reden. „Im günstigsten Fall kommen wir mit Reinigungsarbeiten davon und müssen das Kabel austauschen“, meint Gartmeier.
Kein Verständnis für das Handeln des Unbekannten hat auch Pfarrer Philipp Kielbassa. Mit dem Kirchenpfleger und dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden ist er sich jedoch einig, dass das Gotteshaus trotz des Vorfalls weiterhin untertags geöffnet bleiben soll. „Über Konsequenzen müsste man erst nachdenken, wenn es eine Häufung solcher Vorfälle gäbe“, sagt der Pfarrer.
Er appelliert an alle Besucher, die ein wenig in der Kirche verweilen, und auch an vorbeigehende Passanten, Achtsamkeit an den Tag zu legen. „Das ist der beste Schutz, damit sich ein solches Geschehen nicht mehr wiederholt“, ist Kielbassa überzeugt.