Ohne Angst vor dem Unbekannten

von Redaktion

Vor zehn Jahren kam Christine Kaa als Freiwillige zur Asylhilfe Bruckmühl. Ihr Ehrenamt versteht sie als Chance, Menschen zusammenzubringen und durch Begegnungen zu bereichern. Wie in Bruckmühl Integration durch Begegnung gelingt.

Bruckmühl – „Insgesamt passiert in Bruckmühl total viel”, sagt Christine Kaa über die Arbeit der Bruckmühler Asylhilfe. Die rund 14 aktiven Mitglieder des Helferkreises sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, den Geflüchteten, die in Bruckmühl ankommen, den Start in der neuen Heimat zu erleichtern. Aktuell plant Kaa daher etwa einen Kinderflohmarkt: Die Asylhilfe hat in den vergangenen Wochen und Monaten viele Kleiderspenden bekommen, die so nun an die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung verteilt werden sollen.

Deutsch Lernen
als oberste Priorität

Seit einiger Zeit bietet die Volkshochschule in Zusammenarbeit mit der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) Rosenheim Deutschkurse für Geflüchtete an. Auch dieses Angebot geht auf die Initiative der Asylhilfe zurück. Einmal pro Woche ist außerdem die integrative Radlwerkstatt des Helferkreises geöffnet: Zwei Ehrenamtliche reparieren hier gemeinsam mit einigen Geflüchteten Fahrräder, die von Bruckmühler Bürgern gespendet wurden. Zur Werkstatt gehört außerdem das Reparaturcafé, mit dem die Freiwilligen einen weiteren Raum für Begegnungen schaffen möchten.

Aus derselben Idee heraus ist auch das Café International in der Bruckmühler Kulturmühle entstanden. Jeden letzten Montag im Monat kommen hier Bruckmühler Bürger und Geflüchtete bei Kaffee, Tee und selbst gebackenem Kuchen zusammen. Kaa und ihre Helfer möchten damit niederschwellig eine Plattform zum gegenseitigen Austausch schaffen. Auch Geflüchtete, die bereits Wohnung und Arbeit gefunden haben, gehören hier häufig zu den Gästen: Ihre Erfahrungsberichte sollen den neu Angekommenen helfen, schneller Fuß zu fassen.

Schwerpunkt der Tätigkeit des Asylhelferkreises seien aktuell die Deutschkurse für die Geflüchteten. Momentan werden nur Kurse für Erwachsene ab einem Alter von 19 Jahren gefördert. Kaa und ihre Kollegen möchten allerdings auch Kindern die Chance geben, sich während ihrer Ankunftszeit in Bruckmühl intensiver mit der deutschen Sprache zu befassen. In der Erstaufnahmeeinrichtung sind Kinder und Jugendliche von der Schulpflicht befreit, „theoretisch hätten sie Zeit, Deutsch zu lernen, aber das Angebot fehlt“, so Kaa. Doch sei es wichtig, Kinder schnell an die neue Sprache heranzuführen und sie damit sinnvoll zu beschäftigen.

Erstaufnahme ist
keine Dauerlösung

Sechs bis acht Wochen bleiben die Geflüchteten in der Erstaufnahmeeinrichtung, weiß Kaa. Danach werden sie neu auf Einrichtungen verteilt, in denen sie für längere Zeit wohnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie in Bruckmühl bereits Arbeit gefunden haben. Es sei den Geflüchteten deshalb zu wünschen, dass sie schnell nach Ankunft in der Erstaufnahmeeinrichtung verlegt werden. So können sie ihre eigene Zukunft besser planen und sich an ihrem neuen Wohnort eine Existenz aufbauen.

Bis Sommer 2025 wurde die Turnhalle des Gymnasiums in Bruckmühl als provisorische Erstaufnahmeeinrichtung genutzt. Viele ehemalige Bewohner haben nun eine neue Bleibe in einem von zwei Containern direkt neben der neuen Erstaufnahmeeinrichtung gefunden. Um sie hinreichend betreuen zu können, hat die Asylhilfe sich in einem der Container ein kleines Büro eingerichtet. Neben anfallender Büroarbeit finden hier Lebenslauf- und Bewerbungstrainings oder Nachhilfekurse statt. Aktuell bereiten sich zwei afrikanische Geflüchtete auf den qualifizierenden Mittelschulabschluss vor. „Ein ehemaliger Mathematik-Professor aus der Region hat sich bereit erklärt, die beiden auf diesem Weg zu begleiten”, erzählt Kaa.

Insgesamt sei es schwieriger geworden, Helfer zu finden, berichtet Kaa. Ihren eigenen freiwilligen Arbeitsaufwand schätzt sie auf acht bis zehn Stunden pro Woche ein. „Hätte ich mehr Zeit, könnte ich mich hier aber auch deutlich länger beschäftigen. Bei uns gibt es immer was zu tun.” Dazu gehören nicht nur gemeinsame Ämter- oder Behördengänge, sondern die Freiwilligen leisten auch viel emotionale Unterstützung.

„Oft sind wir einfach nur zum Trösten und zum Ratschen da”, so die Ehrenamtliche. Ab Mitte März kommt außerdem ein neuer Freiwilliger im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes nach Bruckmühl. Für ein halbes Jahr unterstützt er die Asylhilfe dann in Vollzeit und kann so die Ehrenamtlichen entlasten, freut sich die freiwillige Helferin.

Die Asylhilfe heiße jedes neue Gesicht willkommen, so die Ehrenamtliche Kaa, denn „niemand sollte Angst vor dem Unbekannten haben”. Wird sie in ihrem Umfeld mit Unsicherheiten Fremden gegenüber konfrontiert, lädt sie die Menschen immer ein, einfach mal beim Helferkreis vorbeizuschauen.

Wenige Helfer
und viel zu tun

Doch sollte sich keiner von ihnen zum ehrenamtlichen Engagement verpflichtet fühlen. Auch ein kurzer Besuch zu Kaffee und Kuchen im Café International beispielsweise trägt zu mehr Integration in Bruckmühl bei, weiß Kaa aus langjähriger Ehrenamtserfahrung. Doch wer helfen möchte, für den finde der Helferkreis immer eine sinnstiftende Tätigkeit.

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