Faire Debatte der Bürgermeisterkandidaten

von Redaktion

Vier Bürgermeisterkandidaten stellten sich in Bad Aibling den Fragen der Bürger. Bei der Podiumsdiskussion ging es um drängende Themen wie Wohnungsbau, Verkehr, die Sanierung des Bahnhofs und die angespannte Haushaltslage der Kurstadt.

Bad Aibling – Die Bürger entscheiden bei den Kommunalwahlen am Sonntag, 8. März, über ihre künftigen Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeinderäte. In Bad Aibling bewerben sich der amtierende Rathauschef Stephan Schlier (CSU), Kirsten Hieble-Fritz (Freie Wähler/ÜWG), Silvia Groß (AfD) und Florian Weber (Bayernpartei und Aiblinger Liste) um das höchste Amt der Kurstadt an der Mangfall.

Ziele und Visionen für
die kommende Amtszeit

Im Rahmen einer friedlichen und fairen Podiumsdiskussion standen alle vier Bewerber den Fragen von Bürgern im Saal des B&O-Parkhotels Rede und Antwort. Organisiert hatte die gut besuchte Veranstaltung, unter anderem von Stadträten, die „Aiblinger Liste“. Als Moderator fungierte Altbürgermeister Dr. Werner Keitz.

In einer kurzen Informationsrunde stellten sich die vier Bewerber zu ihrer Person sowie ihren Zielen einer Rathauspolitik in den kommenden sechs Jahren vor. Stephan Schlier wurde 2020 als Nachfolger von Felix Schwaller Bürgermeister. Vieles hat sich in der ablaufenden Legislaturperiode getan, wie Schlier resümierte.

Wohnungsbau: Zwischen Verdichtung und Leerstand

Investiert wurde in Bildung, Wohnungsbau, Klimaschutzmanagement sowie in Projekte für die Gemeinschaft. Im Fokus stehen für ihn künftig keine „XXL-Projekte“, sondern kleinere und kostengünstigere Projekte. Sein Anliegen gelte den dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen am Bahnhof sowie der Ansiedlung von Gewerbe und dem Ausbau der Kläranlage.

Kirsten Hieble-Fritz, Zweite Bürgermeisterin, habe guten Kontakt zur Stadtverwaltung und will Veränderungen bringen. Sinnvoll sei es ihrer Ansicht nach, zu sparen und jede Investition gut zu überdenken. Sie stehe für transparente und barrierefreie Politik und will die Jugend ins Rathaus holen. Florian Weber ist seit zwölf Jahren Stadtrat und Referent für Inklusion sowie im Bauausschuss. Ihn bewegen die Themen Haushalt, Bauen, die Verkehrssituation sowie die Parkplatznot. Die 39-jährige Silvia Groß (AfD) stehe für eine strikte Haushalts- und Ausgabenpolitik im Interesse der „Fairtrade-Stadt“ Bad Aibling, mehr Busverkehr, und sie bewerte etwa ein Thermenhotel als nicht zwingend erforderlich.

Anliegen von Bürgern galten dem Wohnungsbau, speziell den Verdichtungen und Leerständen in den Neubaugebieten Harthausen und Ellmosener Wies. Laut den Podiumsteilnehmern wurden rechtskräftige Bebauungspläne im Wesentlichen umgesetzt und sollten mehr Qualität bringen.

Wie Kirsten Hieble-Fritz erklärte, gelang der Wohnungsbau nicht optimal, und fordere in Zukunft eine attraktivere Gestaltung von Wohngebieten. Die hohen Entstehungskosten während Corona und Krieg in der Ukraine, sorgten für eine schlechtere Nachfrage der teuer gewordenen Wohnungen und somit für Leerstände, so Schlier ergänzend. Mögliche Lösungen sieht der amtierende Rathauschef in kleineren Immobilien unter dem Aspekt „Man muss bauen können!“. Bezogen auf Fragen zum „Sozialen Wohnungsbau“ plädierte Florian Weber für die Nutzung schnellerer Verfahren und Silvia Groß für erleichtertes Bauen sowie das Aufstocken von Bestandsgebäuden für mehr Wohnraum.

Ärger und Sorgen, auch um ihre Sicherheit, bereitet den Bürgern nach wie vor der Verkehr. Bemängelt wurden zugeparkte Straßen, etwa in der Kolbermoorer Straße, oder zu hohes Tempo in der Irlachstraße. Fragen gab es über Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung im Innenstadtbereich.

Bezüglich der Kolbermoorer Straße und der Einrichtung von Parkverboten liegt derzeit kein fertiges Konzept vor, so Hieble-Fritz. Wie Weber und Schlier anmerkten, handle es sich bei der Kolbermoorer Straße um eine Kreisstraße, für die das Landratsamt zuständig sei und wofür es Druck auf die Behörde erfordere. Gleiches gelte für die Texasstraße, ein Sicherheitsrisiko bei Querungen in den Sportpark.

Bahnhof als
unwürdige Visitenkarte

Schlier denke über eine Rückstufung der Ellmosener Straße von einer Kreis- in eine Gemeindestraße nach. Das Thema „Verkehr“ werde im neuen Stadtrat priorisiert. Den Innenstadtbereich zu bereinigen, könne eine gleichberechtigte Teilung nach dem „Shared Space“-Modell erfolgen. Silvia Groß plädierte für den Ausbau und eine stärkere Nutzung des ÖPNV.

Eine unwürdige Visitenkarte für die Kurstadt stelle laut vieler Bürger der Bahnhof und sein Umfeld, insbesondere der Parkplatz, auch als „Truppenübungsgelände“ tituliert, dar. Das Problem einer umfassenden Sanierung des Geländes, 2020 von der Stadt erworben, sei derzeit der Mangel an Haushaltsmitteln, wie Bürgermeister Schlier und Stadträtin Kirsten Hieble-Fritz betonten.

Möglich wären kostenverträgliche Interimslösungen, etwa zur Auffrischung der Optik. Einer dringenden Lösung bedarf Florian Weber zufolge die Toilettenanlage. Silvia Groß stelle sich das Bahnhofsgebäude als Haus für Vereine vor. Der Bau einer Bahnunterführung in der Frühlingsstraße ist bezogen auf die Örtlichkeit, hohe Kosten und langwierige Verhandlungen mit der Bahn nicht realisierbar.

Wunsch nach Sportbad scheitert an den Kosten

Bürger wünschen sich zudem, auch zur Förderung des Schwimmunterrichts, ein Sportbad. Eine Realisierung scheitert jedoch aufgrund erheblich hoher Kosten im zweistelligen Millionenbereich, wie das Podiumsgremium begründete und auf Probleme im Unterhalt einer defizitären Einrichtung hinwies.

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