Essen lernen im Kindergarten

von Redaktion

Im Kindergarten Burg Sonnenstein in Bad Aibling gibt es ein Kinderrestaurant. Es ist Rückzugsort und Treffpunkt zugleich und fördert mit einem besonderen Konzept die Eigenverantwortung und das Sozialverhalten der Kleinsten.

Bad Aibling – Es dient als Rückzugsort und ist zugleich ein beliebter Treffpunkt, dem ein pädagogisches Konzept zugrunde liegt: das Kinderrestaurant im Kindergarten Burg Sonnenstein in Bad Aibling, der unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo) steht. „Die Einrichtung ist bei den Kindern sehr beliebt und wird rege genutzt“, freut sich Kindergartenleiterin Agnes Grünäugl.

Eine Holztafel und ein bunter Schriftzug weisen auf den Raum im Kindergartenbereich hin. Die Idee zu dieser Form des Essensbereichs, dessen Nutzung mit festen Spielregeln verbunden ist, hatte das Kindergarten-Team.

Feste Regeln
und flexible Zeiten

Das Restaurant hat täglich ab 7 Uhr geöffnet, damit sich Kinder, die in Ruhe frühstücken wollen, bereits dort aufhalten können. Im Verlauf des Tages gibt es feste Zeitkontingente, in denen die Buben und Mädchen dort eine kleine Brotzeit machen können, wenn sie darauf Lust haben. Zwischendurch ist das Restaurant immer wieder kurzzeitig geschlossen.

Für die 45 Kindergartenbesucher, die ihr Mittagessen dort einnehmen, gibt es eine festgelegte zeitliche Regelung. „Das verhindert, dass Gedränge entsteht“, weiß die Kindergartenleiterin. Deshalb habe man die Besucher, die zum Mittagstisch kommen, in drei Gruppen aufgeteilt.

Während der Öffnungszeiten des Restaurants ist stets Personal zugegen, das bei Bedarf Hilfestellung beim Essen gibt. Oberstes Bestreben des Kindergartens ist es, den Kindern im Restaurant-Bereich Eigenverantwortung zu übertragen und ihr Sozialverhalten zu stärken. „Beim Essen in der Gruppe schauen die viel voneinander ab“, weiß Agnes Grünäugl aus Erfahrung.

Essen und Getränke dürfen sich die Kinder selbst nehmen. Wichtig ist für Grünäugl, dass niemand zum Essen gezwungen wird. Es gibt sogar kleine Probierschalen für den Fall, dass ein Kind einem angebotenen Gericht mit Skepsis begegnet. „Da dürfen sie mit dem Finger eintauchen und dann sagen, ob ihnen das Essen schmeckt. Wenn nicht, bekommen sie etwas anderes“, sagt die Kindergartenleiterin.

Ihr ist auch wichtig, dass die Tische immer schön gedeckt sind. „Das Auge isst mit. Deshalb wollen wir hier eine Wohlfühl-Atmosphäre und Tischkultur schaffen“, so Grünäugl.

Um den Zusammenhalt zu stärken, befindet sich in der Mitte des Raums ein acht Meter langer Tisch, an dem 20 Kinder gemeinsam essen können. Für diejenigen, die Zurückgezogenheit bevorzugen, gibt es auch Zweier-Tische. „Da haben sich schon Freundschaften entwickelt. Manche unserer Schützlinge wollen an solch einem kleinen Tisch zusammensitzen“, weiß Kinderpflegerin Viktoria Vogler.

Das warme Mittagessen wird von einem Caterer geliefert. Auf eine ausgewogene Ernährung und Nachhaltigkeit legt das Kindergarten-Team Wert. „Deshalb gibt es bei uns kein Plastik-, sondern nur Porzellangeschirr. Außerdem stehen immer Obst und Gemüse auf dem Speiseplan“, berichtet Agnes Grünäugl. Beim Herschneiden dieser Zutaten dürfen die Kinder mithelfen. „Das macht ihnen viel Spaß“, so Grünäugl.

Sehr beliebt ist auch der Müsli-Tag, der immer auf den Mittwoch fällt. Ihr Müsli dürfen die Kinder selber zusammenstellen. Wie viel Milch sie dazu benötigen, entscheiden sie ebenfalls selbst. „Da steht immer eine Kanne da“, weiß Viktoria Vogler.

Als eine „tolle Einrichtung“ bezeichnet Thomas Körbel, der Vorsitzende des Elternbeirates, das Restaurant. „Die Kinder lieben das“, weiß der Vater. Den Betreuerinnen rechnet er hoch an, dass sie ihr Personalzimmer, das sich in dem Raum befand, zugunsten des Restaurants verlegt haben. „Das war eine pragmatische Lösung. Das Signal ist bei den Eltern gut angekommen“, sagt Körbel, dem auch die Holztafel über der Eingangstür zum Restaurant gefallen hat. „Das war ein Geschenk der Eltern jener Kinder, die im Vorjahr in die Schule gekommen sind“, erzählt er.

Nachhaltigkeit
und gesunde Ernährung

Dass im Kinderrestaurant Eigenverantwortung gefördert wird, begrüßt auch Körbel sehr. In einem Bereich würde Agnes Grünäugl die Kinder ebenfalls gerne in die Pflicht nehmen, gesetzliche Vorgaben lassen das aber nicht zu. „Ich würde unsere Schützlinge beim Abspülen einsetzen. Es gibt doch für Kinder nichts Schöneres, als beim Abwasch pritscheln zu dürfen“, ist sie überzeugt. Hygienevorschriften, über deren Einhaltung das Gesundheitsamt streng wacht, verhindern dies. Sie besagen, dass alles Geschirr in der Spülmaschine gereinigt werden muss. „Das ist schon schade“, meint die Kindergartenleiterin, ist aber dennoch sehr froh darüber, dass dieser Umstand die Akzeptanz des Restaurants bei den Kindern offensichtlich nicht schmälert.

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