Feldkirchen-Westerham – Viele Bürger wünschen sich, dass sich im Bereich Verkehr in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham an manchen Stellen etwas ändert. Das wurde in der jüngsten Bürgerversammlung deutlich und auch bei der Kundgebung der Bürgerinitiative „Sicher unterwegs in Feldkirchen-Westerham“.
Da das Thema für viele Menschen in der Gemeinde wichtig erscheint, haben die OVB-Heimatzeitungen im Hinblick auf die Kommunalwahl am 8. März, bei der auch in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham der Gemeinderat gewählt wird, bei Vertretern der acht Kandidatenlisten nachgefragt, was sie von der aktuellen Verkehrssituation in ihrer Heimat halten.
Tempo 30 in
Wohngegenden
Einig sind sich fast alle, dass vor allem Handlungsbedarf an der Miesbacher Straße, an der Aiblinger Straße in Westerham und auf der Staatsstraße 2078 besteht. Das seien laut Pankraz Schaberl (SPD) einige der Hauptverkehrsadern in der Gemeinde, „die sehr stark, bis zuweilen zu stark frequentiert werden“.
Seit sechs Jahren ist Schaberl nun schon im Gemeinderat. Für die kommenden Jahre will sich die lokale politische Wählergruppe vor allem für Tempo 30 in Wohngegenden starkmachen. „Die SPD Feldkirchen-Westerham hat bereits vor dem ISEK-Projekt im Gemeinderat einen Antrag eingereicht, mit einem Tempo-50/Tempo-30-Netz, präzisiert an einer beispielhaften Wohngegend in Westerham“, erklärt Schaberl.
Damals wurde der Antrag im Gremium abgelehnt. Nun stehe genau das im ISEK-Katalog als Ergebnis drin, dass Tempo 30 nicht nur in Wohngebieten, sondern unter anderem auch vor Kindergärten und Altenheimen kommen soll. „Hier sollten die Ausarbeitungen des ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) schnell umgesetzt werden“, sagt Pankraz Schaberl. Außerdem will sich die SPD auch für die weitere Planung des Fußgänger- und Fahrradnetzes einsetzen.
„Großer Gewinn
für die Anwohner“
Martin Oswald (Pro Bürger) bezeichnet die nächtliche Regelung auf der Staatsstraße als „großen Schritt in die richtige Richtung“ und als „großen Gewinn für die Anwohner“. Der Antrag gehe auf seinen Fraktionskollegen Beppi Kammerloher zurück. Allerdings sieht Oswald noch weiteren Verbesserungsbedarf an mehreren „unbefriedigenden und gefährlichen“ Stellen wie der Miesbacher und Aiblinger Straße sowie der Bahnhofstraße.
„Ein für mich absolut wichtiger Punkt ist die Miesbacher Straße direkt vor meiner Haustüre. Hier gab es vor vielen Jahren schon einmal einen Schülerlotsenübergang. Dieser könnte aus meiner Sicht sehr schnell wieder neu als Zebrastreifen ‚reaktiviert‘ werden“, erklärt er. An erster Stelle der Agenda der Pro Bürger stehe der Ausbau der Aiblinger Straße. Parallel dazu müssten aber auch kleinere Maßnahmen umgesetzt werden, beispielsweise vor Schulen, Kindergärten oder in der Ortsmitte Feldkirchen.
Auch für die Grünen sind die Sicherheit im Schulbereich und der Ausbau der Aiblinger Straße zentrale Anliegen. Carolin Günzl verweist auf Verkehrszählungen, die „ein sehr hohes Verkehrsaufkommen“ auf der Staatsstraße 2078 und der Aiblinger Straße belegen. „Grund dafür ist die spezielle Lage Feldkirchen-Westerhams im Vierlandkreiseck und die Funktion als Ausweichroute zur Autobahn A8“, erklärt Günzl. An diesen und anderen Ortsdurchgangsstraßen fehle es an sicheren Querungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer. Vor allem, da an der Staatsstraße und Aiblinger Straße viele Schulwege entlangführen. Zusätzliche Hoffnung setzt die Partei in das IBA-Projekt „Transformation im Herzen“, das die Verkehrssituation im Ortskern verbessern soll. Erfreulich sei auch die Schaffung einer Personalstelle für Verkehrsanliegen im Bauamt.
Für die Freien Wähler Feldolling hat die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern einen hohen Stellenwert, allerdings sollen Maßnahmen dem motorisierten Verkehr nicht zum Nachteil werden. „Ein Großteil der Feldollinger Bürgerinnen und Bürger wünscht sich die Durchgängigkeit des Fuß- und Radwegs entlang der Ollinger Straße“, sagt Georg Glas. Generell ist die Verkehrssituation in der Gemeinde aus Sicht der Freien Wähler Feldolling „nicht in allen Belangen zufriedenstellend“. Glas fügt auch eine sichere Überquerung zum Feldollinger Bahnhaltepunkt hinzu. Er betont, dass derzeit einiges im Bereich Verkehr passiere.
Als Brennpunkt im Bereich Verkehr fügt die CSU die Bahnverbindung nach Rosenheim und München hinzu. Generell fordert sie seit Längerem ein Verkehrsgutachten, das Straßen, ÖPNV sowie Rad- und Fußwege berücksichtigt, welche nun ein Schwerpunkt im ISEK sind.
Ein Vorzeigeprojekt in der Gemeinde ist für ihn der Gmoabus, der gut angenommen wird und vor allem für „nicht so mobile Bürger ein wichtiges Angebot ist“. Neumaier lobt außerdem: „Seit letztem Jahr bietet die Gemeinde ein E-Carsharing-Modell an, und es wurden öffentliche Ladesäulen in Westerham, Feldkirchen und Großhöhenrain installiert.“
Für die Ortsliste Vagen ist die Gemeinde im Bereich Verkehr dagegen gut aufgestellt. „Herausforderungen sehen wir aber vor allem in der Trennwirkung der Staatsstraße 2078, im hohen Anteil an Schwerlastverkehr auf der Staats- und der Aiblinger Straße sowie bei einzelnen Querungen“, erklärt Georg Meixner. Die Ortsliste Vagen wünscht sich die Weiterentwicklung der Aiblinger Straße, die Stärkung der Radverbindungen zwischen den Ortsteilen unter möglicher Einbeziehung des Kies-Freizeitwegenetzes, also eines Naturparks, und die Aufwertung der Lebensqualität entlang der Staatsstraße 2078, gegebenenfalls mit Impulsen im Rahmen der IBA. „Wir haben stets die gesamte Gemeinde im Blick – alle Ortsteile gleichermaßen“, so Meixner.
Fahrradstraßen
und Inselteilungen
Auch die lokale politische Wählergruppe „Parteifreie Wähler Gesamtgemeinde“ schließt sich bei den genannten Brennpunkten an. „Die Gemeinde – und hier insbesondere die Ortsteile Feldkirchen, Westerham und Feldolling – leidet unter einem hohen Verkehrsaufkommen, insbesondere an den Ortsverbindungs- und Durchgangsstraßen“, kritisiert Wolfgang Reitmeyer. Sie wünschen sich dringend bauliche Maßnahmen am Fahrbahnkörper, wie eine Inselteilung der Fahrstreifen an den Ortseingängen. „Diese bremsen den Durchgangsverkehr ab und sind eine zusätzliche ‚optische Sichtbarmachung‘ für Verkehrsteilnehmer, dass sie in eine geschlossene Ortschaft einfahren“, sagt Reitmeyer. Zudem wünschen sie sich Querungshilfen an viel befahrenen Straßen sowie Radwege sowohl innerorts als auch an Ortsverbindungsstraßen. „Und die Einrichtung von ‚Fahrradstraßen‘ an geeigneten Verkehrswegen“, erklärt er weiter. Wünschenswert sei außerdem, dass die nächtliche Tempo-30-Beschränkung auch ganztägig gelten soll.
Einige Punkte sieht die AfD anders. „Sehr gut läuft leider gar nichts“, sagt Roland Zeddies. Die Verkehrssituation in der Gemeinde, wie die Verkehrsberuhigung in Wohngebieten, sei nach wie vor „ein Stückwerk“. Außerdem sei sie durch die geografische Lage im Mangfalltal, die Staatsstraße, die Bahnlinie und die Aufteilung in drei Ortsteile kompliziert.
Sichere
Fußgängerüberwege
Wichtig ist ihm auch die Anbindung des Gewerbegebietes Westerham per Auto, Lkw und Fahrrad. Einfache Maßnahmen wie Tempo-30-Zonen und die Sicherung von Fußgängerüberwegen, wie beim KI-West, sollten unverzüglich umgesetzt werden. Zusätzlich sind Querungshilfen nötig, zum Beispiel an der Westerhamer Straße (Höhe Von-Adrian-Straße) für den dort ungesicherten Mangfallradweg und eine an der Staatsstraße beim neuen Dorfplatz. „Schließlich liegt ja auf der gegenüberliegenden Seite eine im Sommer gut frequentierte Eisdiele“, so Zeddies.
Er kritisiert, dass das ISEK trotz umfangreicher Datenerhebung „keine guten Ideen“ liefert. „Einzelne Maßnahmen wie die Ausweisung von Tempo-30-Zonen oder die zeitweise Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf der Staatsstraße innerhalb von Feldkirchen begrüßen wir“, sagt Zeddies. Sie seien aber unzureichend. Um die Probleme des demografischen Wandels zu meistern, müsse die Gemeinde ihr Potenzial nutzen und ein attraktives Umfeld für Familien schaffen. Ein Punkt, den jede lokale politische Wählergruppe mit ihren Ideen wohl erreichen möchte.