Feldkirchen-Westerham – Dass mal eine Holzbank für Hannelore und Peter Graf eine große Bedeutung haben würde, hätten sie wohl nie gedacht. Das Ehepaar aus Westerham feiert im September diamantene Hochzeit. Seit 60 Jahren gehen die beiden nun schon zusammen durchs Leben und haben in dieser Zeit vieles erlebt. Und dabei spielten eine Ruhebank an der Lechnerwiese und deren Bankerl-Schild eine große Rolle.
Von Berlin
nach Westerham
„Wir haben uns im Schwarzwald in einer Eisdiele kennengelernt“, erinnert sich Peter Graf. Das war 1962. Hannelore war zu dem Zeitpunkt 20 Jahre alt und Peter 19. Er habe dort mit ein paar Freunden an einem Tisch gesessen, als eine Gruppe Frauen hereinkam. Darunter auch Hannelore. Prompt habe er sie angesprochen und offensichtlich hat es zwischen beiden gut gepasst. Auch im Beruflichen sind beide einen ähnlichen Weg gegangen. „Ich war Köchin und er Bäcker“, sagt Hannelore Graf.
Nach ihrem Kennenlernen zogen sie ein paar Monate später vom Schwarzwald in die Hauptstadt Berlin. Dort wurde Hannelore Graf geboren. Nachdem sie ein paar Jahre zusammenlebten, wurde 1966 geheiratet. Doch irgendwann war Berlin nicht mehr der richtige Ort zum Wohnen. „Da war ja ringsherum die Mauer und das war für Peter immer etwas zu eng, wenn er mit mir sonntags spazieren gegangen ist“, sagt Hannelore Graf und lacht.
Nach etwa zehn Jahren in Berlin zogen sie nach Westerham, der Heimat von Peter Graf. Denn in Bruckmühl wurde er geboren und seine Verwandtschaft lebt hier. An ihren ersten Besuch in der Gemeinde nahe der Mangfall kann sich die 85-Jährige noch gut erinnern.
„Das war unser erster Urlaub, den wir zusammen gemacht haben“, sagt sie. „Wir sind in den Osterferien von Berlin nach Westerham gereist und da habe ich dann seine Eltern kennengelernt.“ Peter Graf wollte seiner Zukünftigen aber auch die wunderschöne Landschaft von Feldkirchen-Westerham zeigen und ging mit ihr zur Ruhebank an der Lechnerwiese. „Es war sehr schön dort und an meiner Seite war mein Freund, der sehr stolz auf die Gegend war“, sagt Hannelore Graf und lacht.
Stöckelschuhe gegen
Wanderschuhe getauscht
Was sie allerdings nicht wusste, war, was noch auf sie zukommen sollte. „Wir haben dann von der Bank aus eine Riesentour gemacht“, sagt ihr Ehemann. „Das war ein Test für sie, ob sie auch die Richtige ist“, sagt er scherzhaft. Schließlich liebt er es, draußen unterwegs zu sein. Was für Hannelore Graf in diesem Ausmaß neu war. „Ich komme aus Berlin, da hatte ich immer Stöckelschuhe an, und die musste ich dann gegen Wanderschuhe austauschen“, sagt sie. „Aber ich habe alles mitgemacht und den Test damit bestanden.“
In Westerham fühlt sie sich aber wohl. Beide mögen ihre Wahlheimat sehr. Vor allem, weil es hier ein großes Gemeinschaftsgefühl gibt. „Wir sind sehr stolz, dass es hier so viele Vereine gibt, die sich so stark bemühen, dass ein Zusammenhalt und ein Heimatgefühl entstehen“, sagt Hannelore Graf. Die beiden bringen sich auch gerne mit ein, denn sie möchten ihrer Heimat etwas zurückgeben. „Für uns ist es sehr wichtig, wenn wir in einem Ort leben, uns einzubringen und Einzelne zu unterstützen.“ So ist Peter Graf unter anderem seit 40 Jahren bei der Awo und Hannelore Graf hat sich für die Nachbarschaftshilfe engagiert. Zudem unterstützen beide auch den Ortsverein Westerham. Seit 1971 lebt das Ehepaar nun schon in Westerham. Hier ist ihre Tochter geboren worden, die nun in Taufkirchen mit ihrem Kind lebt. Viele Jahre hatten die Grafs auch eine eigene Praxis. „Als wir noch in Berlin gewohnt haben, hatte Peter schwere Asthmaanfälle von dem Mehlstaub bekommen“, erzählt Hannelore Graf. Also machte das Ehepaar eine Umschulung zu Masseuren und baute sich seine eigene Praxis in Westerham auf. „Wir sind glücklich darüber, dass wir ein Geschäft zusammen hatten, in dem wir uns zusammen entwickelt haben“, sagt sie. Auch ein eigenes Haus bauten sie sich gemeinsam auf. Hier sitzen sie nun im Wintergarten und denken an die vielen gemeinsamen Jahre zurück. 60 Jahre sind sie bald verheiratet, aber beide sind sich sicher, ein „absolutes Rezept“ für eine lange Ehe gibt es nicht. „Man muss vertrauen“, sagt Hannelore Graf. „Man muss einfach zusammenstehen, ehrlich sein und auch mal Verantwortung füreinander übernehmen.“ Auch viele schöne Momente führten einen immer wieder zusammen. Das Ehepaar habe viel gearbeitet. Deshalb haben die Grafs am Wochenende gerne etwas Schönes unternommen. „Wir waren immer mit unserem Kanu oder Segelboot auf den Seen unterwegs“, sagt Hannelore Graf. Auch Skifahren, Wanderungen und viele Reisen ins Ausland wurden gemacht.
Versteigerung der
Bankerl-Schilder
An ihr gemeinsames Leben und vor allem an ihre gemeinsame Ruhebank an der Lechnerwiese haben sie nun eine besondere Erinnerung – direkt vor ihrer Haustür. Denn dort befindet sich eine hölzerne Bank, auf der ein kleines goldenes Schild mit der Aufschrift „OVDE-Bankerl“ befestigt ist. Der Ortsverein Westerham hieß früher „OVDE – Ortsverschönerung und Dorfentwicklung Westerham“. Mit der Namensänderung wurden alle fünf Bankerlschilder, die es in Westerham gab, ausgetauscht und für einen guten Zweck versteigert, erklärt Christine Baumgartner, Vorsitzende des Vereins. Das betraf auch die Ruhebank an der Lechnerwiese. Bei der Versteigerung bot Peter Graf für „seine“ Bank. „Als er davon hörte, blieb ihm nichts anderes übrig, er musste es haben“, sagt seine Frau. Letztendlich erhielt er das Schild und befestigte es gleich auf der Bank vor der Haustür des gemeinsamen Hauses.