Bad Aibling – Jahrzehntelang führte die Familie Donbeck in ihrem Anwesen an der Ecke Sedan-/Karolinenstraße in Bad Aibling ein Milchgeschäft, in dem sie auch Käse verkaufte. Nach der Schließung des Ladens erwarb die Familie Schnellbach, die in der Kurstadt eine Firma für Landschaftsgestaltung betreibt, vor fünf Jahren das Haus. Jetzt hat eine Abrissfirma einen Teilabbruch des markanten Gebäudes in der Innenstadt vorgenommen, das einer anderen Nutzung zugeführt werden soll.
Ein Laden für
Taschen und Kleidung
Wenngleich das Erdgeschoss als Verkaufsraum erhalten bleibt, muss die Aufschrift „Milchladen“ an der Fassade weichen. In den Geschäftsräumen, die neue Schaufenster erhalten sollen, wollen Markus Schnellbach und seine Frau Susanne künftig hochwertige alte Taschen und auch alte Kleidung der gehobenen Klasse anbieten.
„Meine Frau sammelt selbst alte Taschen. Wir können uns eine Art Ausstellung vorstellen, am Freitag und Samstag könnte dann beispielsweise der Verkauf erfolgen. Genau steht das aber alles noch nicht fest“, sagt Markus Schnellbach. Wichtig sei, dass in die Ladenpassage Leben einkehre und sie Augenmerk auf sich ziehe.
Wenngleich Schnellbach darauf hofft, dass der Rohbau des neuen Gebäudes bis Mitte Mai steht, wird das Geschäft nach bisheriger Zeitplanung wohl erst im nächsten Jahr öffnen. „Da gibt es noch viel zu tun“, begründet der neue Eigentümer das ins Auge gefasste Zeitfenster.
Auf das Erdgeschoss will das Ehepaar zwei Geschosse in Holzständer-Bauweise draufsetzen. Die Garage wird zudem neu betoniert, auch eine Dachterrasse ist geplant. Insgesamt wird das Gebäude laut Schnellbach „ein bisserl höher als der Bestand“. Der Grund für die genehmigte Aufstockung ist simpel. „Wir wollten das Dachgeschoss bewohnbar machen“, so Schnellbach.
Sobald der Rohbau steht, will er mit dem Innenausbau beginnen. „Der wird sich bis in den Winter ziehen, weil ich viel selber machen will. Es pressiert ja nichts“, so der Eigentümer.
Floriansbild bleibt
nicht erhalten
Nicht erhalten bleibt auch das Floriansbild, das bisher die Front der Fassade zierte. Nach der Berichterstattung im Mangfall-Boten über eine Kuriosität ist ein Geheimnis mittlerweile gelüftet, das im Vorjahr noch mit der Heiligen-Darstellung verbunden war. Der Kopf des Schutzpatrons der Floriansjünger wurde weithin sichtbar durch ein aufgeklebtes Porträtbild ersetzt, welches das Gesicht von Markus Schnellbach zeigte. „Da haben sich zwei Freunde von mir eine Gaudi gemacht“, weiß er heute. Irgendwann im Vorjahr hätten sie ihm diese Tatsache „gebeichtet“.
In der Stadt war die ungewöhnliche Fassadenänderung seinerzeit mit Humor aufgenommen worden. Die Rathausverwaltung sah laut Bürgermeister Stephan Schlier keinen Grund zum Einschreiten, da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz stand. Weil es sich um ein Privatanwesen handle, sehe er die Sache „entspannt“, kommentierte Bad Aiblings Feuerwehrkommandant Reinhard Huber damals das Geschehen.
Gelassen sah auch Stadtpfarrer Philipp Kielbassa die veränderte Floriansdarstellung. Wenn man wolle, könne man darin durchaus einen theologischen Hintergrund erkennen. „Die Darstellung kann man auch als Hinweis verstehen, als Menschen so zu leben, dass wir alle Heilige werden können. Insofern ist sie gar nicht so verkehrt und dient irgendwie auch als Mahnung.“