Eine besondere Wohngemeinschaft mit 288 Pfoten

von Redaktion

Bedürftige Katzen finden in Bruckmühl im Gnadenhof Katzentraum eine neue Heimat

Bruckmühl – „Ein Miau klingt überall auf der Welt gleich“, weiß Renate Holland, die Vorsitzende des Vereins Gnadenhof Katzentraum. Deshalb finden nicht nur Katzen aus der näheren Umgebung Zuflucht im Bruckmühler Katzen-Gnadenhof, sondern die bedürftigen Vierbeiner kommen aus ganz Deutschland. Teils werden sie auch von ausländischen Tierschutzorganisationen an Holland und ihre Vereinskollegen vermittelt.

Erst kürzlich kam eine Katze mit einem Nasenkarzinom aus Osteuropa in die Katzen-WG. Im Ausland sei eine Operation des Tumors nicht möglich, erklärt die Vereinsvorsitzende. „Im Gnadenhof findet die Katze jetzt ein Zuhause, in dem man ihr Zuneigung schenkt und sie angemessen medizinisch versorgt.“

72 Katzen leben aktuell in dem großen Bauernhaus in Ried 7 bei Bruckmühl. Betreut werden sie von mehreren ehrenamtlichen Helfern sowie festen Mitarbeitern, darunter Tierpfleger und eine Tierärztin. Dabei finanziert sich der Verein ausschließlich über Spenden oder über seine regelmäßigen Tage der offenen Tür. Zwischen Flohmarkt, Second-Hand-Shop, Kaffee und Kuchen oder bei einer Führung durch das Katzenhaus können alle Katzenliebhaber die kleinen Bewohner und die Arbeit des Vereins kennenlernen.

Seine Mitglieder suchen außerdem stetig nach neuen Paten für die flauschigen Gnadenhof-Bewohner. Auf der Internetseite des Vereins können sich Katzenfreunde die Steckbriefe der noch patenlosen Vierbeiner ansehen. Mit ihrer Patenschaft finanzieren die Paten Verpflegung sowie medizinische Versorgung ihrer auserwählten Katze.

Eine dieser Patinnen ist Biggi Lata aus dem mittelfränkischen Schwabach. Seit 2022 unterstützt sie den Katzentraum und ist aktuell Patin für insgesamt 24 bedürftige, kranke oder ehemals streunende Katzen. „Dabei mochte ich Katzen früher überhaupt nicht“, erinnert sich Lata zurück. Doch hat ein Schlüsselerlebnis vor 16 Jahren ihr Herz schließlich doch erweicht. Als sie ihren Mann kennenlernte, stellte er ihr sogleich seinen Kater Sven vor. Um diesen war es in dem Moment geschehen, in dem er Lata das erste Mal sah: Er sprang auf ihren Schoß und beide blieben unzertrennlich, bis Sven in einem stattlichen Katzenalter von 24 Jahren eingeschläfert werden musste.

Eine Katze kostet nicht nur viel Geld für Medikamente, Futter oder notwendige Arztbesuche, sondern auch viel Zeit, Liebe und Fürsorge – das weiß Lata seitdem. Neben ihren 24 Patenkatzen kümmert sie sich zu Hause um einen diabeteskranken Kater und um eine weitere herrenlose Pflegekatze.

Wie es den Vierbeinern in Bruckmühl geht, darüber halten sie die Mitarbeiter und Vereinsmitglieder stets auf dem Laufenden. Drei- bis viermal im Jahr kommt sie außerdem selbst ins Katzenhaus, um persönlich ein paar ausgiebige Streicheleinheiten an ihre Schützlinge zu verteilen.

Wie lange eine Katze im Katzentraum bleibt, unterscheidet sich von Fall zu Fall, weiß Vereinsvorsitzende Holland: „Manche Tiere werden palliativ nur wenige Tage begleitet, aber auch das ist schöner für sie, als einfach eingeschläfert zu werden.“

Andere Vierbeiner wiederum verbringen ihr halbes Katzenleben in Ried. „Ihnen allen ermöglicht der Katzentraum ein würdevolles Leben in wohlbehüteter Umgebung“, ist sich Holland sicher. Mit ausgiebigen Kuscheleinheiten und viel Zuneigung würden die Bewohner ihren Pflegern dafür außerdem viel Dankbarkeit entgegenbringen.

Umso ergreifender sei darum mancher Abschied. In der Regel ist der Gnadenhof die letzte Station im Leben vieler kranker Katzen, die dort ankommen. Hierin unterscheidet sich der Katzentraum von einem gewöhnlichen Tierheim. „Wir vermitteln keine Katzen, sondern nehmen sie auf. Das bedeutet, die Tiere, die zu uns kommen, bleiben auch bei uns“, stellt die Vereinsvorsitzende klar. Übermittelt werden die Vierbeiner beispielsweise, wenn das Herrchen stirbt oder nach einer Trennung keiner der beiden Besitzer mehr die Verantwortung übernehmen will. Ein weiterer häufiger Grund sind Krankheiten, mit denen die Besitzer nicht umgehen können oder wollen.

Kritisch sehen Holland und Lata außerdem das breite Unwissen über die Katzenschutzverordnung. Diese wird von einzelnen Landkreisen in Deutschland verfolgt, jedoch nicht flächendeckend. Vorschreiben würde sie die Sterilisation oder Kastration von streunenden Katzen und Katern, um ihre Population kontrolliert zu reduzieren. Aktuell können Fundkatzen zwar über ein Formular beim Landratsamt Rosenheim gemeldet werden, ein Beschluss über die Katzenschutzverordnung im Landkreis steht allerdings noch aus. Katharina Röhrl

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