Feldkirchen-Westerham – „Zurück mit euch!“, „Macht die Container weg!“ oder „Verpisst euch“ steht in großen bunten Schriftzügen an den Wohncontainern für Geflüchtete in Westerham, die derzeit errichtet werden. Die Bauarbeiten auf dem Gelände an der Walter-Gessner-Straße hatten jüngst begonnen und gehen augenscheinlich zügig voran.
Doch nun wurde an der Außenfassade die schockierende Entdeckung gemacht. In der Nacht auf vergangenen Donnerstag haben bislang Unbekannte ausländerfeindliche Graffiti angebracht. Eine Mitarbeiterin der Polizeiinspektion Bad Aibling bestätigte zwar gegenüber dem OVB, dass Einsatzkräfte zum Tatort ausgerückt waren. Nähere Angaben zum Vorfall und zu möglichen Ermittlungen konnte die Polizei aber trotz mehrerer Nachfragen bislang nicht machen.
Bürgermeister Zistl:
„Verurteile diese Tat“
Für Feldkirchen-Westerhams Bürgermeister Johannes Zistl sind diese Schmierereien „in keiner Weise akzeptabel“. Es handele sich nicht nur um Sachbeschädigung, sondern auch um eine Straftat. „Solche Aktionen schaden unserer Gemeinde und tragen nicht zu einer sachlichen Diskussion bei“, sagt Zistl. „Ich verurteile diese Tat ausdrücklich.“
Jede politische Parole, egal aus welcher Richtung sie komme, dürfe nicht durch Vandalismus in den öffentlichen Raum getragen werden. „Damit wird kein Problem gelöst und keinerlei Beitrag zu einem respektvollen Miteinander geleistet“, so der Rathauschef.
Für die anstehende Gemeinderatswahl spiele die Asylpolitik keine Rolle, da die grundlegende Zuständigkeit nicht im Bereich der Kommune liege. „Die grundlegenden Entscheidungen zur Flüchtlingspolitik werden auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene und nicht in der Gemeinde getroffen“, erklärt Zistl.
Im November 2025 hatte das Verwaltungsgericht einen Eilantrag und die Beschwerde der Gemeinde zur Baugenehmigung abgelehnt. Seitdem durften die Bauarbeiten rund um die Wohnanlage für Geflüchtete wieder aufgenommen werden. Kurz darauf rollte der Bagger wieder an und die Containeranlage nahm langsam Gestalt an.
Trotz der Ablehnung des Eilantrags und der Beschwerde steht das Hauptverfahren vor dem Verwaltungsgericht noch aus. „Insbesondere die Frage der zulässigen Nutzungsdauer der Anlage ist weiterhin offen“, heißt es auf der Webseite der Gemeinde.
Respektvolles Miteinander in der Gemeinde
Schon damals erklärte Bürgermeister Johannes Zistl, dass die geplante Nutzung nicht auf eine „vorübergehende kurzfristige Notsituation beschränkt“ ist, sondern für zehn Jahre erfolgen sollte. „Damit hat das Vorhaben erhebliche städtebauliche Auswirkungen und greift tief in die Planungshoheit und die kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde ein“, so Zistl. Wichtig ist dem Rathauschef, stets zu betonen: „Wir nehmen die Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen, gerne an.“ Bei der Klage gehe es auf keinen Fall um die Unterbringung der Flüchtlinge. Das Problem sei die geplante Größenordnung der Unterkunft am Standort Walter-Gessner-Straße. Die Unterkunft sei überdimensioniert, und auch die lange Nutzungsdauer von zehn Jahren sei ein Grund, gegen die drei Container, in denen bis zu 160 Flüchtlinge aufgenommen werden können, vorzugehen. Die Gemeinde Feldkirchen-Westerham hatte deshalb mit der Suche nach alternativen Lösungen begonnen, um Geflüchtete eventuell in kleineren Einheiten unterzubringen.
Für Bürgermeister Zistl ist im Zusammenhang mit den Schmierereien aber wichtig zu betonen: „Mir ist es wichtig, dass wir in Feldkirchen-Westerham respektvoll miteinander umgehen und Konflikte nicht über Sachbeschädigung oder Parolen austragen, sondern miteinander sprechen und gemeinsam an Lösungen arbeiten – denn nur gemeinsam wird es ein Erfolg.“