Online-Wut trotz Ruhe in der Realität

von Redaktion

Nach empörten Leserstimmen zur neuen Flüchtlingsunterkunft in Bruckmühl lässt die Polizeistatistik begründete Zweifel am Gehalt der Vorwürfe zu. Auch die Betreiber der benachbarten Tankstelle können die Anschuldigungen nicht bestätigen.

Bruckmühl – „Lüge!! Meine Mutter arbeitet genau daneben an der Tankstelle!! Es gibt sehr viele Probleme!! Die saufen den ganzen Tag an der Tankstelle und machen Probleme!! Die Tankstelle selber wollte schon den Nachtdienst aufgeben deswegen!!! Hört auf, Scheiße zu erzählen!!!! Hausverbote werden dann oft einfach ignoriert!!“ In eine Reihe von empörten Kommentaren fügt sich auch dieser unter dem Facebook-Post der OVB-Heimatzeitungen zur aktuellen Situation in der Erstaufnahmeeinrichtung Bruckmühl ein.

Ruhige Lage – höchstens
mal ein kleiner Streit

Gemeint ist die Esso-Tankstelle in der Albert-Mayer-Straße, gegenüber der neuen Flüchtlingsunterkunft. Auf Nachfrage der Redaktion konnte die Aussage von Tankstellenbetreibern und Mitarbeitern jedoch nicht bestätigt werden. Zwischenfälle, die mit den Geflüchteten in Verbindung stehen, habe es ihnen zufolge in jüngster Vergangenheit nicht gegeben. Ähnliches geht auch aus der Polizeistatistik der vergangenen Monate seit Eröffnung der Unterkunft hervor: Im Dezember wurden Einsatzkräfte der Polizei wegen einer leichten Körperverletzung in die Wernher-von-Braun-Straße bestellt. Sonstige nennenswerte Zwischenfälle könne der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, Sebastian Thurnhuber, auch weiterhin nicht bestätigen. Social-Media-Behauptungen über vielfache Polizei- und Feuerwehreinsätze an Tankstelle und Flüchtlingsunterkunft weist er entschieden zurück.

„Die Lage dort ist erstaunlich ruhig”, berichtet Thurnhuber. Als Anwohner fahre er mindestens drei- bis viermal pro Woche an Tankstelle sowie Flüchtlingsunterkunft vorbei. „Oft sitzen hier Leute friedlich mit einem Bier in der Hand zusammen.“ Dabei handle es sich sowohl um alteingesessene Bruckmühler als auch um den ein oder anderen Geflüchteten.

„Es kann sein, dass es hier mal zu der ein oder anderen kleineren Streiterei kommt”, räumt der stellvertretende Dienststellenleiter ein. Jedoch habe es sich nie um eine größere Sache gehandelt, die sich nicht ohne Beisein eines Polizisten bereinigen ließe.

Im November vergangenen Jahres wurde die neue Erstaufnahmeeinrichtung in der Wernher-von-Braun-Straße bezogen. Aktuell beherbergt sie 135 erwachsene Geflüchtete, vorwiegend aus der Ukraine. Sie wohnen hier in den ersten sechs bis acht Wochen nach ihrer Ankunft in Deutschland. Daraufhin werden sie an Unterkünfte weitervermittelt, in denen sie für einen längeren Zeitraum eine Herberge finden.

Solch eine befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Erstaufnahmeeinrichtung: Hier sind zwei Container aufgestellt, in denen rund 100 geflüchtete Männer, vorrangig aus Afrika, über einen längeren Zeitraum wohnen. Bis Sommer vergangenen Jahres fanden sie ein Zuhause auf Zeit in der provisorischen Erstaufnahmeeinrichtung in der Schulturnhalle des Bruckmühler Gymnasiums.

Vorurteile durch
Begegnungen ersetzen

Betreut werden die Geflüchteten in beiden Einrichtungen von den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Asylhilfe Bruckmühl. Die Freiwilligen unterstützen die Neuankömmlinge beispielsweise mit regelmäßigen Deutschkursen, Bewerbungstraining oder bei der Vorbereitung auf den Schulabschluss. Mit der Fahrradwerkstatt oder dem Café International lädt die Asylhilfe überdies zum Austausch zwischen Bruckmühler Bürgern und Geflüchteten ein, um Barrieren abzubauen sowie Ängste und Vorurteile durch aktive Integration zu entkräften.

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