Manchmal braucht es ein hartes Herz für klimafitte Wälder

von Redaktion

Waldbaukurs in Feldkirchen-Westerham zeigt Wege in die Zukunft – Umbau des vorherigen Fichtenbestandes in einen Mischwald

Feldkirchen-Westerham – „Hartes Herz und scharfe Säge“: Informativer Waldbaukurs des AELF Zu einem Waldbaukurs speziell für junge Waldbesitzende lud das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim, in Zusammenarbeit mit der bayerischen Jungbauernschaft und der Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen ein. Der Kursinhalt bestand aus folgenden Themen: Waldbauliche Grundkenntnisse, Verjüngung von Beständen, Jungbestandspflege, Vorgehen bei der Auslesedurchforstung, aktuelle Holzmarktsituation und Fördermöglichkeiten.

Schauplatz des Kurses war ein Waldstück östlich von Kleinhöherain, wo sich die 35 Teilnehmer aus den Landkreisen Rosenheim, Miesbach, Bad Tölz- Wolfratshausen, München und Freising trafen. Dort „identifizierten“ die „Waldbau-Seminaristen“ zusammen mit Försterin Magdalena Bergmann vom AELF im Laufe des Rundgangs insgesamt 15 verschiedene Baumarten – vom Bergahorn und Eiche über Fichte und Tanne bis zur bis zur Vogelbeere, Weide und Exoten wie Baumhasel und Mammutbaum.

Waldbesitzer Franz Thielmann ging zunächst auf die natürliche Verjüngung durch den Umbau des vorherigen Fichtenbestandes in einen Mischwald ein. Hierbei seien Pflegeeingriffe zur Begünstigung bestimmter Baumarten wie der Eiche oder Tanne notwendig.

„Dazu wurden weitere Baumarten wie die Linde und die Hybridlärche eingebracht, die Pflanzung der Douglasie ist wegen des hier schweren Lehmbodens eher schwierig“ erläuterte er und führte weiter aus: „Innerhalb eines Zaunes ist der Verbiss durch Rehwild minimiert, sodass deutlich mehr Baumarten natürlich aufkommen als außerhalb“.

Im Bereich des etwa 15- bis 20-jährigen Jungbestandes erfolgte 2025 eine Jungbestandspflege, bei der die klimatoleranten und stabilen Mischbaumarten gefördert wurden, in dem um diese herum 2 – 3 bedrängende Bäume entnommen wurden. Durch Pflegeingriffe im jungen Bestand kann man die Baumartenzusammensetzung entscheidend beeinflussen, so das Fazit.

Franz Thielmann plädierte gleichwohl für „drei Viertel Nadelholzbestand – er macht weniger Arbeit und ist am wirtschaftlichsten“. Beim Altbestand handelt es sich um einen 70- bis 90-jährigen Fichtenbestand, in dem fast keine Mischbaumarten vorhanden sind. „Die kurzen Kronen der sehr langen Bäume sorgen zusammenmit dem Reinbestand für ein hohes Risiko für Windwürfe, Schneebruch und Borkenkäferbefall“ stellte der Waldbesitzer fest und führte weiter aus: „Daher ist eine Verjüngung des Bestandes sinnvoll, bevor der Altbestand durch einen Schaden geräumt werden muss. Als Regel gilt hier: „Hartes Herz und scharfe Säge“.

Magdalena Bergmann, die den Kurs leitete, sprach die Probleme mit Springkraut und Brombeere an, die das Wachstum junger Baumsetzlinge behindern. „Während der Ahorn der Konkurrenzvegetation schnell davon wächst, muss für andere Baumarten ausgemäht werden.“

Die Forstexpertin gab zahlreiche weitere Tipps und zeigte außerdem die großzügigen staatlichen finanziellen Fördermöglichkeiten und Fördersätze für die verschiedenen Maßnahmen auf. Dabei war es ihr ein Anliegen, in Zeiten des angesagten Waldumbaus besonders auf die Förderung der Anpflanzungen und der Sicherung und Pflege der natürlichen Verjüngung hinzuweisen.

Bei der Wiederaufforstung wird eine Mindestbeteiligung von 40 Prozent Laubholz sowie Tanne und mehr als 50 Prozent standortheimische Arten vorausgesetzt. Die Förderung beinhaltet unter anderem Ausgaben für die Pflanzen und Pflanzung sowie deren Schutz und Pflege während der fünfjährigen Bindefrist. Auch die Jungbestandspflege wird bezuschusst. Es gilt aber zu beachten, dass diese nur bis zu einer Bestandshöhe von 15 Metern möglich ist.

Oberstes Ziel ist bei allen diesen Maßnahmen die Gründung und Etablierung eines zukunftsfähigen und angepassten Mischwaldes, der die vielfältigen Waldfunktionen erfüllen kann. Einen Überblick über die Holzvermarktung gab Lukas Eichstädt (WBV Holzkirchen).

Die WBV besichtigt vor einem Verkauf auf Wunsch der Mitglieder die Bestände, organisiert den Harvester-Einsatz, übernimmt die Holzsortierung und sorgt für den Abtransport. Zur aktuellen Holzpreissituation erklärte der Förster: „Derzeit herrscht ein hohes Preisniveau. Beim Fichtenholz liegt dieses bei rund 132 bis 134 Euro pro Festmeter. Das Preisniveau beim Langholz ist derzeit ähnlich wie beim Kurzholz. Waldbesitzer sollten sich jedoch unbedingt vorab bei uns melden und eine Anfrage stellen. Für Industrieholz werden momentan Preise zwischen 25 und 28 Euro pro Raummeter erzielt.“

Lukas Eichstädt wies zudem auf den Einsatz der WBV im Zusammenhang mit der Problematik des Herkunftsnachweises hin und betonte abschließend: „Ziel ist es, langfristig stabile, nachhaltig bewirtschaftete und klimafitte Wälder zu sichern.“

Am Ende des gelungenen Kurses bedankte sich Magdalena Bergmann bei den beiden Referenten für ihre informativen Vorträge und bei allen Teilnehmern fürs Kommen.bjn

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