Bruckmühl – Er hätte sich „ein kleines bisschen mehr erhofft“, so das Resümee des Bruckmühler CSU-Ortsvorsitzenden Georg Ziegltrum auf OVB-Nachfrage zu den Ergebnissen der Kommunalwahlen und seiner CSU/PW-Liste. Bei einem Stimmenanteil von 46,8 Prozent erhält seine Fraktion für die kommenden sechs Jahre elf Sitze im Gemeinderat. Dabei habe er noch bis zur Auszählung der letzten Wahlbezirke auf einen zwölften Sitz und die damit einhergehende absolute Mehrheit gehofft: Schließlich gehört auch Bürgermeister Richard Richter der CSU/PW-Fraktion an und würde somit die 13. Stimme für die Partei bedeuten.
Vorsichtige Schadenfreude
und politischer Tatendrang
Gleichwohl sei die Atmosphäre in der Bruckmühler Wahlzentrale über den Abend und über alle Parteien hinweg gut gewesen: Mehr und mehr gesellten sich zu später werdender Stunde die Kommunalpolitiker der Marktgemeinde aus sämtlichen Fraktionen zu Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW) in die Rathauskantine.
Zu dezenter Schadenfreude bekennt sich dennoch mancher Bruckmühler Oppositioneller: So hofft etwa SPD-Kommunalpolitiker Konrad Hammerl, dass manche seiner Forderungen in der Politik durch den Stimmenverlust der CSU mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnten. Konkret denkt er beispielsweise an den Ausbau von Outdoor-Freizeitangeboten im Gemeindegebiet. Mit einem Stimmenanteil von 7,2 Prozent können SPD/PU ihre bestehenden beiden Gemeinderatssitze halten. „Ein dritter Platz wäre schön gewesen, war aber leider nicht drin“, bedauert Hammerl dennoch.
Einigen Grund zum Feiern sieht Grünen-Politikerin Pamela Krahl. „Wir sind ab sofort die zweitstärkste Kraft im Gemeinderat“, freut sie sich mit Blick auf die Wahlergebnisse. Bis in die frühen Morgenstunden harrte sie zusammen mit ihren Gemeinderatskollegen in der Wahlzentrale aus: Am Ende erzielten die Grünen in Bruckmühl 18,2 Prozent der Wählerstimmen und ziehen mit vier Sitzen in den Gemeinderat ein. Auch auf der Agenda der Grünen steht für die kommende Amtsperiode der Ausbau des Freizeitangebots, vor allem für die Bruckmühler Jugend. Daneben wollen sich die Grünen mit Nachdruck für mehr verkehrsberuhigte und somit kinderfreundliche Bereiche im Gemeindegebiet einsetzen.
Zuspruch erfährt Krahl in diesen Punkten auch von Gemeinderatskollegin Maria Weber, die für die Offene Liste Bruckmühl (OLB) zur Wahl angetreten war. Wie die Grünenfraktion auch, freut sich die OLB über vier Plätze im Gremium. „Fast noch mehr freut mich aber, dass wir immer mehr Frauen im Gemeinderat werden.“ Sechs von 25 Gemeinderatsmitgliedern sind weiblich. Damit sei ein Anfang für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Kommunalpolitik gemacht, dennoch wünschen sich Krahl und Weber noch mehr. „Immerhin machen wir Frauen 50 Prozent der Bevölkerung aus, da sollten wir auch in der Politik in ähnlicher Weise repräsentiert sein“, findet OLB-Kandidatin Weber. „Ich glaube, wir blicken auf manche Themen etwas anders, als unsere männlichen Kollegen.” Aus Webers Sicht könnten beide in gegenseitiger Ergänzung politisch viel bewirken.
Ihre Liste verzeichnet nach Auszählung aller Wählerstimmen 15,2 Prozent, Weber selbst wurde mit 4.610 Stimmen in den Gemeinderat gewählt. Ganz im Sinne der offenen Liste freue sie sich auf „regen Austausch“ und eine „produktive Zusammenarbeit“ im neuen Bruckmühler Gemeinderat.
Frauenpower
im Gemeinderat
Zwei weitere Gemeinderatssitze gehen für die kommenden sechs Jahre an die Bayernpartei, ihr wurden 7,8 Prozent aller Wählerstimmen zuteil. Ortsvorsitzender Georg Oswald zeigt sich mit dem Wahlergebnis zufrieden, obwohl er damit selbst aus dem Gemeinderat ausschied.
Freude macht sich außerdem bei Martin Bauhof breit. Mit 4,7 Prozent Stimmenanteil zog er für die Linke in den Bruckmühler Gemeinderat ein. „Ich habe auf einen Platz im Gemeinderat gehofft, aber mit so vielen Wählerstimmen hätte ich dennoch nicht gerechnet“, so Bauhof mit Blick auf den Wahlsonntag.
Umso größer ist nun seine Motivation, in Bruckmühl ein Herzensthema weiterzuverfolgen, das „in der Gemeinde brennt“. Die Rede ist vom bezahlbaren Wohnraum. Schließlich, so Bauhof, gebe es zu viele Leerstände in der Marktgemeinde und nicht ausreichend Wohnfläche. Konkrete Ideen, dieses Problem zu beheben, habe er bereits. Dabei ist Bauhof guter Dinge, die übrigen Gemeinderatsmitglieder von seinen Plänen überzeugen zu können.