„Gelebte Dorfgemeinschaft und Heimatgefühl“

von Redaktion

Interview Autoren Markus Scheble und Martin Gasteiger über das Freiluftspiel „Die schlafende Jungfrau“

Bad Feilnbach – Die Ortsmitte von Wiechs verwandelt sich im Juni erneut in ein großes Freilufttheater. Elf Jahre nach dem Erfolg des Laurenzispiels „Vergesst mir die Armen nicht“ bringt die Dorfgemeinschaft gemeinsam mit dem Edelweiß-Theaterverein ein neues Singspiel auf die Bühne: „Die schlafende Jungfrau“. Die Autoren Markus Scheble und Martin Gasteiger sprechen mit den OVB-Heimatzeitungen über die Entstehung des Stücks, die besondere Verbindung zum Ort und die Herausforderungen beim Schreiben.

Wie kam es zur Idee für „Die schlafende Jungfrau“?

Scheble: Uns war schnell klar, dass wir wieder ein Stück schreiben wollen, das einen großen Bezug zum Ort hat. Beim Laurenzispiel stand der Kirchenpatron im Mittelpunkt, diesmal wollten wir eine andere lokale Besonderheit aufgreifen: die Legende rund um die Bergformation der schlafenden Jungfrau am Wendelstein. Das Faszinierende ist ja, dass man diese Silhouette nur von der Bad Feilnbacher Seite aus erkennt – sie prägt unser Ortsbild wie kaum etwas anderes.

War es schwierig, eine völlig neue Legende zu entwickeln?

Gasteiger: In der Bergwelt gibt es unzählige mystische Sagen, aber zur schlafenden Jungfrau selbst existiert – zumindest, soweit wir wissen – keine überlieferte Geschichte. Das macht es spannend – aber auch anspruchsvoll. Man bewegt sich auf einem schmalen Grat: Einerseits will man kreativ sein, andererseits fühlt es sich fast anmaßend an, eine neue Legende „zu erfinden“. Wir wollten eine Geschichte schaffen, die sich so anfühlt, als hätte sie schon immer existiert.

Scheble: Genau. Und vielleicht wäre es das größte Kompliment, wenn spätere Generationen diese Geschichte tatsächlich weitererzählen würden.

Warum wieder solch ein großes Projekt? Wie viele Leute braucht es, um das zu stemmen?

Scheble: Nach dem Laurenzispiel kamen immer wieder Stimmen aus dem Ort, die sich ein solches Gemeinschaftserlebnis zurückwünschten. Und wir haben hier so viele Talente – Schauspieler, Musiker, Komponisten, Bühnenbauer, Organisatoren. Da lag es nahe, wieder ein großes Projekt auf die Beine zu stellen und den Erlös einem guten Zweck zu widmen. Außerdem ist es ein wunderbares Beispiel für gelebte Dorfgemeinschaft und ein gesundes Heimatgefühl.

Wem kommt der Erlös zugute?

Scheble: Diesmal bleiben wir ganz lokal. Die Einnahmen gehen an die Bergwacht und an die neue Musikschule Bad Feilnbach – das passt thematisch und stärkt Einrichtungen, die für unsere Region wichtig sind.

Worum geht es im Stück? Können Sie schon etwas verraten?

Scheble: Nur ein bisschen. Die Handlung spielt auf einer Alm oberhalb von Bad Feilnbach. Dunkle Mächte beginnen, die Welt der Menschen ins Wanken zu bringen, während Liebe, Eifersucht und Zweifel ineinandergreifen. Als alles verloren scheint, ruht die Hoffnung auf einer jungen Frau – und auf einem Geheimnis, das die Berge bis heute bewahren. Verschiedene Komponisten haben wieder passende und packende Lieder über Freundschaft, Verzweiflung oder die Liebe zu den Bergen dazu geschrieben, die das Stück zu einem wunderbaren, bayerischen Singspiel machen.

Wie viel „Bad Feilnbach“ steckt im Stück?

Gasteiger: Sehr viel. Uns war wichtig, den besonderen Menschenschlag hier darzustellen – ihre Bräuche, ihren Glauben, ihre Traditionen. Das prägt die Figuren und die Handlung. Wir haben da sehr sorgfältig gearbeitet.

Wie entsteht so ein Stück? Wie muss man sich den Schreibprozess vorstellen?

Gasteiger: Die Grundidee hatten wir schon länger, aber erst als aus der Dorfgemeinschaft der Wunsch nach einem neuen Stück kam, haben wir richtig losgelegt. Da hat einfach alles zusammengepasst.

Scheble: Der Großteil entstand während einer mehrtägigen Auszeit im Bayerischen Wald. Wir entwickeln zuerst den gesamten Handlungsbogen, teilen ihn dann in Akte und arbeiten Szene für Szene aus: Wer betritt die Bühne? Warum? Was verändert sich? Und wie bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss erhalten?

Gasteiger: Die Dialoge schreiben wir erst ganz am Ende. Diese schrittweise Verdichtung verhindert, dass man sich beim Schreiben verrennt. Dabei liefert jeder Ideen, wir reden drüber, diskutieren, spinnen Ideen weiter und suchen Gegenargumente. Wenn wir beide überzeugt sind, dass der Weg in die richtige Richtung führt, machen wir weiter.

Wann ist ein Stück wirklich fertig?

Gasteiger: Selbst wenn man „Ende“ drunterschreibt, fühlt es sich nie endgültig an. Man findet immer etwas, das man verbessern könnte. Irgendwann muss man es aber liegen lassen, um Abstand zu gewinnen.

Scheble: Richtig fertig wird es erst auf der Bühne. Bei den Proben wird noch viel angepasst – manchmal aus künstlerischen Gründen, manchmal wegen technischer Herausforderungen.

Gibt es schon Pläne für weitere Stücke aus Bad Feilnbach?

Scheble: Ideen haben wir genug. Sicher ist: Das nächste Stück wird wieder etwas Lustiges.

Gasteiger: Nach unserer Komödie „Da Baderkriag“, die inzwischen viele Bühnen spielen, haben wir einiges begonnen. Für die schlafende Jungfrau haben wir diese Projekte aber erst einmal zurückgestellt.

Die Premiere des Stücks ist am 5. Juni in der Ortsmitte in Wiechs, Karten sind ab Mitte April erhältlich.

Konrad Kriechbaumer

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