Neue Pfarrerin zwischen Kirche und Metal

von Redaktion

Wie sich Fantasygeschichten mit biblischer Mythologie verbinden lassen und worin der intellektuelle Nervenkitzel in der Theologie liegt, weiß Johanna Rosin (28). Am Sonntag wurde sie offiziell in der evangelischen Pfarrgemeinde Bruckmühl/ Feldkirchen-Westerham als neue Pfarrerin begrüßt.

Bruckmühl – Religion spielte in Johanna Rosins Leben lange überhaupt keine Rolle. Seit Generationen sind ihre Familienangehörigen ungetauft, wie rund 86 Prozent der Bewohner ihres Heimat-Bundeslandes Sachsen-Anhalt, die laut Statistischem Landesamt keiner Religion angehören. Gemäß MDR-Data wird der Religion dort „europaweit die geringste Bedeutung zugemessen“.

Liebe auf
den ersten Blick

Heute lässt sich die Religion nicht mehr aus dem Leben der 28-Jährigen wegdenken. „Pfarrerin sein ist für mich nicht nur ein Beruf, ich sehe es als Berufung“, erzählt Rosin. Klar wurde ihr das allmählich während ihres Studiums. „Theologie kitzelt mich intellektuell“, so die frischgebackene Pfarrerin. Schon während des Religionsunterrichts in der Schule liebte sie diese geistige Herausforderung. Darum entschied sie sich auch nach dem Abi, Theologie zu studieren. Zehn Jahre liegt dieser Entschluss nun zurück. Ihre letzte Prüfung legte Rosin Ende Oktober 2025 ab. „Ich bin so glücklich, endlich Pfarrerin zu sein“, sagt sie. Bei dem Gedanken an die vielen Möglichkeiten, die ihr nun in der neuen Gemeinde offenstehen, strahlt sie über das ganze Gesicht.

Die vergangenen zwei Jahre verbrachte Rosin als Vikarin in München. „Das lässt sich mit dem Referendariat eines Lehrers vergleichen“, erklärt die junge Pfarrerin. Das Vikariat sei eine Kombination aus Praxis und Reflexion der Arbeit in der Kirche: Die Vikare werden von erfahrenen Pfarrern betreut. Sie beantworten ihnen sämtliche Fragen, die sich erst während des kirchlichen Arbeitsalltags ergeben: „Mit welcher Hand taufe ich und wo am Taufbecken soll ich dabei stehen?“, so die kleinen Alltagsprobleme einer werdenden Pfarrerin.

Nun fühlt sie sich bereit, ihre erste „richtige Stelle“ anzutreten. „Wir haben endlich alle Umzugskartons ausgepackt und sind jetzt wirklich in Bruckmühl angekommen“, freut sich die 28-Jährige. In ihre neue Heimat habe sie sich noch beim Vorstellungsgespräch Ende Oktober verliebt. Im Dezember kam schließlich die ersehnte Zusage.

„Die Gemeinde macht es mir leicht, hier anzukommen. Alle freuen sich unglaublich, endlich jemanden für die Stelle gefunden zu haben“, weiß Rosin zu schätzen. Seit 2024 war die Pfarrerinnenstelle der evangelischen Gemeinde unbesetzt, umso größer die Vorfreude der Gemeindemitglieder auf ein neues Mitglied in ihrer Mitte: Am vergangenen Sonntag wurde Rosin schließlich bei einem Gottesdienst in der Bruckmühler Johanneskirche mit anschließender Begrüßungsfeier offiziell in der Gemeinde willkommen geheißen.

Auch Andreas Strauß, der geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Bruckmühl, freut sich auf die Zusammenarbeit mit der neuen Kollegin: „Die evangelische Gemeinde und ich sind sehr erleichtert, dass sich für die offene Stelle eine so tolle Neubesetzung gefunden hat“, so Strauß. Im Zuge des Ordinationsgottesdienstes wurde Rosin zum ersten Mal in das Pfarrerinnenamt eingeführt. Im Leben eines Geistlichen in der evangelischen Kirche sei das ein einmaliges Ereignis, weiß Andreas Strauß. Entsprechend groß wurde auch die Feier zu Rosins Begrüßung, freute er sich mit seiner neuen Kollegin.

Eine Aufgabe, auf die sich Rosin besonders freut, ist die Jugendarbeit: „Ich denke nicht, dass ich nur mit Social Media die richtige Zielgruppe erreiche – im Insta-Feed eines Teenagers erscheint vielleicht Taylor Swift, aber kein Bild von mir in der Kirche“, lacht die 28-Jährige. Auch wenn sich ihr Beruf nur schwer von Rosin als Privatperson trennen lässt – immerhin ist ihr Glaube auch Teil ihrer Identität – dreht sich bei ihr nicht alles um die Kirche. Neben theologischen Grundsatzfragen gehören bunte Motivsocken, Häkeln, Stricken oder Lesen zu Rosins Leidenschaften. „Ich liebe Fantasyromane“, erzählt Rosin. Ihr unangefochtener All-Time-Favourite sei Tolkiens „Herr der Ringe“. Aber auch die „Chroniken von Narnia“ sind ganz oben mit dabei, „und im Übrigen geprägt von tiefer Christlichkeit“, weiß die Expertin. Viele Symbole aus dem Fantasiekönigreich Narnia liegen in der Bibel begründet.

Auch Musik spielt eine wichtige Rolle im Leben der Pfarrerin: In ihrer persönlichen Playlist befinden sich zeitgenössische Lobpreislieder wie Hillsongs „Oceans“ neben manchem Metal-Track. So gerne sie mit ihrem Mann auf Metal-Konzerte geht, so entschieden grenzt sie sich von manchen Texten des Genres ab, die sich mit ihrer eigenen religiösen Überzeugung nicht vereinbaren lassen: „Vor allem tief satanistische Ansichten, wie man sie hier immer wieder hört, kann ich nicht teilen“, so Rosin.

Fantasywelten
und bunte Socken

Ihren kritischen Blick versucht die junge Pfarrerin auch in Bezug auf ihren Glauben zu bewahren. Dass sie erst als junge Erwachsene über Umwege zum Glauben fand, hilft ihr dabei: Schließlich musste man auch sie damals als Jugendliche erst einmal vom christlichen Glauben überzeugen. Genauso möchte sie nun auch die Jugend in der Pfarrgemeinde Bruckmühl/Feldkirchen-Westerham erreichen. „Ich setze auf direkten Kontakt und gemeinsame Erlebnisse.“

Beispielsweise plant Rosin darum Filmabende im Bruckmühler Jugendkeller oder moderne christliche Liederabende in der Kirche. So blickt Rosin mit großer Vorfreude und Tatendrang auf ihre bevorstehende Amtseinführung am Sonntag, mit der nicht nur für sie, sondern auch für die evangelische Pfarrgemeinde Bruckmühl mit Feldkirchen-Westerham ein neues Kapitel beginnt.

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