Überparteiliche Wähler werden stärkste Kraft

von Redaktion

Die Sitze im Bad Feilnbacher Gemeinderat haben sich mit dem Wahlsonntag neu verteilt. Die Ergebnisse sorgten bei den Überparteilichen Wählern (ÜW) für Enthusiasmus, bei der CSU für Ernüchterung.

Bad Feilnbach – „Passend zum Weltfrauentag am Sonntag wurden nun sechs Frauen in den zukünftigen Bad Feilnbacher Gemeinderat gewählt“, freut sich Sieglinde Angermaier, die mit 1.679 Stimmen an erster Stelle für die Grünen in das Gremium einzieht. Zwar konnte ihre Fraktion mit einem Stimmanteil von 14,9 Prozent den vierten Platz im Gemeinderat nicht halten, dennoch sieht die Lokalpolitikerin in der steigenden Frauenquote einen Grund zum Feiern. „Da die Zahl unserer Sitze auf drei schrumpft, müssen wir allerdings unsere Ausschüsse neu besetzen“, weiß Angermaier.

Neues Pflegeheim
und mehr Jugendarbeit

In den kommenden Monaten will die Grünen-Politikerin mehr Raum und Gestaltungsmöglichkeiten für Jugendliche und Vereine in Au und Bad Feilnbach schaffen. Außerdem will sie sich für die Finalisierung des Senioren- und Pflegeheims einsetzen. Hier erhält Angermaier Zuspruch von SPD-Gemeinderatskollege Konrad Schwaiger. Neben dem Pflegeheim sieht er auch in der Schaffung eines neuen Dorfmittelpunktes für Au dringenden Handlungsbedarf. Mit zwei Gemeinderatssitzen verändert sich für die Bad Feilnbacher SPD wenig, weiß Schwaiger. Der Stimmanteil von 9,1 Prozent sei für ihn ein „solides Ergebnis, ähnlich wie auch vor sechs Jahren schon“.

Auf die Zusammenarbeit im neuen Gemeinderat freut sich Schwaiger: „Wir haben neun neue Gemeinderatsmitglieder, damit wurde fast die Hälfte des Gremiums zum ersten Mal in den Gemeinderat gewählt.“ Entsprechend spannend werden die ersten gemeinsamen Sitzungen, vermutet der SPD-Politiker. Schließlich müssten sich die 20 Ratsmitglieder in der neuen Konstellation erst einmal zusammenfinden.

„Das Ergebnis ist für unsere Fraktion überragend“, findet Christian Bergener. Der 55-jährige Derndorfer stand auf den Wahlzetteln in Bad Feilnbach an erster Stelle für die Überparteilichen Wähler. Mit 42,4 Prozent aller Wählerstimmen haben es nun acht Kandidaten von der ÜW-Liste in den Gemeinderat geschafft.

Somit verzeichnen die ÜW zwei Gemeinderatssitze mehr im Vergleich zur Wahl von 2020. Das bedeutet zugleich, dass Bergeners Fraktion die CSU als stärkste Kraft im Gemeinderat überholt hat. Besonders freue sich der Lokalpolitiker über den Einzug seiner ÜW-Kollegin Martina Weingast. Die 48-Jährige wurde mit insgesamt 3.572 Wählerstimmen erstmalig in den Gemeinderat gewählt.

„Kurz vor 3 Uhr morgens kamen endlich die Ergebnisse“, erzählt Bergener vom Wahlabend. Für eine ausgelassene Feier waren er und seine Kollegen zu diesem Zeitpunkt zu müde. Umso größer fällt jedoch der Tatendrang der ÜW für die bevorstehende Amtsperiode aus. Auf der Agenda stehen neben dem neuen Pflegeheim für Bad Feilnbach unter anderem die Umnutzung des Gutshofs Eulenau, mehr Gewerbeansiedlung im Gemeindegebiet und die Einrichtung eines Ärztehauses.

„In Bad Feilnbach ziehen alle an einem Strang“, weiß CSU-Listenplatz-Erster Martin Kolb. Die Themen, die die ÜW beschäftigen, unterstützt auch seine Fraktion. Dennoch sei das Wahlergebnis „ernüchternd für den Ortsverband“. Die CSU erhielt einen Stimmanteil von 33,6 Prozent. Damit verliert die Partei einen Sitz im Gemeinderat, sodass die Fraktion auf sieben Mitglieder schrumpft.

„Wir haben schon gemerkt, dass die Überparteilichen Wähler in den vergangenen Monaten viel Zuspruch erfahren haben, das macht die Arbeit von uns als Parteiortsverband schwerer“, so Kolb, der bereits einige Stimmeinbußen vermutet, wenn auch nicht darauf gehofft hatte. Trotz seiner Enttäuschung über die CSU-Wahlergebnisse, freut er sich über die zahlreichen jungen Neuzugänge, die der Gemeinderat nun bekommt: „Der frische Wind tut uns gut“, so Kolb. Auf neue Ideen und jungen politischen Enthusiasmus im Gremium freue er sich deshalb sehr.

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