Kilian Bergers Metzger-Traum geplatzt

von Redaktion

Nach nur zwei Jahren schließt die Metzgerei Berger in der Bad Aiblinger Kirchzeile. Inhaber Kilian Berger nennt wirtschaftliche und persönliche Gründe für das jähe Ende seines Traums von der Selbstständigkeit.

Bad Aibling – Die Erleichterung in Bad Aibling war groß, als vor ziemlich genau zwei Jahren in die leer stehenden Räume der ehemaligen Metzgerei Hausberger in der Kirchzeile wieder neues Leben einzog. „Die Erfüllung eines Traums“ nannte der Metzgermeister und gelernte Koch Kilian Berger die Übernahme des Betriebs in der Innenstadt zum 1. März 2024, der zuvor jahrzehntelang von der Familie Hausberger geführt worden war.

Wirtschaftliche Gründe zwingen zur Aufgabe

Als Bergers Vorgänger Anton Hausberger mit dem Gedanken an die Geschäftsaufgabe spielte, wollte er das Gebäude, in dem sich die Betriebsräume und seine Wohnung befinden, zunächst für rund 1,7 Millionen Euro verkaufen. Weil sich kein Interessent fand, war er froh darüber, dass der damals 35-jährige Berger den Handwerksbetrieb weiterführen wollte. Beim Neustart war auch Anton Hausberger wieder mit an Bord – als Angestellter von Berger.

Der Traum von der Selbstständigkeit ging für Berger jetzt nach relativ kurzer Zeit jäh zu Ende. In einem Schaufensteraushang weist er darauf hin, dass ihn „wirtschaftliche, persönliche und auch personelle Gründe“ zur Geschäftsschließung bewogen hätten. „Strom, Gas, die Löhne und auch die Einkaufspreise für Rindfleisch sind massiv gestiegen. Die Verbraucher waren einfach nicht mehr bereit, die dadurch notwendigen Preiserhöhungen zu bezahlen“, nannte Berger im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen die Gründe für das Aus. Er will künftig wieder in einem Angestelltenverhältnis arbeiten.

Freimütig bekennt er, dass ihn dieser Entschluss „traurig und enttäuscht“ stimme. Für ihn war er jedenfalls alternativlos. „Wenn die Umsatzzahlen einen Weiterbetrieb der Firma nicht mehr hergeben, dann bleibt keine andere Wahl“, sagt Berger.

Was nun aus dem Ladengeschäft im Herzen der Stadt wird, ist unklar. Anton Hausberger war für eine telefonische Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.

Weiterhin leer stehen auch die Ladenräume in der ehemaligen Metzgerei Winkler in der Kolbermoorer Straße, die Ende 2023 den Geschäftsbetrieb einstellte. Marinus Winkler, der zusammen mit seinem Bruder Martin den Betrieb von den Eltern übernommen hatte, weist allerdings darauf hin, dass der Betrieb formal weiterbestehe. Auch seinem Handwerk geht er in der ehemaligen Produktionsstätte hin und wieder nach.

„Das Ladengeschäft haben wir zwar aufgegeben, aber bei uns findet regelmäßig ein Weißwurstessen statt. Auch Wiener, Debrecziner oder Geräuchertes stellen wir unter anderem noch her, allerdings in eingeschränktem Maße“, sagt Winkler. Er wird heuer 60 Jahre alt und will seine Tätigkeit in der jetzigen Form noch ein paar Jahre beibehalten. Sein neun Jahre älterer Bruder Martin ist mittlerweile in Rente gegangen. Die Geschwister hatten sich zur Aufgabe des Geschäfts entschlossen, weil sich kein Betriebsnachfolger fand.

Weiterer Leerstand in
der Kolbermoorer Straße

Zum Aus der Metzgerei Berger in Bad Aibling kann Hubert Lohberger, Obermeister der Metzgerinnung im Landkreis Rosenheim, nichts sagen. „Ich habe keine Informationen zu den Hintergründen“, erklärt Lohberger und verweist darauf, dass der Betrieb der Innung nicht angehört habe. Landkreisweit sieht er das Metzgerhandwerk jedoch „im Aufwind“. Die Nachfrage sei wieder gestiegen, auch die personelle Situation habe sich gebessert, wenngleich sie noch nicht optimal sei. „Wir sind eine wirtschaftlich starke Region. Da können unsere Betriebe schon ihr Geld verdienen“, so Lohberger.

Zuversichtlich stimmt den Obermeister, dass es im Landkreis Rosenheim im Metzgerhandwerk wieder viele junge Fachkräfte gebe. „Das macht Hoffnung“, blickt er optimistisch in die Zukunft.

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