Bad Aibling – In Bad Aibling steht am Sonntag, 22. März, die Stichwahl um den wichtigsten Posten im Rathaus an. Nachdem bei der Kommunalwahl am 8. März noch vier Bürgermeisterkandidaten um den Chefsessel kämpften – und keiner die absolute Mehrheit der Stimmen erreichte –, treten nun der amtierende Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) gegen die Herausforderin Kirsten Hieble-Fritz (FW/ÜWG) an. Schlier hatte am Wahlabend 48 Prozent der Stimmen geholt, Kirsten Hieble-Fritz 33,1 Prozent. Für alle Wähler, die nun kurz vor der Stichwahl noch unschlüssig sind, hat das OVB zu verschiedenen Themen bei den beiden Kandidaten nachgefragt.
Wieso sollte der Wähler am 22. März für Sie und nicht für Ihren Kontrahenten stimmen?
Stephan Schlier: In den vergangenen Jahren – die wahrlich keine einfachen waren – hat sich gezeigt, wer unsere Stadt voranbringt, Entscheidungen trifft und sie auch umsetzt, wenn es darauf ankommt. Wir haben das größte Schulprojekt der Stadt realisiert, die Kinderbetreuung so ausgebaut, dass kein Platz fehlt, Unternehmen wie Krones angesiedelt sowie Ehrenamt und Vereine gezielt gestärkt. Ich stehe für klare Entscheidungen, Erfahrung und Verantwortung.
Kirsten Hieble-Fritz: Ich respektiere meinen Mitbewerber – das Amt ist anspruchsvoll. Bad Aibling braucht jetzt Veränderung und nicht ein „Erfolgreich? Weitermachen“ wie bisher, weil es das aus meiner Sicht nicht war. Als Rechtsanwältin, Lehrkraft, dreifache Mutter und Ehefrau bringe ich Fachwissen, Lebenserfahrung und Empathie ein. Jede dritte Stimme fiel auf mich und zeigt klar auf einen Richtungswechsel. Sie bekommen von mir Lösungen, praktikable Entscheidungen und Aufmerksamkeit – ich höre zu und spreche mit Ihnen, einfach ein gutes Miteinander. Ich werde Sie nicht enttäuschen.
Bei aller Konkurrenz im Wahlkampf: Gibt es Eigenschaften an Ihrem Gegenüber, die Sie schätzen?
Schlier: Wenn sich Menschen für unser Bad Aibling einsetzen wollen, finde ich das auch bei unterschiedlichen Ansätzen gut – das verbindet uns. Meine Mitbewerberin ist als Lehrkraft am privaten Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus tätig. Ich bin mir sicher, sie ist auch mit ihrem Hintergrund als Rechtsanwältin eine ausgezeichnete Dozentin.
Hieble-Fritz: Ich anerkenne, dass er viel Zeit investiert und sich bemüht, die anstehenden Aufgaben abzuarbeiten. Dennoch ist es ein Amt auf Zeit – vom Wähler anvertraut – und, um welches man sich erneut bewerben muss und kann. Jetzt ist der Zeitpunkt, eine Entscheidung zwischen zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten und Herangehensweisen zu treffen. Wettbewerb gehört zur Demokratie – möchte man den bisherigen Weg fortsetzen mit all den aufgetretenen Schwierigkeiten oder aber einer neuen Person, die Verantwortung anvertrauen.
In Bad Aibling ist die angespannte Haushaltslage ein übergreifendes Thema: Mit welchen konkreten Ansätzen wollen Sie die Stadt künftig in ein ruhigeres Fahrwasser manövrieren?
Schlier: Bad Aibling hat keine Haushaltskrise. Wir haben im vergangenen Jahr konsequent konsolidiert und stehen heute mit einem soliden Haushalt da. 2026 kommen wir ohne neue Kredite aus und können sogar über vier Millionen alter Schulden tilgen. Dass daraus im Wahlkampf ein großes Thema gemacht wird, ist künstlich aufgeblasen und hat nichts mit den Fakten zu tun.
Richtig ist: Kommunen stehen insgesamt unter starkem finanziellem Druck, weil immer mehr Aufgaben übertragen werden, ohne dass die Finanzierung ausreichend gesichert ist.
Hieble-Fritz: Solide Finanzen erreicht man nicht mit einer Maßnahme, sondern durch Ausgabendisziplin, strenges Controlling der Projekte, klare Prioritäten und neue Einnahmequellen. Fördermittel von Bund, Land und EU müssen konsequenter genutzt werden. Um externe Kosten einzusparen, sind die Kompetenzen unserer Mitarbeiter zu stärken und Abläufe effizienter zu gestalten. Ebenso entscheidend ist eine starke lokale Wirtschaft: Gute Rahmenbedingungen für Unternehmen sichern Arbeitsplätze und Gewerbesteuer vor Ort. Transparente Entscheidungen schaffen Vertrauen.
Der neu gewählte Stadtrat birgt mit seiner Zusammensetzung Herausforderungen: Wie optimistisch/pessimistisch blicken Sie auf die künftige Zusammenarbeit und wie wollen Sie einen konstruktiven Austausch vorleben?
Schlier: Im Stadtrat muss es immer um das Wohl unserer Stadt gehen – nicht um Parteitaktik. Als Erster Bürgermeister ist es meine Aufgabe, eine klare Richtung vorzugeben, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Ich gehe voran – mit Ideen, Vorschlägen und dem Anspruch, tragfähige Mehrheiten zu organisieren. Unterschiedliche Meinungen gehören dazu. Entscheidend ist, Lösungen zu finden und umzusetzen. Dafür stehe ich: verbindend im Ton, klar in der Sache.
Hieble-Fritz: Ich blicke optimistisch auf die Zusammenarbeit. Das Wahlergebnis ist das Votum der Bürger und verdient Respekt. Unterschiedliche Meinungen gehören zur Demokratie, entscheidend ist ein darauf beruhender Wertekompass. Als Bürgermeisterin ermögliche ich offenen, sachlichen Austausch und verstehe mich als Vorbild und Leitung für einen angemessenen Umgang im Gremium. Ich möchte Diskussionen fokussieren und Entscheidungen ermöglichen. Straffere Sitzungsunterlagen können dabei Effizienz und Transparenz stärken sowie die Verwaltung entlasten.
Ein Großprojekt der Zukunft ist das Thermenhotel mit Wohnbebauung: Wie stehen Sie zu den Plänen?
Schlier: Im Thermenhotel mit Wohnbebauung sehe ich eine große Chance für Bad Aibling. Steigende Übernachtungszahlen zeigen: Der Tourismus ist ein immens wichtiger Wirtschaftsfaktor, von dem Handel, Gastronomie und Arbeitsplätze profitieren. Gleichzeitig brauchen wir dringend Wohnraum, besonders für Berufe der Daseinsvorsorge und kleinere Wohnungen! Ich will eine sozial ausgewogene und städtebaulich hochwertige Umsetzung unter Einbeziehung der Bürger. Richtig geplant stärkt das Projekt Wirtschaftskraft und Lebensqualität.
Hieble-Fritz: Das Projekt bietet Chancen für Entwicklung, Arbeitsplätze sowie Impulse für Tourismus und Wirtschaft. Gleichzeitig braucht es eine fortgeführte sorgfältige, transparente Planung und enge Abstimmung mit allen Beteiligten. Als Gesundheitsstadt mit ausbaufähigem Tourismusstandort sollten wir diese Chance nutzen. Wichtig ist auch bezahlbarer Wohnraum, idealerweise durch Mietwohnungen. Entscheidend bleibt eine ortsverträgliche Bebauung, die sich in die Umgebung des Voralpenlandes einfügt. Insgesamt stehe ich dem Projekt positiv gegenüber.
Wenn Geld und der kommunale Haushalt keine Rolle spielen würden: Welches Projekt würden Sie sofort umsetzen?
Schlier: Zwei „Herzensprojekte“ möchte ich anführen: Der Neubau eines Hallenbades ist klar eines davon. Viel Vorarbeit wurde geleistet, ein städtisches Grundstück steht bereit, aber eine Finanzierung erscheint in den nächsten fünf Jahren unrealistisch, was nicht heißt, dass wir aufgeben. Realistisch erscheint mir die Sanierung des Bahnhofes. Ich will die Post zurück ins Zentrum holen, einen Vereinsraum schaffen, die öffentlichen WC-Anlagen dort unterbringen und einen Mobilitätshub mit Radlverleih und eCar-Sharing etablieren neben einer kleinen Gastronomie.
Hieble-Fritz: Unmöglich, nur ein Projekt herauszugreifen – es braucht vieles. Großartig wären der Kauf und die denkmalgerechte Sanierung des Kellerbergs, der Ausbau des Sportparks mit Hallenbad und Sportanlagen sowie ein Bürger-, Kultur- und Familienzentrum. Ein renovierter Bahnhof, effizientere Parkflächen, mehr Grün und einladende Aufenthaltsflächen in der Innenstadt und ein flächendeckender örtlicher Nahverkehr mit Kleinbussen, Seniorenbeförderung, stärken die Lebensqualität. Flächen für Jugendliche und Kinder zum Spielen, Sporttreiben und sich treffen.
Fragen: Nicolas Bettinger