Bad Aibling ist um ein Original ärmer

von Redaktion

Nachruf Elfriede Urscher im Alter von 87 Jahren verstorben – Zwischen Glanz des Glücks und Dunkelheit der Nacht

Bad Aibling – Eine große Trauergemeinde begleitete Elfriede Urscher kürzlich auf ihrem letzten Erdenweg auf dem Bad Aiblinger Friedhof. Die gebürtige Heufelderin schlief nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren friedlich im Kreise ihrer Familie ein. Mit ihrem Tod verliert die Stadt nicht nur eine in vielfältiger Weise engagierte Mitbürgerin, sie ist auch um ein Original ärmer.

Die Sorge um die Familie, ihr unerschütterlicher Glaube, ihre soziale Ader, ihre Begeisterung für Sport und das närrische Treiben, die Liebe zur klassischen Musik, ihre Freude an Handarbeit und am Theaterspiel sowie das große Interesse am Vereinsleben spielten wichtige Rollen im Leben der dreifachen Mutter, die auch stolze Oma zweier Enkeltöchter war.

Ein Leben geprägt von
Glauben und Engagement

Beim Requiem für die Verstorbene in der Bad Aiblinger Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, das Pfarrer Philipp Kielbassa zusammen mit seinem Vorgänger Georg Neumaier und Diakon Klaus Schießl zelebrierte, zeichnete der Geistliche ihren Lebensweg nach. Er erinnerte unter anderem daran, dass sie schon in jungen Jahren in ihrer Heimatpfarrei engagiert in der Pfarrbibliothek und im Kirchenchor mitgewirkt habe.

1962 heiratete die gelernte Konditoreifachverkäuferin den Bad Aiblinger Busunternehmer Hans Urscher. Nach ihrer Hochzeit habe sie im Unternehmen ihres Mannes als „allseits beliebte Reiseleiterin“ fungiert. Sie sei auch eine „gefragte Pilgerführerin“ für die europäischen Wallfahrtsorte gewesen, insbesondere für den Jakobsweg und Santiago de Compostela.

Der Pfarrer ging auch auf zwei schwere Schicksalsschläge ein, die Elfriede Urscher verkraften musste. Schon früh habe sie ihren Vater verloren. Im Alter von nur 48 Jahren sei sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Witwe gewesen. „Nicht zuletzt dank ihres Glaubens ist sie auf ihrem Lebensweg nie ins Taumeln geraten – weder geblendet durch den Glanz des Glücks, noch desorientiert durch die Dunkelheit der Nacht“, sagte der Pfarrer. Gott habe ihr bis zum Tod immer wieder neue Kraft gegeben.

Von ihrem Einsatz für die Gemeinschaft profitierten nicht zuletzt viele Bad Aiblinger Vereine. Die Verstorbene gehörte unter anderem dem Trachtenverein Oberlandler, dem katholischen Frauenbund und der Kolpingsfamilie an, deren Fahnen sich an ihrem Grab zu einem letzten Gruß senkten. Elfriede Urscher war darüber hinaus Mitglied beim Dritten Orden der Franziskaner, bei der Jakobus-Gemeinschaft Rohrdorf, im Krippenverein, beim Rauchclub und im Historischen Verein.

Viele Jahre war Elfriede Urscher auch bei der Bad Aiblinger Tafel aktiv. Während des Balkankrieges nahm sie eine geflüchtete schwangere Frau bei sich auf und beherbergte Mutter und Kind später einige Jahre bei sich. Daraus entstand eine herzliche Verbindung, die ein Leben lang hielt.

Ihrer Liebe zum Häkeln und Stricken entsprangen unter anderem zahlreiche Altardecken, die sie nicht nur für die Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt anfertigte. Wie sehr sie mit der Himmelfahrtskirche, in der sie regelmäßig Gottesdienste besuchte, verbunden war, wurde beim Requiem noch einmal deutlich. Der Sarg, neben dem sich ein Bild der Verstorbenen befand, war während des Gottesdienstes direkt vor dem Altar aufgebahrt – eine in der Kurstadt eher ungewöhnliche Geste, die viele Kirchenbesucher in besonderer Weise berührte.

Mit großer Leidenschaft genoss sie Musikstücke von Bach und Mozart und war ein mindestens genauso leidenschaftlicher Fan des FC Bayern München. Ihr Interesse am Sportgeschehen umfasste darüber hinaus neben dem alpinen Skisport insbesondere auch die Leichtathletik.

Angeführt von der Dreder Musi, bewegte sich der Trauerzug auf dem Friedhof zum Familiengrab, wo Elfriede Urscher ihre letzte Ruhe fand. Vorsitzender Thomas Schmid vom Oberlandler Trachtenverein dankte ihr für die 61-jährige Zugehörigkeit zum Verein und erinnerte daran, dass ihr das Theaterspiel stets große Freude bereitet habe.

Resi Raß nahm als Vorsitzende des katholischen Frauenbundes Abschied von einem treuen Mitglied, das viel für den Verein getan habe.

Die Bayernhymne, mit der die Dreder Musi die Trauerfeier am Friedhof abrundete, war gleichsam ein letzter Beweis für die große Heimatliebe, die die Verstorbene ihr Leben lang an den Tag legte. Als Dirigent Roland Merk anschließend als Solist auf der Klarinette „Amazing Grace“ anstimmte, floss so manche Träne im Gedenken an einen Menschen, dessen Tod eine große Lücke in der Stadt hinterlässt.

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