Bruckmühl – Vor Kurzem gab es ein Treffen im Rathaus, bei dem Bürgermeister Richard Richter zwei neue Gemälde für die Sammlung der Marktgemeinde, Stiftung Rupert Dorrer, entgegennehmen konnte. Rupert Dorrer wurde in diesen Tagen 85 Jahre alt, und wie immer galten seine Gedanken der Gemäldesammlung, die er vor mehr als 30 Jahren als unveräußerliche Stiftung der Gemeinde überlassen hatte. Die Gemeinde übernahm dafür die Trägerschaft der neu gegründeten Galerie, die seitdem mit großem Erfolg arbeitet.
Auch zu seinem diesjährigen Geburtstag konnte Dorrer wieder zwei gestiftete Bilder an den Bürgermeister überreichen, eines vom Oberaudorfer Maler Elmar Ludwig und das andere ein von Dorrer selbst gemaltes Werk, das vorübergehend in München hing.
Zu den Gästen des Bürgermeisters gehörten außer Rupert Dorrer der Maler Elmar Ludwig, der ehemalige Kneipenwirt der Schwabinger 7, Manila, Galerie-Leiterin Cornelia Ahrens und Ute Bößwetter, langjährige Mitarbeiterin der Galerie.
Warum der ehemalige Wirt eines legendären Münchner Lokals, das von der Presse einst als „wild und roh“ bezeichnet wurde, zu Gast bei Bürgermeister Richter war? Weil Dorrer kurz vor dem Abriss der beliebten Kneipe im Jahr 2011 eine Innenwand „der 7“ fotografiert hatte, um sie dann malerisch zu gestalten.
Mit Pigmenten und mit von der Originalwand abgeschabtem Material hat Rupert Dorrer sein Werk aufgebaut. Die über viele Jahre in die Wand geritzten Zeichnungen und gemalten Worte hat er sorgfältig wiedergegeben. So schlägt dieses Bild eine Brücke in die Vergangenheit und besitzt zudem dokumentarischen Charakter. Manila war erfreut, dass seine ehemalige Kneipe, die wegen einer Kriegerbombe unter großen Protesten der Bevölkerung abgerissen wurde, noch einmal in den Mittelpunkt rückte.
Auch Elmar Ludwig stellte sein Bild vor. Es ist klassisch modern in einem beinahe blendenden Blau, unmerklich von hellerem Blau ins dunklere hinübergleitend. Dazu gibt das Bild ein Buchstabenrätsel auf, denn in Goldton verschlingen sich geradlinig aufgetragene Buchstaben ineinander oder nebeneinander. Sie ergeben, richtig gelesen, das Wort „Kleinkunst“ und sind eine Hommage an den französischen Maler Yves Klein, der während seines kurzen Lebens viele Bilder in intensivem Blau malte.
Bürgermeister Richter bedankte sich für die beiden Werke und erläuterte, dass man beabsichtigt, sie im Rathaus aufzuhängen. Denn mittlerweile haben bereits etliche Bilder aus der Stiftung an den schlichten Wänden des Fabrikgebäudes ihren Platz gefunden.
Weil die Stiftung nur alle fünf Jahre in der Galerie gezeigt wird, habe man beschlossen, die Rathauswände damit zu schmücken. Das tue beiden Seiten gut, bekommt doch so mancher Rathausbesucher auf diese Weise die Gemälde zu sehen. Auch im Fall der neuen Geschenke hat Galerieleiterin Ahrens einen Platz gefunden.
Und was tut der Jubilar? Er fährt weiterhin täglich nach Schliersee in seine Werkstatt, um zu malen oder zu restaurieren – immer mit offenen Augen für Motive, die er malerisch wiedergeben möchte. Selbst einfache Rad- oder Fußspuren kann er in Kunstwerke verwandeln. bö