Baukultur als gelebte Geschichte

von Redaktion

Vortrag über die Entwicklung der bäuerlichen Hauslandschaft

Bad Feilnbach – Auf Initiative unseres Baukulturbeauftragten der Gemeinde, Thomas Zink hielt kürzlich Professor Dipl. Ing. Daniel Rudolf Hoheneder, Architekt und Denkmalpfleger einen Vortrag über die Entwicklung der bäuerlichen Hauslandschaften in Bayern – untermalt mit eindrucksvollen Beispielen direkt aus unserer Region.

Seit 2017 engagiert er sich zudem ehrenamtlich in der Heimatpflege Bayern, der Bauberatung und Vermittlung des baukulturellen Erbes. In seiner laufenden Promotion forscht er zu Entwicklung früher Blockbauten im 16. Jahrhundert im südbayerischen Raum. Seit 2025 ist er Inhaber der Professur für Bestandstransformation und Baudenkmalpflege an der Hochschule Trier. Zu Beginn spannte der Referent den Bogen über die unterschiedlichen Hausformen in Bayern. Während in Oberbayern der sogenannte Einfirsthof prägend ist – bei dem Wohnen, Stall und Scheune unter einem Dach vereint sind – findet man nur rund 40 Kilometer weiter bereits den Paarhof mit getrennten Gebäuden. In der Oberpfalz hingegen dominiert der Vierseithof, bei dem vier Gebäude einen geschlossenen Innenhof bilden. Diese regionalen Unterschiede zeigen, wie stark Bauformen von Landschaft, Klima, wirtschaftlichen Bedingungen und Tradition beeinflusst wurden. Anhand des historischen Trogerhauses aus unserem Ort wurde die Bauweise eines sogenannten Mittelflurhauses näher erläutert. Der Grundriss war klar strukturiert: Von einem mittig verlaufenden Flur gingen Rauchküche, Stube, Stall und Kammern ab. Besonders beeindruckend war die Erkenntnis, dass sich die Baugeschichte dieses Gebäudes bis etwa ins Jahr 1509 zurückverfolgen lässt.

Dächer mit Legschindeln, beschwert durch Schwerstangen und Schwersteine, sorgten für Stabilität und Langlebigkeit – ganz ohne moderne Befestigungstechniken. Mithilfe dendrochronologischer Untersuchungen, also der Datierung von Holz anhand der Jahresringe, lassen sich heute sogar exakte Bauzeiten bestimmen. Der Vortrag machte deutlich, wie wertvoll unsere historischen Gebäude sind. Nur rund zwei Prozent unseres Baubestandes stehen heute unter Denkmalschutz. Ihr Erhalt ist jedoch weit mehr als Nostalgie – er ist ein gesellschaftlicher Beitrag zur Bewahrung unserer Identität und kommt nicht zuletzt auch dem Tourismus in unserem „Bilderbuch-Bayern“ zugute. Interessant war auch der Blick auf die Wohnraumentwicklung: Während früher eine Person mit etwa 18 Quadratmetern auskam, liegt der Durchschnitt heute bei rund 49 Quadratmetern pro Person – wobei sich hier wieder ein Umdenken abzeichnet. Gerade die historischen Höfe zeigen, wie Räume immer wieder neu genutzt werden konnten.

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