Höhen und Tiefen einer Weltreise im Bus

von Redaktion

Eine Familie aus Feldkirchen-Westerham reist in einem umgebauten Feuerwehrauto um die Welt. Jane Töllner und Daniel Frérot erleben mit ihren Kindern Artis und Ida dabei nicht nur viele Abenteuer und schöne Momente, sondern werden auch mit Armut und einem medizinischen Notfall konfrontiert.

Feldkirchen-Westerham – Für Jane Töllner und ihren Ehemann Daniel Frérot ist ihr „neues“ Leben unbeschreiblich schön. Zusammen mit ihren Kindern Artis (6) und Ida (4) verließen sie Feldkirchen-Westerham und gingen auf Weltreise. Wann und ob sie überhaupt nach Deutschland zurückkommen wollen, bleibt offen. Derzeit wollen sie noch mehr Länder bereisen und die verschiedenen Kulturen kennenlernen.

Immer mit dabei ist „Otto“. Ein altes Feuerwehrauto, das von der Familie zu einem Wohnmobil umgebaut wurde. Ihr neues Leben teilt die Familie auf ihrem Youtube-Kanal „Ottos Weltreise“. Die Videos zeigen viele spannende Einblicke.

Beinbruch
und Operationen

„Bis wir aus Deutschland abreisten, vergingen tatsächlich noch gute zwei Monate seit dem Einzug in den Otto“, erklärt Jane Töllner. Zu Beginn sei es ihnen wichtig gewesen, all ihre Freunde und Familienangehörigen in Deutschland mit ihrem neuen fahrenden Zuhause noch einmal zu besuchen. Und das aus einem bestimmten Grund, wie Töllner sagt. Denn sie wollten alle an ihrem neuen Leben teilhaben lassen. „Vor allem auch, weil einige sehr skeptisch gegenüber unserer Entscheidung, das Land dauerhaft reisend zu verlassen, eingestellt waren“, sagt die Mutter zweier Kinder. „Irgendwie war es uns ein Bedürfnis, unser neues Leben greifbar für jene zu machen, die ihre Bedenken hatten.“

So führte ihre erste Reise einmal quer durch Deutschland und endete vorerst in Frankreich. Denn Daniel Frérot ist halb Franzose. Auch hier wurde die Familie noch einmal besucht. Und einen Höhepunkt gab es auch noch, wie Jane Töllner sagt: „Wir fieberten den ersten buttrigen, saftigen Croissants schon seit Langem entgegen.“

Von Frankreich ging es dann weiter nach Spanien, Portugal und Marokko. Bis jetzt habe es der reisenden Familie vor allem in Andalusien in Südspanien gefallen. Zum einen wegen des Klimas, da im Winter noch 15 Grad Celsius herrschten, und zum anderen wegen der Menschen, wie Jane Töllner sagt. „Die Spanier haben sich so unglaublich zuvorkommend, hilfsbereit und kindernärrisch gezeigt, dass der Umgang mit den Menschen einfach großen Spaß gemacht hat.“

Außerdem habe es dort viele Möglichkeiten zum Zeitvertreib gegeben. Alle Familienmitglieder seien große Naturliebhaber und meistens den ganzen Tag draußen. So schauen sie stets nach guten Kletterrouten am Felsen und nach neuen Wanderwegen. Letzteres ist nicht immer bei den beiden Kindern beliebt, denn die bevorzugen das Wasser. „Die heißen Quellen bei Granada haben wir mehr als nur genossen“, sagt Jane Töllner. „Es war das reinste Spa-Erlebnis. Wir konnten mit unserem ‚Otto‘ direkt daneben campieren.“

Auf ihrer Reise hat jedes Familienmitglied sein eigenes schönes Erlebnis im Herzen gespeichert, weiß Jane Töllner. „Für meinen Teil war es in Spaniens Norden am Atlantik, als wir mit den Kindern auf mysteriöse, atmende Löcher an den Klippen gestoßen sind“, sagt sie. Die Eltern erzählten Artis und Ida, dass dort Drachen leben, die laut ausatmen. „Dabei war es von Anfang an auch für die Kinder klar, dass es sich bei diesen Löchern um Auswaschungen der Wellen im Stein handelte“, sagt Mama Jane.

Dennoch sei es für sie am schönsten, wenn ihre Kinder die Welt „mit spielenden Augen“ entdecken. Generell setzen die Eltern auf das Freilernen und Online-Schule, um ihre Kinder zu bilden. Für ihren Mann Daniel sei die erste richtige Piste mit ihrem Otto das schönste Erlebnis gewesen. „Es war eine sehr schmale und sehr steile, gar ausgesetzte Piste durch den spanischen Nationalpark Picos de Europa“, sagt Töllner. Ihrer Tochter Ida habe das Kamelreiten in Marokko gut gefallen und ihr Sohn Artis liebe die Wüste. „Er war beeindruckt von den hohen Sanddünen Marokkos. Wir waren für mehrere Tage am Stück inmitten der Sanddünen abgetaucht, um die Stille und die Sterne in uns aufzusaugen“, so Töllner.

Doch auf ihrer Reise erlebten sie auch nicht so schöne Momente. „Was uns am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben ist, sind die Begegnungen mit armen, bettelnden Kindern in Marokko“, erinnert sich Jane Töllner. „Wir wissen bis heute nicht, wie man am besten mit einer Situation umgehen soll, in der ein Kind mit flehenden Augen und bittenden Händen auf einen zukommt und einem begreiflich macht, dass es Hunger hat.“ In den Ausläufern des Atlasgebirges würden Familien mit Kindern bei Minusgraden in Höhlen leben. Sie sollen auf Steinböden schlafen und seien auf ihre Tiere als einzige Lebensgrundlage angewiesen, während täglich reiche Touristen auf Wanderwegen direkt an ihren Unterschlüpfen vorbeiziehen. „Es war eine absolut beschämende und traurige Begegnung“, sagt sie.

Doch auch Ida erlebte auf der Reise ein unschönes Erlebnis. Bevor die Familie ihre alte Heimat Feldkirchen-Westerham für immer verließ, brach sich die Kleine das Bein, das daraufhin mit zwei Drähten stabilisiert wurde. „In Bayern haben wir uns von den Ärzten versichern lassen, dass die Metallentfernung ein absolut unspektakulärer kurzer Eingriff sein würde, den man theoretisch überall auf der Welt durchführen lassen könne“, so Mama Jane.

Da der Eingriff aber in Spanien mit 5.000 bis 8.000 Euro zu teuer war, fand die Operation in Marokko statt. Doch dort erwies sich der Eingriff als komplizierter, weshalb nur ein Draht entfernt werden konnte. Der zweite wurde vor Kurzem in Deutschland entfernt. Der kleinen Ida geht es wieder gut – sie springt, tanzt und rennt wieder fröhlich herum.

Ihre alte Heimat Feldkirchen-Westerham fehle Jane Töllner und ihrem Ehemann Daniel Frérot nicht. Die Gemeinde sei nie ihre Heimat gewesen. „Denn kurz nachdem wir von Niedersachsen nach Bayern gezogen waren, kam die Corona-Epidemie. Krabbelgruppen und Spielplätze wurden geschlossen“, sagt Töllner. Deshalb hätten sie nie Anschluss gefunden. Und auch wenn ihre Kinder Bayern als ihre Heimat kennengelernt haben sollten, würden die zwei Kleinen auf der Weltreise richtig aufblühen. „Der dreijährige Ausbau unseres ‚Ottos‘ hat uns vieren immerhin genug Zeit der Vorbereitung – auch oder vor allem auf mentaler Ebene – ermöglicht“, so Jane Töllner.

Krieg und
Dieselpreise

Nach ihrem Zwischenstopp in Deutschland geht es nun Richtung Osten und zu ihrem langfristigen Ziel in Thailand. Doch dafür wollen sie sich Zeit lassen. Grund dafür ist der Krieg zwischen Israel und dem Iran. „Der Iran war eines unserer heißersehnten Reiseziele“, so Töllner. „Außerdem werden uns die exorbitanten Dieselpreise in unserer Absicht, langsam zu reisen, mehr als unterstützen.“

Also wird es jetzt erst einmal von Deutschland über Tschechien nach Rumänien und Bulgarien zum Balkan gehen. In Montenegro wollen sie den „Sommer begrüßen“ und dann soll es weiter nach Griechenland und in die Türkei gehen. „Aber wir lassen uns die Route sehr offen und werden immer wieder spontan alles Weitere entscheiden“, sagt Jane Töllner. „Denn genau das verlangen uns allen die neuen Kriegsumstände ab – schätze ich.“

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