Kampf gegen Leukämie tut gar nicht weh

von Redaktion

In Feldkirchen-Westerham haben Hunderte Bürger bei einer Typisierungs- und Blutspendeaktion mitgemacht. Die Aktion soll Stammzellenspender für an Leukämie erkrankte Patienten finden. Auch Bürgermeister Johannes Zistl ließ sich registrieren.

Feldkirchen-Westerham – Die Aktion in Feldkirchen-Westerham läuft gerade einmal eine halbe Stunde, doch der Andrang im BRK-Zentrum ist groß. Viele Bürger der Gemeinde sind am Mittwoch, 25. März, zwischen 15 und 20 Uhr zusammengekommen, um sich entweder typisieren zu lassen, Blut zu spenden oder sogar beides. Organisiert wurde die Typisierungs- und Blutspendeaktion von Bürgermeister Johannes Zistl und dem Bayerischen Roten Kreuz.

Bürgermeister
lässt sich registrieren

Im Rahmen der Aktion „Nominieren, typisieren, Leben retten: OVB gegen Leukämie“ von Radio Charivari Rosenheim, den OVB-Heimatzeitungen und dem Pruttinger Bürgermeister Johannes Thusbaß nominieren sich die Bürgermeister aus dem Landkreis Rosenheim gegenseitig, um in ihrer Kommune eine Typisierungsaktion zu starten und damit einen passenden Stammzellenspender für Anne Willkommen aus Kolbermoor, die erneut an Leukämie erkrankt ist, zu finden. Auch Johannes Zistl wurde nominiert, und schnell war für ihn klar: „Das ist eine richtig gute Sache, da mache ich mit.“ Doch der Bürgermeister wollte es nicht nur bei der Stammzelltypisierung belassen, sondern auch die Blutspende einbinden. „Beide Aktionen retten buchstäblich Leben“, sagt der Rathauschef.

Und dass nicht nur er das so sieht, zeigte sich deutlich in der großen Halle des BRK-Zentrums. Mehrere Leute liegen auf den weißen Liegen und spenden ihr Blut. Im Nebenraum hat sich eine große Menschenschlange gebildet. Sie alle wollen sich zur Blutspende anmelden. Sie alle wollen etwas tun. In einem weiteren Raum findet die Typisierungsaktion statt. Und die ist ganz schmerzfrei. Denn hier müssen die zukünftigen Stammzellenspender nur den Mund öffnen und mit zwei medizinischen Wattestäbchen einen Wangenschleimhautabstrich machen. Danach können sie wieder gehen.

„Ich wünsche mir vom heutigen Tag, dass beide Spenden Gewinne bringen“, sagt Johannes Zistl. „Dass wir neue Typisierungen generieren, egal wie viele, und dass die Blutspende nochmal ins Bewusstsein gerückt wird.“ Er hofft, dass die Blutspende wieder einen höheren Stellenwert bekommt und mehr Leute regelmäßig dorthin gehen. „Und natürlich wäre auch ein Wunsch, dass genau durch die heutigen Spenden, nächste Woche oder in den nächsten Jahren irgendwer irgendjemandem das Leben rettet“, so Zistl.

Deshalb heißt es jetzt auch für ihn „Mund auf, Stäbchen rein“. „Bin schon etwas aufgeregt“, sagt Zistl und lacht. Doch schnell füllt er die benötigten persönlichen Daten aus und macht mit den beiden Wattestäbchen den Abstrich. Mit dabei ist auch Katharina Röhrl, OVB-Reporterin der Redaktion Bad Aibling. Auch sie möchte sich registrieren lassen. Das habe sie sich schon lange vorgenommen und doch eine ganze Weile vor sich hergeschoben. „Vor ein paar Jahren wurde tatsächlich ein Freund von mir mit Leukämie diagnostiziert“, sagt Röhrl. „Hinzu kam, dass auch seine Schwester erst kurz zuvor an Krebs gestorben war. Beide sind, beziehungsweise waren, ungefähr in meinem Alter – also damals Mitte 20.“

Früher habe sie sich nicht als Stammzellenspenderin registrieren lassen, da sie wegen Vorerkrankungen kein Blut spenden darf und sie deshalb dachte, sie käme auch als Stammzellenspenderin nicht in Frage. „Mit dem Wangenabstrich klappt die Registrierung heute super einfach, also musste ich mir nicht mal Gedanken um einen unangenehmen Pieks machen“, sagt Röhrl. „Und wer weiß, vielleicht helfe ich in wenigen Monaten oder Jahren mit einer Knochenspende tatsächlich jemandem, den Krebs zu besiegen.“

Aufgeklärt werden sie von Marko Hammer von der Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“ (AKB). Er ist für die Spendergewinnung und für den Außendienst zuständig. Über die Typisierungs- und Blutspendeaktion in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham freut er sich sehr. „Eine Stammzellenspende geht nicht ohne Blutspende“, erklärt Hammer. „Deswegen ist diese Kooperation miteinander ganz wichtig und es ist super, dass das hier in der Gemeinde auch zusammen angeboten wird.“ Wichtig sei es jetzt aber, an der Sache dranzubleiben. So sagt Hammer, dass das hier keine einmalige Aktion bleiben sollte. Denn je mehr Leute sich registrieren lassen und Blut spenden, umso mehr Menschen kann geholfen werden.

„Und die Typisierung tut auch gar nicht weh“, sagt Hammer. „Früher hat man noch Blut abgenommen, aber die Technik hat sich immer weiterentwickelt, weshalb es heutzutage mit Stäbchen funktioniert.“ Laut dem Mitarbeiter der AKB werden im Labor anhand der Wattestäbchen spezielle Gewebemerkmale (Human Leukocyte Antigen) analysiert. Mithilfe der Stäbchen wird dafür DNA aus den Mundschleimhautzellen gesammelt und dann bestimmt. „Man kriegt auch die Blutgruppe raus und ob das CMV, also das Herpesvirus, vorliegt“, erklärt Marko Hammer weiter.

Alle zwölf Minuten soll in Deutschland ein Mensch die Diagnose Blutkrebs erhalten. Weltweit soll es sogar alle 27 Sekunden passieren. „Beim Krebs hat man verschiedene Stadien, verschiedene Ausartungen und verschiedene Unterkategorien. Viele kannst du schon medikamentös gut behandeln, vor allem auch bei kleinen Kindern“, sagt Hammer. Allerdings gebe es immer wieder Extremfälle, bei denen jemand zum Beispiel eine aggressive Form von Leukämie hat. „Und deshalb ist es so wichtig, dass wir genügend Spender haben“, sagt er. Und desto wichtiger sei es auch, dass Erkrankte, wie Anne Willkommen aus Kolbermoor, ihre Geschichte erzählen und auf die Krankheit aufmerksam machen.

280 Spender in
Feldkirchen-Westerham

Aufklärung ist für Marko Hammer besonders wichtig. Zu oft habe er erlebt, dass Leute sich registrieren lassen und dann im letzten Moment doch abgesprungen sind. „Es gibt wirklich Leute, die lassen sich nur für einen Kameraden oder Freund registrieren. Wissen die dann, dass er von jemand anderem eine Transplantation bekommt, dann wollen sie komplett raus aus der Sache“, sagt er. „Es gibt aber auch welche, die finden, dass es von der Vorbereitung der Stammzellenspende bis nach der Entnahme einfach zu viel Zeit kostet.“ Und dabei sei jede Spende hilfreich, betont Hammer.

Und die Bürger von Feldkirchen-Westerham haben laut Bürgermeister Johannes Zistl deutlich gezeigt, dass sie helfen wollen. Insgesamt seien rund 280 Spender vor Ort gewesen und hätten sowohl an der Blutspende als auch an der Typisierungsaktion teilgenommen. „55 Bürgerinnen und Bürger haben sich im Rahmen der Aktion für die Typisierung registrieren lassen“, heißt es weiter. Zistl ist mit dem Verlauf der Veranstaltung sehr zufrieden: „Die beiden Aktionen haben sich gegenseitig positiv ergänzt und verstärkt.“

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