Bad Aibling/Willing – Viele Feldkreuze sind im Landkreis Rosenheim stumme Zeugen der abendländischen Kultur, auf deren Fundament ein vom christlichen Glauben geprägter Wertekompass fußt. Das Kreuz steht für Christen auch im Mittelpunkt der Karwoche und der Karfreitagsliturgie. Ein besonders markantes Wegkreuz befindet sich im Weitmoos bei Willing, das seit mehr als 20 Jahren auch einen direkten Bezug zum aus Bayern stammenden Papst Benedikt hat, der an Silvester 2022 in Rom verstarb. „Pilger der Hoffnung“ als Leitspruch auf dem Gebälk, ein Rebstock, Ähren, ein Fisch, eine Jakobsmuschel als Symbol der Pilger, bunte Farben sowie die Jahreszahlen 2005 und 2025: So präsentiert sich das im Bereich des Wasserschutzgebietes aufgestellte Kruzifix vorbeikommenden Passanten. Eine vor ihm aufgestellte Bank lädt sie für einen Moment zum Verweilen ein.
Mit den Zahlenangaben wird daran erinnert, dass das aus Lärchenholz gezimmerte Gebälk 2005 anlässlich des Weltjugendtages in Köln aufgestellt wurde, zu dem auch der Papst anreiste. 2025 steht für dessen Renovierung 20 Jahre später.
Hedi Westphal (64), die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der Pfarrgemeinde St. Georg, erinnert sich noch gut an die Grundidee, die letztlich den Ausschlag für die Kreuzerrichtung gab. „Anlässlich des Weltjugendtages wurden Jugendliche aus dem Ausland auch von Gastfamilien in unserer Stadt aufgenommen. Das Kreuz wurde als Zeichen der Verbundenheit aufgestellt, ehe die Gäste mit den einheimischen Jugendlichen nach Köln weiterreisten“, so Westphal. Während im Bereich der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt vorwiegend Pilger aus Italien beherbergt worden seien, habe man in den sogenannten Südpfarreien Berbling, Willing und St. Georg Jugendliche aus Evry in Frankreich aufgenommen.
„In den fünf Tagen, in denen die rund 40 angereisten Franzosen vor ihrer Weiterfahrt mit dem Zug nach Köln da waren, sind wir eine große Gemeinschaft geworden“, erinnert sich Martin Vogl (44) gerne zurück. Viele Eindrücke von einst sind auch noch bei Agnes Pledl (48) lebendig, die wie Vogl damals dem Willinger Pfarrgemeinderat angehörte. „Wir haben unter anderem gemeinsam einen Heimatabend in Mietraching besucht. Da haben zwei Französinnen ein Dirndl angezogen und waren ganz stolz drauf“, berichtet Pledl.
Hedi Westphal weiß, dass einige Gastgeberfamilien auch nach dem Ende des vom 16. bis zum 21. August dauernden Weltjugendtages weiter Kontakt mit ihren Gästen hielten. Von noch heute bestehenden Verbindungen ist ihr nichts bekannt. Jedenfalls füllen zahlreiche Bilder etliche Erinnerungsalben an das damalige Großereignis. Auch Franz Widhammer (63), der Vorsitzende des Willinger Pfarrgemeinderates, hat ein solches zu Hause aufbewahrt und blättert immer wieder mal gerne darin.
Da finden sich unter anderem viele Aufnahmen von gemeinsamen Feiern. „Besonders schön war für mich ein Abend, an dem wir bei Berbling gemeinsam um ein Lagerfeuer gesessen sind“, sagt Hedi Westphal rückblickend.
Im Verlauf der Jahre nagte der Zahn der Zeit an dem Holzkreuz in Willing, mit dem so viele schöne Erinnerungen verbunden sind. Dass diese lebendig bleiben, war für Franz Widhammer ein Hauptgrund, sich im vergangenen Jahr mit ehemaligen Firmlingen, Ministranten, Jugendlichen aus Willing und Katharina Stollmann an die Arbeit zu machen und dem Kreuz zu neuem Glanz zu verhelfen.
Viele Stunden ihrer Freizeit hat die Schar der Ehrenamtlichen investiert, um im Schuppen von Widhammers Aussiedlerhof dem Kruzifix dessen außergewöhnliche Erscheinungsform zu verleihen. „Wir waren alle mit Begeisterung bei der Sache“, so der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Das Gebälk sei zwar kaum verwittert gewesen, dennoch sei eine Restaurierung erforderlich gewesen. In Gemeinschaftsarbeit habe man das Kreuz abgeschliffen und neu gestaltet.
Pfarrer Philipp Kielbassa weihte es schließlich am Mittwoch, 3. August, vergangenen Jahres ein. Am Karfreitag dürfte sicherlich der ein oder andere Spaziergänger vor ihm stehen bleiben und ein kurzes Gebet sprechen.
Es ist übrigens nicht das Einzige, das im Bereich der Stadtkirche Bad Aibling an den Weltjugendtag in Köln erinnert. Das Pilgerkreuz, welches die Jugendlichen aus Bad Aibling und ihre Gäste damals gemeinsam in die Stadt am Rhein mitgenommen hatten, steht heute im Pfarrheim St.Georg.