16 Meter hohes Stahlgerüst säumt Altarraum

von Redaktion

Ursachenforschung für bröckelnden Putz in der Laurentius-Kirche – Baugrunduntersuchung erforderlich

Feldkirchen-Westerham – Wenn die Gottesdienstbesucher in der Laurentius-Kirche in Feldkirchen heuer die Osternacht feiern, ist für sie wieder ein Stück weit Normalität eingekehrt. Der Bauzaun, der den Altarraum zuletzt absperrte und vor dem ein schlichter Holztisch als Notaltar zur Feier der Liturgie stand, wurde mittlerweile entfernt.

Die Teilsperrung des Gotteshauses war vor einigen Monaten erforderlich geworden, weil Putz vom Deckengewölbe bröckelte und eine Gefahr für den Altardienst und auch für Kirchenbesucher darstellte. Vier Tage war das Gebäude deshalb total gesperrt, ehe ein Statiker nach einer ersten Begutachtung des Schadens Entwarnung gab und eine mögliche Einsturzgefahr ausschließen konnte.

Fachleute auf
Ursachensuche

„Der größte Brocken, der zu Boden fiel, war etwa pflaumengroß“, berichtet Kirchenpfleger Holger Dietl. Auch nach der Errichtung des Notbehelfs habe man immer wieder „abbröselnden Putz“ registriert, so Dietl.

Ein 16 Meter hohes und 16 Meter breites Stahlgerüst, das sich anstelle des Bauzauns jetzt über den gesamten Altarraum erstreckt, erfüllt nach Auskunft von Michael Liegl, Verwaltungsleiter des Pfarrverbandes Feldkirchen-Höhenrain-Laus, jetzt eine Doppelfunktion. „Es ist erforderlich, damit Fachleute der Ursache für den Schaden am Deckengewölbe aus nächster Nähe genau auf den Grund gehen können. Zugleich dient es als Auffangnetz, damit eventuell weiter abbröckelndes Mauerwerk niemanden verletzen kann“, so Liegl. Eine zentrale Frage bei den Nachforschungen ist, ob der aktuelle Schaden im Zusammenhang mit einem Riss steht, der sich schon länger im Deckengewölbe des Gotteshauses befindet. „Den beobachten wir bereits seit 2006 mithilfe eines Riss-Monitorings sehr genau. Bisher zeigten sich keine Auffälligkeiten“, sagt der Kirchenpfleger. „Wir müssen jetzt herausfinden, was sich da bewegt“, bringt Holger Dietl das Grundproblem auf einen kurzen Nenner.

Um verlässliche Aussagen treffen zu können, schaut sich demnächst ein Statiker den Schaden nicht nur vom Gerüst aus nochmals an, die Pfarrgemeinde kommt auch an einer begleitenden Baugrunduntersuchung nicht vorbei. Eine Schürfgrube, die etwa 2,50 Meter Tiefe erreicht, soll dabei zunächst Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit geben. „Wenn wir diese Ergebnisse haben, muss geprüft werden, ob darüber hinaus Kernbohrungen erforderlich sind. Die könnten Erkenntnisse über die Gegebenheiten unterhalb des Fundaments liefern, auf dem die Kirche steht“, so Dietl.

„Das alles ist sicherlich nicht in einem Monat erledigt“, stimmt Michael Liegl die Pfarrgemeinde darauf ein, längere Zeit mit dem Stahlgerüst im Altarraum leben zu müssen. „Momentan ist alles Spekulation. Wir müssen Schritt für Schritt ein geeignetes Maßnahmenpaket erarbeiten“, beschreibt der Kirchenpfleger die Vorgehensweise, die die Kirchenverwaltung in Abstimmung mit dem Ordinariat festgelegt hat. Ähnlich sieht die Vorgehensweise in der ebenfalls zum Pfarrverband gehörenden Kirche in Unterlaus aus. Dort wurden im Jahr 2024 ebenfalls Rissbildungen im Deckengewölbe des Bauwerks festgestellt (wir berichteten).

Mit von der Partie ist auf jeden Fall das Landesamt für Denkmalschutz, das laut Dietl für die „archäologische Begleitung“ der Maßnahmen sorgt. „Der Ortskern von Feldkirchen ist ein Bodendenkmal. Da gräbst du kein Loch ohne Erlaubnis von dieser Behörde“, weiß der Kirchenpfleger.

Zu früh ist es laut Verwaltungsleiter Michael Liegl für eine erste Kostenschätzung. „Dazu brauchen wir vorab konkrete Aussagen der Fachleute. Erst wenn wir wissen, was genau zur Schadensbehebung getan werden muss, können wir über Geld reden“, sagt Liegl. Der Verwaltungsleiter betont, die Pfarrgemeinde werde auf jeden Fall einen Zuschussantrag beim Ordinariat stellen.

Selbstbeteiligung
erforderlich

Gleichzeitig weist er bereits jetzt auf die Notwendigkeit einer finanziellen Eigenleistung der Pfarrgemeinde zur Finanzierung des erforderlichen Maßnahmenpakets hin. „Ohne Selbstbeteiligung gibt es kein Geld aus München“, weiß der Verwaltungsleiter.

Wenn die Schürfgrube errichtet wird, rückt übrigens auch der Kirchturm des Gotteshauses ins Blickfeld der Experten. „Da haben wir schon seit längerer Zeit ein Feuchtigkeitsproblem. Der Turm saugt von unten Wasser an“, berichtet Kirchenpfleger Holger Dietl. Seine Hoffnung ist, dass die gewonnenen Erkenntnisse über die Bodenbeschaffenheit auch Hinweise auf die Ursache dieses Problems geben. „Wie ein eventueller Handlungsbedarf beim Turm aussieht, das müssen wir ebenfalls abwarten“, erläutert Verwaltungsleiter Michael Liegl. tt

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