Bad Aibling – Die Meldung kam nicht nur kurzfristig, sondern vor allem überraschend: Die Rheumaklinik in Bad Aibling muss, ohne dass dies zuvor öffentlich absehbar war, in nur wenigen Wochen schließen. Wie berichtet, stellt die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund) den klinischen Betrieb ihrer Einrichtung in der Ghersburgstraße bereits Ende April ein. Damit reagiert man auf eine „bautechnische Bewertung der Gebäudesubstanz“, die akute Mängel an Gebäudetechnik, Dach und Brandschutz hervorbrachte und die einen Weiterbetrieb unmöglich mache.
Zukunft des
Gebäudes noch unklar
Dies hatte der Träger am Dienstag, 31. März, bekannt gegeben und damit nicht zuletzt Bad Aiblings Kurdirektor Thomas Jahn völlig überrascht. Er zeigte sich gegenüber dem OVB „schockiert“ und bezeichnete die Rheumaklinik Bad Aibling als einen langjährigen „wichtigen Bestandteil des Gesundheitsangebots“. Neben dem Verlust in medizinischer Hinsicht fürchtet Jahn durch die anstehende Schließung einen „erheblichen Rückgang an Gästen und Übernachtungen“ sowie für Handel, Gastronomie und Dienstleistung einen Ausfall von Gästen oder Kunden. Doch ist der Klinikstandort in der Ghersburgstraße in Zukunft womöglich noch zu retten oder besteht hier keine Hoffnung mehr?
Klar ist: Die DRV Bund geht aufgrund der aufgetretenen Mängel von erforderlichen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich sowie einer mehrjährigen Bauzeit aus. Eine Sanierung sei aus diesem Grund derzeit nicht realistisch. Doch zieht die Deutsche Rentenversicherung Bund diese Option, wenn auch nicht zum aktuellen Zeitpunkt, überhaupt noch in Erwägung? „Hierüber wurde noch keine Entscheidung getroffen“, erklärt dazu nun Stefan Braatz, Leiter Verbraucher- und Fachkommunikation, auf OVB-Nachfrage. Ob die Immobilie in der Ghersburgstraße als Klinikstandort künftig in irgendeiner Form also erhaltenbleiben kann, wie es sich etwa Kurdirektor Jahn wünschte, bleibt derzeit offen.
Laut Stefan Braatz sind in der Bad Aiblinger Rheumaklinik derzeit insgesamt 97 Mitarbeiter beschäftigt. Wie es für sie im Einzelnen weitergeht, ist zwar noch nicht bekannt. Jedoch soll hier für alle eine verträgliche Lösung gefunden werden. So teilte die DRV Bund mit, dass man „mit Hochdruck“ daran arbeite, für alle Mitarbeiter „Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten zu schaffen“. Man werde alle Betroffenen in diesem Prozess eng begleiten, um individuelle Lösungen für ihre berufliche Zukunft zu finden.
Wie viele Patienten von der Stilllegung tatsächlich betroffen sind, konnte Braatz gegenüber dem OVB nicht eindeutig beziffern, da einige vor Schließungstermin ohnehin abreisen können, andere wiederum darüber hinaus weiter behandelt werden müssen. Für Letztere ist eine „Verlegung“ in die Klinik Wendelstein in der Kolbermoorer Straße geplant, wohin alle laufenden medizinischen Reha-Leistungen, die am alten Standort nicht beendet werden können, übergeleitet werden. „In Kürze geplant Abreisende nach Rehabilitationsende sind nicht von einer ‚Verlegung‘ in die Klinik ‚Wendelstein‘ betroffen“, so der Leiter für Verbraucher- und Fachkommunikation.
„Verlegungen“ diese
und kommende Woche
Dagegen sollen Rehabilitanden mit längerem Aufenthalt diese und kommende Woche in der Klinik „Wendelstein“ übernommen werden, so Braatz. Zwischen den beiden Kliniken besteht bereits länger eine Verbindung. Im Jahr 2022 wurden beide zum gemeinsamen „Reha-Zentrum Bad Aibling“ zusammengeführt. Die Klinik „Wendelstein“ biete nun die notwendige Kapazität, um die Versorgungsqualität in der Region auf hohem Niveau fortzuführen, heißt es seitens der DRV Bund.
Wodurch sich die „akuten Mängel“ in der Rheumaklinik genau äußerten, ist indes nicht gänzlich klar. Laut Stefan Braatz hätten sich in den vergangenen Wochen und Monaten Hinweise und Belege für schwerwiegende Mängel am Klinikgebäude und der Technik verdichtet. „Eine intensive und mehrstufige fachliche Prüfung der baulichen Infrastruktur durch unsere Experten für Bau- und Immobilienmanagement hatte zum Ergebnis, dass die Betriebssicherheit der ‚Rheumaklinik‘ nicht mehr vollumfänglich garantiert werden kann.“