Feldkirchen-Westerham – Die Gemeinde Feldkirchen-Westerham steht plötzlich und unerwartet vor einer erheblichen finanziellen Herausforderung. Erst vor wenigen Tagen haben die Gemeinde Informationen erreicht, wonach es infolge wirtschaftlicher und struktureller Veränderungen bei Gewerbebetrieben zu deutlichen und sofortigen Einbrüchen bei den Gewerbesteuereinnahmen gekommen ist. Diese Entwicklung kam kurzfristig, unerwartet und war in dieser Dimension nicht absehbar, heißt es vonseiten der Gemeinde in einer Pressemitteilung. Feldkirchen-Westerham sei zuletzt finanziell gut aufgestellt gewesen.
Dauerhafter Effekt
mit großer Wirkung
Im Haushalt 2026 war die Gemeinde noch von Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von rund 10,5 Millionen Euro ausgegangen. Nach aktuellem Stand fehlen allein im Jahr 2026 etwa vier Millionen Euro, in den Folgejahren bis zu 3,4 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht knapp zehn Prozent des gesamten Verwaltungshaushalts.
Besonders belastend ist, dass es sich nach derzeitigem Kenntnisstand dabei nicht nur um einen einmaligen, sondern voraussichtlich um einen dauerhaften Effekt handeln könnte. Hochgerechnet auf einen Zeitraum von zum Beispiel zehn Jahren ergibt sich eine Größenordnung von rund 40 Millionen Euro – also in etwa die Summe, die beispielsweise für den Bau einer neuen Schule vorgesehen war.
Die plötzliche Änderung der Gesamtlage sei nicht von der Gemeinde verschuldet. Die daraus entstehenden Folgen müssen nun jedoch in den kommenden Wochen gemeinsam und verantwortungsvoll bewältigt werden. Kämmereileitung, Bürgermeister und Verwaltung arbeiten derzeit mit Hochdruck an einer Neubewertung der gesamten finanziellen Situation für 2026 sowie an Lösungsansätzen für die Zukunft. Die notwendigen politischen Entscheidungen wird der Gemeinderat treffen. Dabei geht es um eine ehrliche Bestandsaufnahme, klare Prioritäten und tragfähige Entscheidungen für die kommenden Jahre.
Klar ist auch: Zusagen, Absichtserklärungen oder Zeitpläne, die unter den bisherigen Rahmenbedingungen in Aussicht gestellt wurden, können unter den nun veränderten Voraussetzungen nicht uneingeschränkt aufrechterhalten werden. Manche Vorhaben und Ausführungstermine müssen überprüft, verschoben oder abgesagt werden. Dafür bittet die Gemeinde die Bürger, die Vereine sowie alle Betroffenen um Verständnis.
Für die Zukunft gilt: Pflichtaufgaben haben Vorrang. Dazu gehören insbesondere die öffentliche Sicherheit, die Kinderbetreuung, die Daseinsvorsorge sowie der Erhalt der grundlegenden Infrastruktur. Gleichzeitig werden freiwillige Leistungen sowie größere Investitionsvorhaben kritisch überprüft werden müssen.
Betroffen sind insbesondere größere Projekte mit erheblichem Finanzbedarf. Beispielhaft zu nennen sind ein Schulneubau, die Sanierung und der Ausbau der Aiblinger Straße, der Neubau beziehungsweise Umbau des Kindergartens Höhenrain sowie größere Kanal- und Straßensanierungen. Diese Vorhaben stehen nicht pauschal infrage, müssen aber angesichts der neuen Haushaltslage zeitlich und inhaltlich neu bewertet werden.
Die angespannte finanzielle Situation kann in den kommenden Jahren auch im Alltag der Bürger spürbar werden, etwa bei der Umsetzung von Maßnahmen, Standards im Unterhalt, bei Mäharbeiten, beim Winterdienst oder liebgewonnenen Dienstleistungen der Gemeinde, die nun nicht mehr bezahlbar sind. Ziel der Gemeinde ist es, mit Augenmaß zu handeln und notwendige Einschnitte so verträglich wie möglich zu gestalten. Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter der Gemeinde stehen nicht zur Disposition.
Auch andere Kommunen mussten bereits vergleichbare Herausforderungen bewältigen und haben Wege gefunden, damit umzugehen. Diesen harten Weg wird auch Feldkirchen-Westerham gehen – sachlich, verantwortungsvoll und gemeinsam mit den Bürgern.
Bürgermeister appelliert
an Gemeinschaftssinn
Bürgermeister Johannes Zistl (parteifrei): „Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich die wahre Stärke unserer Gemeinde: Feldkirchen-Westerham zeichnet sich durch einen ausgeprägten Zusammenhalt und ein lebendiges, ehrenamtliches Engagement aus. Viele Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen bringen sich aktiv ein, schaffen neue Perspektiven und nutzen gemeinsam alle vorhandenen Ressourcen. Dieser große Gemeinschaftssinn und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, geben Anlass zu Zuversicht und lassen uns motiviert nach vorne blicken – denn gemeinsam können wir die aktuellen Herausforderungen meistern und die Zukunft unserer Gemeinde positiv gestalten.“
Der Gemeinderat wurde bereits informiert und wird sich in den nächsten Sitzungen intensiv mit der Haushaltskonsolidierung befassen.