Bad Feilnbach – Bad Feilnbach steht felsenfest hinter seiner lokalen und krisenfesten Energieversorgung, von der künftig viele Bürger des Ortes profitieren sollen. Entscheidender Meilenstein war nach Abschluss der Rohbauarbeiten vom Fundament bis zum Dachstuhl die standesgemäße Hebefeier, bei der sich führende Vertreter der politischen Gemeinde, der MW-Biomasse Bad Feilnbach GmbH & Co. KG, Architekten, Planer sowie Handwerker beteiligter Betriebe und Gäste einen ersten Einblick in ein Vorzeigeprojekt der Gemeinde verschaffen konnten.
75 Hausanschlüsse
sollen versorgt werden
Eigentlich war die Hebefeier für Ende vergangenen Jahres geplant, bedurfte jedoch witterungsbedingt einer Terminverschiebung, wie Geschäftsführer der MW-Biomasse Bad Feilnbach GmbH & Co. KG, Sebastian Henghuber, seine Ansprache eröffnete und die Entstehungsgeschichte zur Verwirklichung eines seiner Meinung nach „zukunftsweisenden Projekts“ Revue passieren ließ.
Im Fokus der ersten Planung einer Heizzentrale stand anfangs der Standort am Bad Feilnbacher Schwimmbad. Das Interesse von Bürgern, sich von fossilen in Richtung regenerativen Energieträgern zu orientieren, war größer als erwartet. Folglich wurde der angedachte Platz zu klein und erforderte die Suche nach einer Alternative.
Ein geeigneter Standort für das Heizhaus, verbunden mit einigen Umplanungen gegenüber früherer Konzepte, wurde schließlich am Friedrich-Dittes-Weg gefunden. Nach einigen Hindernissen wie der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine geschah im Frühjahr 2025 der langersehnte Spatenstich. Es folgten Gründungs- und Hochbauarbeiten, Einbringen von Brenner, Heizkessel, Wärmetauscher und komplexer Filteranlage, Herstellen des Dachstuhls sowie erste Arbeiten an den Fassaden.
Im Anschluss an die Hebefeier befassen sich fachkundige Firmen und Handwerksbetriebe mit Innenausbau sowie Außenanlagen. Geplant ist die Fertigstellung der Anlage mit einer Heizleistung von zwei Megawatt aus dem regenerativen Grundrohstoff „Hackschnitzel“ im Sommer dieses Jahres. Sie beliefert mit Beginn der neuen Heizperiode voraussichtlich 75 Hausanschlüsse.
Sie ersetzt dann das momentane Provisorium neben der Turnhalle an der Leo-von-Welden-Schule, von der aktuell 66 Umsteiger von fossil genutzten Energieträgern wie Öl und Gas profitieren.
Den Worten von Bürgermeister Max Singer zur Folge habe die Gemeinde Bad Feilnbach mit den einstigen Ideen und Planungen zur Nahwärmeversorgung einen wichtigen Schritt für die Zukunft eingeschlagen. Der Blick auf die aktuelle Kriegssituation, insbesondere im Nahen Osten, bestätige die Notwendigkeit, sich von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas zu trennen und sich auf regionale Grundlieferanten mit nachhaltigem Material zu konzentrieren.
Die Region könne vieles selbst schaffen. Dazu gehören auch die regionalen Betriebe und Firmen, die sich an der Verwirklichung des Projekts beteiligten und wertschätzenden Dank entgegennehmen dürfen, so Singer.
In seinem Richtspruch würdigte Zimmerermeister Christian Heiß vom heimischen Fachbetrieb für Zimmerei und Holzbau, „Heiß+Heiß“, das wackere und edle Handwerk, das vom Fundament, Keller, Mauern und Räumen bis zum Dach ein behagliches, dem Zwecke dienendes Gebäude hat entstehen lassen.
Einen zufriedenstellenden Blick in Richtung Eröffnung im Herbst richtete nach achteinhalb Jahren Planungs- und Bauzeit Ferdinand Theinert von „Theinert Maier Architekten“. Koordiniert wurden 24 Planer, deren Ideen und Konstrukte über 30 beteiligte heimische und regionale Firmen umsetzten.
Idee reicht bis
ins Jahr 2007 zurück
Nach Ansicht von Dipl.-Ing. Michael Brünner, (Ing.-Büro EST als Generalplanung Energieversorgung, Wärmenetz und Technik Heizhaus), zeige das imposante Bad Feilnbacher Heizwerk-Gebäude lediglich die sichtbare Spitze eines Eisberges. Die Idee einer autarken Nahwärmeversorgung reiche bis 2007 unter Bürgermeister Hans Hofer zurück.
Zum eigentlichen Kern gehöre das Nahwärmenetz, das sich mittlerweile über große Teile des Ortes zieht und zur Hebefeier mit gehöre. Nahwärme sei ein Effizienzgewinn durch Gemeinschaftsnutzung.