Bad Aibling – Mit einer besseren technischen Ausstattung, aber auch mit dem Ausbau der Truppenstärke bei der Bundeswehr, will die Bundesregierung auf die „veränderte Sicherheitslage“ reagieren, die sich unter anderem durch den Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 ergeben hat. So ist nach derzeitigem Stand geplant, die aktive Truppe bis Mitte der 2030er-Jahre auf 260.000 Personen auszubauen. Zum Ende des vergangenen Jahres 2025 waren gut 184.000 Soldaten bei der Bundeswehr aktiv. Ein Schritt zu mehr Personal ist der neue Wehrdienst, der bei Männern ab Geburtsjahr 2008 das Ausfüllen eines Fragebogens sowie die Musterung als Pflichtprogramm vorsieht. Der Dienst selbst ist hingegen letztlich eine freiwillige Entscheidung. Doch auch auf anderem Wege versucht die Bundeswehr, Nachwuchs für die Truppe zu gewinnen. So wird die Bundeswehr Mitte April mit einer Ausstellung und einem Informationsmobil an der Berufsschule Bad Aibling erwartet, um Interessierte unter anderem über die Bundeswehr als Arbeitgeber zu informieren. Infos aus erster Hand kann dazu beispielsweise Hauptmann Daniel (auf die Nennung des Nachnamens wird auf Wunsch des Bundesministeriums der Verteidigung verzichtet) geben, der Mitte des Jahres sein zehnjähriges Dienstjubiläum feiern kann. Nach seinem Abitur in Rosenheim hatte er sich 2016 direkt bei der Bundeswehr beworben und ist heute Offizier und Büroleiter des Karriereberatungsbüros Bad Reichenhall, das auch für den Landkreis Rosenheim zuständig ist. Im Interview mit dem OVB spricht der 31-Jährige über das Angebot am 14./15. April in Bad Aibling, welche Vorzüge die Bundeswehr als Arbeitgeber hat und wie schwer es ist, bei der aktuell komplizierten Weltlage Nachwuchskräfte für die Truppe zu gewinnen.
Was erwartet die Besucher am Dienstag, 14., und Mittwoch, 15. April, an der Bad Aiblinger Berufsschule seitens der Bundeswehr genau?
Am 14. April, 9.30 bis 15.45 Uhr, und 15. April, 8.45 bis 15.45 Uhr, gibt die Bundeswehr in der Berufsschule Bad Aibling mit zwei Fahrzeugen und den damit betrauten Kameraden der Gebirgspionierkompanie 23 aus Ingolstadt sowie einem Informationsmobil des Karrierecenters der Bundeswehr München einen Einblick in die beruflichen Möglichkeiten bei der Bundeswehr. Im Schulhaus selbst werden Vortragsreihen durchgeführt, die Fragen zu Voraussetzungen, Laufbahnen und dem neuen Wehrdienst klären. Parallel dazu stehen die angesprochenen Fahrzeuge und Kameraden auf dem Schulhof bereit, um praxisnahe Eindrücke zu vermitteln.
Spricht die Bundeswehr ausschließlich die Aiblinger Schüler an? Oder können auch andere Interessierte vorbeikommen?
In Absprache mit Schulleiter Jürgen Ersing sind gerne alle interessierten Bürgerinnen und Bürger dazu eingeladen, den Stand der Bundeswehr zu besuchen.
Warum kann die Bundeswehr aus Ihrer Sicht für viele Menschen ein attraktiver Arbeitgeber sein?
Die Bundeswehr hat sich zu einem hochattraktiven Arbeitgeber entwickelt, der in den militärischen Laufbahnen mehr als 60 Ausbildungsberufe und 40 Studiengänge anbietet und Fortbildungsmöglichkeiten gewährt, wie zum Beispiel auch einen Führerscheinzuschuss von 3.500 Euro bei einer Verpflichtungszeit von einem Jahr oder länger. Darüber hinaus kann jeder Soldat und jede Soldatin in Uniform sowohl dienstlich als auch privat kostenlos Bahn fahren, während der Arbeitszeit sportlich aktiv sein und erhält bei einer Verpflichtungszeit von einem Jahr oder länger ein monatliches Netto-Gehalt von mindestens 2.400 Euro (Steuerklasse I). Gerade zu Zeiten anhaltender Krisen und ständiger wirtschaftlicher Herausforderungen bietet die Bundeswehr Stabilität, einen sicheren Arbeitsplatz und Planbarkeit. Darüber hinaus ist sie als Arbeitgeber zur Fürsorge verpflichtet und bietet eine exzellente und unentgeltliche gesundheitliche Versorgung. Einzigartig als Arbeitgeber macht uns jedoch die Kameradschaft. In der Truppe ist man nie mehr allein, hat stets Kameradinnen und Kameraden um sich, die füreinander einstehen und Probleme gemeinsam lösen.
Wie schwer ist es in der heutigen Zeit geworden, junge Menschen für einen Karriereweg bei der Bundeswehr zu begeistern?
Der Arbeitsmarkt auf Arbeitgeberseite ist zwar stets eine Herausforderung, jedoch erlebt die Bundeswehr seit 2025 einen kräftigen Zuwachs an Bewerbungseingängen. Aus meiner Position als Büroleiter der Karriereberatung im Landkreis Rosenheim und den fünf Nachbarlandkreisen blicke ich optimistisch in die Zukunft. Wir sind als Arbeitgeber nun deutlich präsenter in den Köpfen der jungen Generation und freuen uns über die Steigerung von Anfragen für Schulvorträge, Beratungsgespräche und Bewerbungsabgaben.
Welche Rolle spielt in Ihren Augen die komplizierte Weltlage mit vielen Kriegen? Macht dies die Nachwuchsgewinnung noch schwieriger?
Eine Korrelation zwischen den Auswirkungen der komplexen geopolitischen Lage und den Bewerbungseingängen vermag ich nicht einordnen zu können. Jedoch tat die bisherige Weltlage dem Bewerberaufkommen nachweislich keinen Abbruch. Die Bewerbungszahlen steigen signifikant.
Nicolas Bettinger