Bruckmühl – „Freihändige Musik“ nennt Bassist Martin Hottner den Gesang seines A-cappella-Quartetts. „Unsere Musik ist so rein und klar wie nur möglich, denn sie besteht nur aus Gesang – und das Singen ist das einzige Instrument, für das die Hände überflüssig sind.“ Gemeinsam mit Sopranistin Christl Schuster, Alt-Stimme Britta Hartmann und Tenor Christian Rappel steht er am morgigen Freitag als ONLY4 auf der Bühne.
Die vier Sänger bedienen sich dabei keiner musikalischen Hilfsmittel. Bei ihnen gibt es weder Verstärkerboxen noch Mikrofone oder sonstige Technik. Nur eine filigrane Stimmgabel gibt leise das „A“ vor, mit dem vor dem Lied die Tonika angestimmt wird.
Jede Stimme
muss sitzen
Es folgt der Eingangsakkord, damit jede Stimme ihren Anfangston findet. Im Halbkreis stehen die vier dann vor dem stillen Publikum und stimmen das Lied an, sobald sie einander in stummer Körpersprache zu verstehen gegeben haben: „Der Ton ist eingerastet, wir sind bereit.“
„Gutes Gehör und ein Gespür für die Gruppe“ sind in der A-cappella-Musik unabdingbar, weiß Sopranistin Christl Schuster. Als nebenberufliche Kirchenmusikerin spielt der Gesang auch abseits von ONLY4 eine große Rolle in ihrem Alltag. Doch in der reinen Vokalmusik hat sie, wie auch ihre drei Musikerkollegen, ihre besondere Leidenschaft gefunden.
Anders als in einem großen Chor müssen sich die Sänger in der A-cappella-Gruppe musikalisch absolut aufeinander verlassen: Jede Stimme muss sitzen, denn nur eine einzige Kehle erhält sie am Klingen. Das bedeutet auch, bei der Probe darf niemand fehlen.
Fällt eine Stimme weg, entsteht alsbald ein klangliches Vakuum, sodass das gesamte A-cappella-Kunstwerk in sich zusammenfällt. Damit dennoch regelmäßig gemeinsame Proben stattfinden können, zeigen alle Quartettmitglieder großen Einsatz für ihr musikalisches Herzensprojekt.
Regelmäßig kommt Tenor Rappel nach getaner Arbeit auf dem heimischen Bauernhof in Prien nach Bruckmühl gefahren, um mit ONLY4 zu singen. Damit er es trotz Stress im Betrieb zur Probe schafft, hilft Musikerkollege Hottner schon mal bei Stall- oder Waldarbeit auf dem Rappel‘schen Hof aus.
Für die Proben treffen sich die vier mal im Wohnzimmer, mal in der Küche eines der Sänger. Während der Pandemiezeit hätten sie sich auch im Stall zum Singen verabredet, erinnern sich die vier lachend, um die vorgeschriebenen Abstände zwischen Kontaktpersonen einzuhalten.
Schnell können die Sänger in der Gruppe aufeinander reagieren und einander korrigieren: Schließlich sind sie seit Jahren ein eingesungenes Team. In der Quartettkonstellation besitzen sie außerdem großen Gestaltungsspielraum innerhalb der eigenen Stimme. „Das verleiht unserer Musik unglaubliche Beweglichkeit und Dynamik“, findet Hottner.
Zugleich bedarf es absoluter Ruhe im Zuschauerraum sowie einer hervorragenden Raumakustik. Schließlich lassen sich die eigenen Stimmbänder nicht einfach mit einem Verstärker aufdrehen oder elektronisch abmischen.
Mit ihren vier Stimmen singen ONLY4 häufig im Barbershop-Stil. Dabei haben sie sich nicht einem einzigen Genre verschrieben. In ihrem Repertoire finden sich sowohl Balladen als auch New-Orleans-Jazz, Südstaaten-Gospel oder freche 1970er-Jahre-Schlager wie „Lass mich dein Badewasser schlürfen“.
Als ONLY4 haben sich die vier Sänger vor rund zwei Jahren zusammengefunden. Geplant war ein einmaliger gemeinsamer Auftritt für den Geburtstag einer Freundin. Daraufhin trudelte die Einladung zum Auftritt bei der Schlossserenade in Vangen ein und die vier probten gemeinsam weiter.
Schließlich fiel die Serenade ins Wasser, doch die A-cappella-Gruppe ONLY4 war geboren. Seither treffen sich die vier Hobbymusiker alle zwei bis drei Wochen zum Proben und singen bis zu vier Konzerte im Jahr.
Das nächste Konzert steht bereits am morgigen Freitag um 19.30 Uhr im Pfarrheim Heufeld an, gemeinsam mit Harfenistin Helena Waltinger.
Eingeladen sind Musikbegeisterte aus der Region sowie alle Interessierten darüber hinaus. Auf sie wartet ein musikalisch abwechslungsreiches Vokal- und Instrumentalprogramm, ergänzt um eine unterhaltsame Moderation.