Emanzipation voller Lebensfreude

von Redaktion

Was als kleine Revolution begann, ist heute eine Institution. Vor 50 Jahren gründeten sechs Frauen in Sonnenwiechs ihren Stammtisch. Nun feierten die Damen ihr Jubiläum und blickten auf ein halbes Jahrhundert voller Anekdoten und Erlebnisse zurück.

Bruckmühl – Fast auf den Tag genau vor fünf Jahrzehnten haben sechs couragierte Frauen ein Kapitel Sonnenwiechser Dorfgeschichte in der Marktgemeinde Bruckmühl geschrieben, als sie am 3. April mit einer großen Portion Selbstbewusstsein und Emanzipation ins damalige „Sonnenwiechser Bräuhaus“ zum ersten „Sonnenwiechser Frauenstammtisch“ einmarschierten und von der Wirtin Betty mit großem Hallo begrüßt wurden. Jetzt ließen die Sonnenwiechser Frauen zu ihrem 50-jährigen Bestehen in ihrem angestammten Stammtisch-Wirtshaus, dem heutigen griechischen Lokal „Poseidon“, gebührend die Sektkorken knallen.

Die Geburtsstunde einer kleinen Revolution

Nach einem gemeinsamen Abendessen gab Stammtisch-Chefin Maria Heidenthaler mit viel Schmunzel- und Lachpotenzial alte Anekdoten der kleinen „Frauen-Revolution“ zum Besten. Nach ihren Erzählungen wurde die Idee zum Frauenstammtisch bei einem sogenannten Faschingskranzl geboren. „Unsere Mannsbilder treffen sich regelmäßig zum Wirtshausratsch und wir sitzen daheim. Das kann’s doch nicht sein, hier muss sich was ändern! Wir sollten da mal Flagge zeigen“, lautete ihr damaliges einhelliges Fazit.

Nach dem Motto „Gesagt, getan“, wurde daraufhin von einem Sextett die Idee zum Frauenstammtisch geboren und dann auch konsequent umgesetzt. Dazu gehörten neben Heidenthaler noch Lydia Haager, Lisa Jung, Edith Kolb sowie Maria Renz und Josefa Rumpl. Als künftige Stammtisch-Location war das „Sonnenwiechser Bräuhaus“, im Sprachgebrauch „Beim Puff“, in der Dorfmitte schnell gefunden.

„So was gab‘s
damals ja noch gar nicht“

„Für den ersten Stammtisch haben wir dann ganz bewusst den Dienstag gewählt, weil an dem Tag auch unsere Männer schon seit Jahren ihren monatlichen Ratsch hatten. Mei, ham di gschaut, als wir dann zu sechst im ‚Bräuhaus‘ aufgelaufen sind. So was gab’s damals ja noch gar nicht“, blickte Heidenthaler mit einem süffisanten Lächeln und Augenzwinkern auf den spektakulären Auftritt zurück.

Die teils dadurch ausgelösten Bugwellen haben sich dann aber laut ihren Erzählungen schnell gelegt. Auch wurde das monatliche Frauen-Date auf den Montag verlegt.

Die Nachricht über den „weiblichen Geniestreich von Sonnenwiechs“ verbreitete sich dann wie ein kleines Lauffeuer. „Unsere Stammtisch-Pionierarbeit war ein Treffer voll ins Schwarze, wir bekamen schon kurze Zeit später regelmäßig Anfragen von Frauen aus dem gesamten Bruckmühler Raum, ob sie auch zum Stammtisch kommen und mitmachen dürfen“, ergänzt Rita Brenner mit einem Lächeln.

Reisen, Feste und
unvergessliche Momente

Die Folge war, dass die Sonnenwiechser Reviergrenzen ausgeweitet wurden. In seiner Hochphase bildeten über mehrere Jahre hinweg dann 26 engagierte Frauen den harten Kern. Der Mitgliedsbeitrag betrug in der Anfangszeit eine und später dann zwei Mark pro Monat.

Doch blieb es nicht nur bei dem monatlichen Treffen. Unter Federführung von Stammtisch-Mitglied Maria Bichler wurden in enger Zusammenarbeit mit einem Irschenberger Busunternehmen jeweils im September mehrtägige Busreisen durchgeführt. Die Reiseziele führten von der legendären ersten Moselfahrt über Dresden bis nach Niederbayern, Österreich und Südtirol bis nach Venedig.

„Als unser engagierter Reiseführer und zuverlässiger Chauffeur agierte dabei Firmenchef Josef Lechner senior höchst persönlich, der hat immer auf unsere teils wilde Mädelsgruppe aufgepasst. So haben wir manchmal mit unseren Gesangseinlagen den Bus ins Schaukeln gebracht“, erzählt dazu Lydia Keller.

Doch damit nicht genug. Legendär waren unter anderem auch die Auftritte der Sonnenwiechser Frauen bei diversen Faschingsveranstaltungen und Mitternachts-Partys. „Da haben wir ganz schön die Kellerdielen gerockt“, erinnert dazu Chronistin Brenner.

Ein halbes Jahrhundert
und kein Ende in Sicht

Heute lassen es die Sonnenwiechser Frauen naturgemäß etwas ruhiger angehen, stehen doch die sieben oder acht vor ihren persönlichen Jahreszahlen. „Die wilden Zeiten haben wir hinter uns“, so der einheitliche Tenor.

Nichtsdestotrotz stehen bei ihnen aber die monatlichen Montags-Treffen ganz oben auf der To-do-Liste. Mit der ein oder anderen Runde Sekt und einer gesunden Portion Stolz stießen sie am Ende der kleinen Feierlichkeiten auf ihr 50-jähriges Bestehen noch einmal kräftig an.

Ihr rückblickendes Fazit am Ende eines langen Abends im Stammtischlokal: „Was für eine schöne Zeit, welcher Frauenstammtisch kann schon auf eine Historie von einem halben Jahrhundert verweisen und eines ist sicher: Wir lassen nicht locker.“

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