Feldkirchen-Westerham – Anne Huber bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Doch im Februar war sie sehr aufgeregt, als sie mit ihrer Stute Havana H bei der Bundeskaltblutschau in Berlin war. Eine Veranstaltung, die alle vier Jahre stattfindet und bei der die besten Pferde ihrer Rasse ausgezeichnet werden. Havana H v. Ventruin/Silvester/Schwarz-Weiss ist ein süddeutsches Kaltblut und vier Jahre alt. Anne Huber aus Feldkirchen-Westerham ist ihre Besitzerin und hatte nicht damit gerechnet, dass sie in Berlin gewinnen würde.
Aufregung bei
Mensch und Tier
„Mein Vater hatte schon immer Pferde“, sagt Huber. So arbeite und lebe sie bereits von klein auf mit Pferden. Aktuell hat sie zwei süddeutsche Kaltblüter: einen Wallach und ihre Siegerstute Havana H. Auf ihnen reitet sie gerne, bevorzugt aber das Fahren mit der Kutsche. „Havana H habe ich über einen Freund gefunden. Seine Schwester hatte sie als Fohlen zum Verkauf. Ich habe sie gesehen und gesagt: Die nehme ich“, sagt Huber. Sie sei schon länger auf der Suche nach einer Dunkelfuchsstute wie Havana H gewesen. Dabei zeichne sie die helle, fast weiße Mähne und eine dunkle, rot-braune Fellfarbe aus. Von ihren alten Pferden hatte sie sich zuvor verabschieden müssen.
Mit drei Jahren ging es für Huber und Havana H zur Stutbuchaufnahme. Dort werden die Zuchtpferde nach Körperbau sowie Qualität der Gangarten Schritt und Trab bewertet. „Wenn die Note besser ist als 7,3, bekommt man eine Einladung zur Landesschau“, sagt Huber. Havana H bekam eine Wertnote von 7,5. So ging es zur Landesschau und zur Bayernschau, wo sie jeweils Zweite wurde. „In Berlin wurden wir dann Erste. Das war toll, aber auch viel Arbeit“, sagt Huber.
„Süddeutsche Kaltblüter sind leichtfuttrig, was bedeutet, dass sie schnell zu Übergewicht neigen“, sagt Huber. So habe sie darauf achten müssen, dass Havana H Muskeln aufbaue. Am Ende hat Huber mit ihrer Stute genau richtig gearbeitet, schließlich wurde sie zur Siegerin in der Kategorie „Stuten Jung“. „Sie verfügte vom ersten Moment an über eine herausragende Präsenz und zeigte sich während der gesamten Vorstellung temperamentsüberlegen“, sagt Richter Jan vom Berge als Teil seiner Begründung in Berlin. Sowohl in Fundament und Gang als auch in den Grundgangarten hätte Havana H an diesem Tag absolut überzeugt.
Und das, obwohl Huber und ihre Stute ihr zufolge ziemlich aufgeregt waren. „Normalerweise bin ich nicht so nervös, aber bei der Prämierung waren wir es beide“, sagt sie. Huber musste Havana H erst im Schritt vorführen, dann im Trab und anschließend das Gleiche in der anderen Richtung. Das Ganze sei von zwei Richtern bewertet worden. Dabei hätte den Richtern auch Havana Hs sympathisches, ausdrucksstarkes Gesicht sehr gefallen. „Ihre Erscheinung war ihre Stärke“, sagt Huber.
Charakterlich ist Havana H eine Dame, sagt Huber. Bei Fremden sei sie etwas empfindlich, die müsse sie immer erst kennenlernen. Doch mit der Stute „Everl“ von Hubers Bekannten Rasso Babel junior habe es in Berlin gut funktioniert. Denn nach dem Sieg bei der Prämierung nahmen Huber und Havana H, zusammen mit den anderen Teilnehmern am Showprogramm der Grünen Woche teil. „Dort haben wir die ungarische Post gezeigt“, sagt Huber. Das mache sie bereits seit 2012 und sei Teil der Oberländer Reitgruppe, mit der sie auch bei Wettbewerben und Schauprogrammen in dem Bereich teilnehme. „Dabei steht man auf zwei Pferden und reitet verschiedene Übungen“, erklärt die 38-Jährige. Dafür sind süddeutsche Kaltblüter durch ihren Charakter gut geeignet. „Sie sind ruhige, starke Pferde. Mit ihnen kann man fast alles machen, sie sind für alles offen“, sagt Huber. Das gefalle ihr auch so gut an der Rasse.
Der Sieg in Berlin sei toll, aber Huber sei es egal gewesen, ob Havana H gewinnt oder verliert. „Sie war vorher genauso viel für mich wert. Sie ist mein Pferd“, sagt die gelernte Landmaschinenmechanikerin. Als Nächstes wird Havana H gedeckt, um ein weiteres Kriterium für den Staatsprämientitel zu erfüllen. Anwärterin wurde sie bereits durch den zweiten Platz bei der Landesschau in München-Riem im vergangenen Jahr. „Sie muss jetzt ein Fohlen bekommen und noch eine Leistungsprüfung ablegen, dann bekommen wir die Staatsprämie“, erklärt Huber. Eine sehr hohe Auszeichnung für Zuchtstuten in Deutschland, so Anne Huber.