Frühlingserwachen mit der Vagener Musi

von Redaktion

Große Abwechslung während der Konzerte – Förderung der Musikjugend trägt Früchte

Feldkirchen-Westerham – Genau vor zehn Jahren wagten sich die Offiziellen der Vagener Musi an das ungeschriebene Gesetz, dass Konzerte nur am Abend stattfinden dürfen. Sie erlaubten sich, den sonntäglichen Beginn des Konzertwochenendes auf 15 Uhr vorzuverlegen. Dies hat sich nicht nur bewährt, sondern erfreut sich von Anfang an allergrößter Beliebtheit.

Besonders für Senioren und Familien mit kleinen Kindern ist es eine willkommene und günstige Gelegenheit, Spaziergang, Kaffee und Kuchen und Konzertgenuss miteinander zu verbinden. Und vielleicht hat genau dieser Schritt die Generationen innerhalb der Kapelle verbunden. Ein Blick durch die Reihen der Musikanten zeigt, dass die Melange aus intensiver Förderung der Jugendkapelle, der engen Kooperation mit der gemeindlichen Musikschule und dem attraktiven Konzertprogramm für Kinder und Jugendliche Früchte getragen hat.

Arbeitsteilung
am Dirigentenpodest

Eine Dekade später waren nun die Vagener wiederum kreativ und brachten mit einem neuen Konzept und dem beeindruckenden Ensemble von 58 Aktiven ihre musikalischen Frühjahrsgrüße zweimal vor ausverkauften Reihen zu Gehör, teilten sich doch Jürgen Schubert und Sebastian Weber, ihres Zeichens erster und zweiter Orchesterleiter, das Dirigentenpodest.

Sowohl der Routinier und „Platzhirsch“ Schubert, erst vergangenes Jahr für 40 Jahre als aktiver Musiker und unglaubliche 30 Jahre als Dirigent vom Bezirksvorstand des MON mehrfach mit Gold ausgezeichnet, als auch der ambitionierte und gar nicht mehr so neue „Newcomer“ Sebastian Weber, verstanden es glänzend, dem Orchester in den seit Anfang des Jahres laufenden intensiven Proben ihren jeweiligen herausfordernden Stempel aufzudrücken.

Das anspruchsvolle Unterfangen, sich auf die individuellen Führungsstile der beiden Kapellmeister abwechselnd einzustellen, meisterten die Vagener Musiker souverän. Jürgen Schubert eröffnete klanggewaltig und vielsagend mit der „Festouvertüre“ von Franz v. Suppé, gefolgt von einem romantischen „Salut d’Amour“ des englischen Komponisten Edward Elgar und geleitet von Sebastian Weber, der auch den solistisch auftretenden „Zwei Weggefährten“ Kilian Schubert und Korbinian Salzborn bei ihrem Solo für Tenorhörner die Richtung wies.

Schubert folgte sogleich mit dem „Sophien-Marsch“, bevor er dem Orchester mit dem kraftvoll imposanten Epos „Schmelzende Riesen“ durch wechselnde Tempi und lebendige Dynamik Höchstleistung abverlangte und dem Publikum ein Auf und Ab der Emotionen bot. Laut Komponist Armin Kofler verbirgt sich hinter dem Werk der Gedanke der Klimaerwärmung, die sich auch in Mitteleuropa nicht zuletzt durch den Rückzug der alpinen Gletscher bemerkbar macht. Die Klänge schienen unter Schuberts Dirigat zu zerfallen, als würden massive Strukturen unter innerem Druck nachgeben – ein fragiles, verletzliches Dahinschmelzen. Gleichzeitig lag darin aber auch etwas Erhabenes und Majestätisches, als ob die Größe der „Riesen“ noch nachhallt, selbst während sie sich auflösen.

Nach diesem ausdrucksstarken Stück geleitete Sebastian Weber die Zuhörer mit der „Almtaler Polka“ beschwingt-geschmeidig in die Pause, um sie anschließend auf eine Reise im Planwagen durch die mexikanische Wüste zu Elmer Bernsteins „The Magnificent Seven“ einzuladen, der ikonischen Filmmusik zum gleichnamigen Westernklassiker. Weber beherrschte es, dem Stück die mitreißende, abenteuerlustige Aufbruchsstimmung mitzugeben, die sofort Bilder von Weite und Freiheit entstehen ließ.

Es sind die „Rauschenden Feste“, wie sie von der Formation Brassaranka in Polkaklang umgesetzt und von Siamak Golshani als „Geruchsmischung von Bierzelthendl, Fritteusen-Fett, Sonnencreme, Wochenende und Freiheit, welche die Herzen höherschlagen lässt“ beschrieben wurden. Mit seinen humorigen Ansagen bildet er seit 20 Jahren den lockeren und doch würdigen Rahmen der Vagener Frühjahrskonzerte. Dafür wurde er vom Bezirksvorsitzenden des Bezirks Inn-/Chiemgau im Musikbund von Ober- und Niederbayern (MON), Leonhard Eisner, mit der Ehrennadel in Gold geehrt.

Franz Köll junior und Leonhard Mayer überreichten ihm und seiner Frau, die ihm nach Aussage der beiden Vorstände geduldig den Rücken freihält, als Anerkennung ein „entspannendes Präsent“.

Weiterhin konnte Eisner zwei bereits in jungen Jahren überaus erfolgreiche Musikanten, Vitus Schubert und Stephan Kirner, mit silbernen Leistungsabzeichen, absolviert in Posaune und Trompete, auszeichnen.

Auszeichnungen
für junge Musikanten

Nach Leroy Andersons „Blue Tango“ und einem Arrangement der bekanntesten Themen des Musicals „Elisabeth“ beschloss die Vagener Musi das Konzert mit dem „Marcha de Libertad“ von Gerald Ranacher, nicht ohne sich mit drei Zugaben für das nächstjährige Frühjahrskonzert zu empfehlen.

Neben den vielen helfenden Händen, die zum Gelingen eines solchen Ereignisses nötig sind, bedankte sich Sprecher Siamak Golshani besonders bei Peter Köpke für den gespendeten Blumenschmuck und Viktoria und Irmi Köll für dessen In-Szene-Setzung, bei Thomas Weber und Stefan Riederer für Ton und Lichtshow und bei Ortsvereinen für die Mithilfe bei der Versorgung und Einweisung der vielen Zuhörer.

Artikel 8 von 11