Bad Feilnbach – Er versteht sich selbst als „Vermittler des Genusses“ am Hochprozentigen. Seit 2019 darf sich Simon Eder aus Bad Feilnbach Edelbrandsommelier nennen. Entdeckt hat er seine Leidenschaft über seinen Vater: Der Schnaps-Pionier war der erste Edelbrandsommelier in Bayern.
Um den Genuss an den heimischen Schnäpsen vermitteln zu können, lernte Eder während der Ausbildung viel über die sensorische Sinneswahrnehmung, die beim Trinken aktiv wird: Wie riecht oder schmeckt man den Edelbrand richtig? Wie lässt sich die Aromatik des Tropfens treffend in Worte fassen? Wie präsentiere ich den Brand?
Schnaps ist
nicht gleich Schnaps
Der Fokus lag während der Ausbildung auf lokalen Edelbränden und Geisten. Daneben trainierten die angehenden Sommeliers ihre Gaumen auch auf das Schmecken von internationalem Hochprozentigem wie Rum oder Whiskey.
Im Sortiment von Eders Brennerei befinden sich Apfel, Birne, Mirabelle, Zwetschge, Quitte oder Schlehe. Jeder Brand trägt seine individuelle Fruchtnote, wie jeder Mensch seine individuelle Handschrift. Das bedeutet, Quittenbrand schmeckt nicht wie Apfelbrand, ebenso wenig schmecken Birnen-Destillat oder Mirabelle identisch. „Viele verstehen nicht, dass ein Obstler nicht einfach irgendein beliebiger Obst-Schnaps ist“, weiß Eder.
Die aromatischen Unterschiede bewusst beim Trinken herauszufiltern, das ist die Leidenschaft, der er sich mit dem Sommelier- und Brennerdasein verschrieben hat. Darum trinkt er sein „Stamperl“ auch nicht auf Ex in einem Zug, sondern lässt sich gerne zwei oder drei Schlucke Zeit, damit sich die Aromen durch alle Geschmacksknospen hindurch entfalten können und die Schärfe des Alkohols den Gaumen langsam erreicht.
Eine besondere Herausforderung während der Ausbildung waren die Blindverkostungen: Die Teilnehmer sollten ohne näheres Wissen um die Zutaten, aus denen der jeweilige Brand besteht, erschmecken, worum es sich bei dem guten Tropfen handelte.
Eders alkoholisches Genussmittel der Wahl ist dafür „ein Brand oder Geist – unverfälscht und ohne Süßungsmittel“, erklärt der Sommelier. Er mag den Fruchtgeschmack ohne Zusatzstoff. „Der Brand schmeckt rein, fruchtig, aber nicht süß und je nachdem, was man zuvor gegessen oder getrunken hat, mehr oder weniger scharf am Gaumen.“ Neben seiner Sommeliersweiterbildung ist Simon Eder außerdem staatlich geprüfter Brenner und führt damit die Familientradition fort. Die Brennerei auf dem Hof der Familie gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert.
In fünfter Generation brennt Eder nun den Schnaps aus heimischem Obst. „Angefangen hat alles mit der Resteverwertung der vielen reifen Früchte auf der Streuobstwiese“, erzählt der Schnaps-Experte. „Früher hat der Brand hauptsächlich gescheppert, heute geht es uns um Geschmack, Genuss und um ein schönes, rundes Endprodukt.“
Auch wenn die Flasche hübsch ist und der Tropfen darin edel glänzt, gehört der Brand geöffnet und getrunken, findet Eder. „Zwar dauert es etwas länger als bei einem Wein, doch auch das Hochprozentige aus der Edelbrennerei verliert mit dem Alter an Aroma.“ Steinobstbrände sind länger haltbar als Kernobstbrände, keiner von beiden sollte jedoch länger als ein Jahr nach der ersten Öffnung der Flasche aufbewahrt werden.
„Als Obstbrenner stehen wir für ehrliche und qualitativ hochwertige Handarbeit“, findet Brenner Eder. Die handwerkliche Brennkunst gilt außerdem seit 2025 als immaterielles Unesco-Weltkulturerbe. Seinen Kunden die Kunst hinter dem Brand klarzumachen, sei nicht immer einfach. Schließlich ließe sich ein billig hergestellter Brand, bestehend aus neutralem Alkohol, günstigem Aroma und Zuckerzusatz, oft nicht vom hochwertigen Edelbrand aus reinem Obst unterscheiden, wenn das Mischverhältnis stimmt. Lediglich der Preis lässt auf die Qualität der Inhaltsstoffe schließen.
Dabei legt Eder großen Wert auf die Wahl der Zutaten für seine Brände: Äpfel oder Kriecherl beispielsweise stammen von den heimischen Streuobstwiesen. Einige Zutaten kauft er regional und in Bioqualität zu.
Spaß am Experimentieren
mit Aromen
Außerdem ist Eder Zweiter Vorsitzender des Südostbayerischen Verbandes der Obst- und Kleinbrenner. Damit setzt er eine Tradition der Brenner-Dynastie Eder fort: Sowohl Vater als auch Opa übernahmen vor ihm den Vereinsvorsitz. Hauptberuflich ist der Sommelier allerdings als Elektroingenieur tätig. Die Brennerei sieht er als „schöne Ergänzung zum Hof und zeitintensives, aber erfüllendes Hobby“.
„Es macht mir richtig Spaß, mit Aromen zu experimentieren“, schwärmt der Sommelier. Gerne würde er noch mehr aus dem Obst machen, doch fehlt dafür die Zeit. Vor einigen Jahren hat Eder beispielsweise zwei Gin-Sorten ins Sortiment aufgenommen. Rund zwei Jahre hat es gedauert, bis er vollauf zufrieden war mit Aroma, Farbe, Geruch und Geschmack.
Liebhaber hochwertigen Alkohols kommen am Sonntag, 31. Mai, im Rahmen von „Bad Feilnbach brennt“ in den Genuss, diese und weitere lokale Brand-Raritäten aus verschiedenen Hausbrennereien zu verkosten.