Tuntenhausen – Viele Zuschauer, sehr emotionale Diskussionen – wieder einmal war das Projekt Ostermünchen-Mitte das Thema schlechthin im Gemeinderat von Tuntenhausen. Diesmal ging es um die Bauausführung: Holz oder monolithische Ziegelbauweise.
Im April des vergangenen Jahres beschloss der Gemeinderat, dass der Teilbereich A (Wohn- und Geschäftsanlage, Arztpraxis, Apotheke, Tagespflege, betreutes Wohnen und Dorfladen) vom Bebauungsplangebiet „Ostermünchen-Mitte“ durch die Gemeinde umgesetzt werden soll, während der restliche Bereich durch die MvB Baukultur realisiert wird.
Die Planungen bis zu diesem Zeitpunkt erfassten das gesamte Areal und wurden auf Basis einer Holzbauweise durchgeführt. Der Gemeinderat äußerte jedoch den Wunsch, zusätzlich auch eine Ausführung in der herkömmlichen Ziegelbauweise prüfen zu lassen.
Gemeinderat Johann Stürzer (CSU/FW) hatte die wesentlichen Punkte für einen Vergleich Holz/Ziegelbauweise zusammengefasst. Diese betreffen unter anderem die ökologische Bilanz, die Bauzeit, die Kosten sowie die Wertstabilität. Vor der eigentlichen Gegenüberstellung erhielten die Ratsmitglieder zunächst fachkundige Erläuterungen der planenden Architekten Christian Schühle (HKS Architekten München) und Claus Dillinger (Hörl & Hartmann Ziegeltechnik Dachau), die sowohl Einblicke in die Holzbauweise als auch in eine nachhaltige Ziegelbauweise gaben.
Die fachkundigen und detailreichen Ausführungen machten dem Gemeinderat die Entscheidung nicht leichter. Deshalb fügte Bürgermeister Georg Weigl an, dass die Planungen mittlerweile bereits inklusive der Leistungsphase 4 (Genehmigungsplanung) abgeschlossen sind. Möchte man, so Weigl, eine Ausführung in Ziegelbauweise, müsste die laufende Ausschreibung der Planerleistungen wahrscheinlich wiederholt werden, da die gesamten Kostenberechnungen als Grundlage für die Honorare nicht mehr korrekt sind.
Welchen Rattenschwanz an zusätzlichen Arbeiten eine Bauausführungsänderung nach sich zieht, zählte der Bürgermeister auf: So sind die Leistungsphasen 3 und 4 bei den Architekten und bei der Statik neu zu durchlaufen. Zusätzliche Honorare kommen hinzu, ein neuer Bauantrag und eine neue Tektur sind notwendig, die Fördermöglichkeiten müssten neu geprüft werden und auch für den Brandschutz wäre ein neues Konzept notwendig. „Alleine mit den zusätzlichen Planerhonoraren kommen rund 650.000 Euro brutto zusätzlich auf die Gemeinde zu.“ Viel wichtiger sei aber laut Weigl die Verzögerung des Baubeginns von bis zu einem Jahr. Und genau diesen Aspekt setzte der Bürgermeister ganz oben an in der Entscheidungsfindung. „Die Synergieeffekte hinsichtlich der Baukosten bei einer zeitlichen Verzögerung fallen dann natürlich auch weg“, ergänzte Weigl.
Daraufhin entspannte sich eine rege Diskussion, bei der es viele Befürworter der herkömmlichen Bauweise (Ziegel) gab, aber auch eine stattliche Zahl, die die Holzbauweise priorisierte. „Was ist das Sinnvollste, was die bessere Bauweise auf lange Sicht?“, stellte Gemeinderat Johann Stürzer in den Raum.
Für einige Räte kam der Schwenk zur Ziegelbauweise zu spät, andere fühlten sich viel zu spät eingeschaltet. Michael Sandbichler, Geschäftsführer der MvB Baukultur, war als Zuhörer anwesend und erhielt von Bürgermeister Weigl Rederecht. Er plädierte leidenschaftlich für die Holzbauweise und stellte den regionalen Holzbau explizit heraus.
Anna Fernández Diarte (UW Ostermünchen) legte den Fokus auf eine zügige Realisierung: „Für die Ostermünchner Bürger ist eine schnelle Realisierung sehr wichtig“, betonte sie. „Wagen wir doch einfach einmal den Schritt zur Holzbauweise“, plädierte Josef Bodmaier (WG Hohenthann). Stefan Hofbauer (UW Ostermünchen) wiederum warnte vor Gefühlsentscheidungen, einzig Kosten und Zeit sollten hier eine Rolle spielen. Bianca Woisetschläger (HKS) warnte am Ende ebenfalls noch vor einer Umplanung: „Eine solche Umplanung ist wie ein großer Schneeball“, stellte sie vor der Abstimmung in den Raum.
Der Vorschlag der Verwaltung und der Beschluss lautete dann: „Eine zeitliche Verzögerung der Baumaßnahme kann nicht akzeptiert werden. Es fallen nicht unerhebliche zusätzliche Kosten an. Die Baumaßnahme ist in der bisher geplanten Ausführung als Holzbau durchzuführen.“ Aber: Das Abstimmungsergebnis des Gemeinderates lag bei 8:12 und damit gegen die bisher laufende Ausführung in Holzbauweise.
Für das Projekt Ostermünchen-Mitte bedeutet das eine Verzögerung von mindestens einem Jahr. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass nach der Sitzung vor dem Rathaus von Tuntenhausen noch heiß diskutiert wurde.