Bad Feilnbach – Aktuell kennt die Schlafmedizin rund 80 verschiedene Schlafkrankheiten. Häufig treten vor allem zwei Kategorien auf: Insomnien (chronische Ein- und Durchschlafstörungen) sowie Atemstörungen, etwa die Schlafapnoe. Hinzu kommen weitere Krankheitsbilder wie Paralysen, Schlafwandeln, Restless-Legs-Syndrom oder Narkolepsie.
Diese weiter zu erforschen und zu therapieren hat sich Prof. Dr. Peter Young zum Beruf gemacht. Young ist Chefarzt am Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark und überdies ausgewiesener Spezialist der Neurologie, darunter auch sein Steckenpferd: die Schlafmedizin.
Hoher Leidensdruck
bei Betroffenen
Er und sein Team behandeln primär Reha-Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Darunter: Schlaganfall, Parkinson oder Multiple Sklerose. Ergänzt wird die Behandlung um das Feld der Schlafmedizin: Schließlich hängen „neurologische Erkrankungen eng mit Schlaf und Schlafkrankheiten zusammen“, weiß der Experte.
Zurecht sei die Rede von Schlafkrankheiten und nicht lediglich von Schlafstörungen. Schließlich gehe mit Problemen wie der Schlafapnoe ein hoher Leidensdruck einher, wie Young erklärt. Seine Leistungsfähigkeit während der Wachphasen am Tag verringert sich um ein Vielfaches.
Die Betroffenen klagen häufig über extreme Tagesschläfrigkeit, die zum Sekundenschlaf beim Betroffenen führen kann. Das bedeutet, er schläft tagsüber unkontrolliert aufgrund von übermäßiger geistiger und körperlicher Erschöpfung für wenige Sekunden ein. Studien haben außerdem einen Zusammenhang zwischen psychischen Beeinträchtigungen wie Depressionen und Schlafapnoe, vor allem bei älteren Patienten, ergeben.
Vor allem bei Personen über 65 Jahren treten schlafbezogene Atmungsstörungen verstärkt auf. Die Zahl beläuft sich hier, so Young, auf zehn bis 15 Prozent. Laut Lungen-Informationsdienst beläuft sich die Zahl über alle Altersgruppen hinweg bei Männern auf rund 30 Prozent und bei Frauen auf rund 13 Prozent. Dabei steigt die Häufigkeit der Krankheitsfälle mit steigendem Lebensalter deutlich.
Bei Verdacht auf die Krankheit wird am Medical Park eine Screening-Untersuchung auf Schlafapnoe durchgeführt, die sogenannte Polygrafie. Dabei handelt es sich um ein kleines, tragbares Screening-Gerät, das nächtliche Atemaussetzer beim Patienten feststellen kann.
Bei speziellen Fragestellungen kann auch eine mobile Schlaflaboruntersuchung, eine Polysomnografie, durchgeführt werden, sofern der Kostenträger die Kosten übernimmt. Sie misst ergänzend zur Polygrafie Hirnströme, Muskelaktivitäten oder Augenbewegungen. So können die detaillierten Ursachen für die Apnoe ermittelt werden.
Nächtliche Atemaussetzer treten häufig nach einem Schlaganfall, vorwiegend bei älteren Patienten, auf. „Zurückführen lassen sie sich auf neurologische Veränderungen im Gehirn des Patienten, hervorgerufen durch den vorangegangenen Schlaganfall“, weiß der Schlaf-Experte.
Vom schlechten Schlaf
zum Schlaganfall?
„Aus neurologisch-medizinischer Perspektive ist der Schlaganfall ein interessantes Krankheitsbild.“ Mit ihm einher gehen einerseits sichtbare Lähmungserscheinungen am Körper des Patienten, andererseits Lähmungen, die für das Auge zunächst verborgen bleiben, da sie im Gehirn des Betroffenen liegen. Diese neurologischen Veränderungen wirken sich im konkreten Fall der Apnoe auf Schlaf und Atmung aus.
Umgekehrt kann auch eine bestehende Schlafapnoe das Risiko für einen Schlaganfall deutlich erhöhen. Die Atemaussetzer sorgen für einen anhaltenden Sauerstoffmangel im Blut, was zu einer starken Belastung für Herz, Kreislauf und Gehirn wird. So steigt auch der Blutdruck des Apnoeikers und kann einen Schlaganfall herbeiführen.
Die Diagnostik für entsprechende Schlafkrankheiten übernimmt in der Regel ein Schlaflabor. An die Bad Feilnbacher Klinik werden die Patienten meist später für die Therapie im Zuge einer Reha-Maßnahme überwiesen.