Bad Feilnbach – In der Gärtnerei Angermaier in Bad Feilnbach herrscht Hochbetrieb. Inhaberin Anna Angermaier hat gut zu tun, berät Kunden und wuselt zwischen Beeten und Gewächshäusern hin und her. Jetzt im Frühling ist der Andrang wieder groß, denn viele wollen Garten und Beete mit den richtigen Pflanzen bestücken. Aber welche Pflanzen eignen sich auch für Anfänger ohne grünen Daumen? Und worauf muss man beim Gärtnern besonders achten?
Auch für Menschen
ohne grünen Daumen
„Das A und O ist die Bodenbearbeitung“, betont Angermaier, die den Betrieb in der dritten Generation führt. Je nach Pflanze müsse die Erde nämlich anders vorbereitet werden. Während Blumen häufig Schwachzehrer sind und dementsprechend weniger Nährstoffe brauchen, ist Gemüse auf einen reichhaltigen Boden angewiesen. „Wichtig ist aber vor allem, dass die Erde unkrautfrei ist“, sagt die 66-jährige Gärtnermeisterin.
Wer ein neues Beet anlegen möchte, kann ein wenig von seiner Erde mitnehmen und in der nächsten Gärtnerei nachfragen, meint Angermaier. „Ich würde mich dann vom Profi ganz gezielt beraten lassen“, sagt sie. Denn was man pflanzen kann oder wie man das Gewächs pflegen muss, hängt von der Beständigkeit des Bodens ab. „Es gibt natürlich furchtbar empfindliche Pflanzen“, erzählt die Expertin. Für Anfänger hat sie aber einige anspruchslose Gewächse inpetto.
„Einfache Blumen sind zum Beispiel Tulpen“, sagt Angermaier. Im Herbst gebe es die Zwiebeln zu kaufen. Die müssen nur noch tief in die Erde gedrückt werden – „und im Frühjahr sind sie dann ganz prächtig“, sagt die 66-Jährige. Allerdings werden die Zwiebelblumen sehr spät im Jahr gepflanzt, am besten zwischen September und November, spätestens im Dezember.
Anders sieht es mit Vergissmeinnicht aus. „Die bekommt man im Frühjahr in jeder Gärtnerei schon vorbereitet. Daheim muss man sie nur noch einpflanzen und gelegentlich gießen“, sagt Angermaier. Ähnlich verhalte es sich mit Ranunkeln. Diese sollte man aber etwa einmal pro Woche zusätzlich düngen. „So bekommen sie eine Knospe nach der anderen und blühen oft bis in den Juni hinein“, erklärt die Gärtnerin.
Was viele vom Friedhof kennen dürften, macht sich Angermaier zufolge auch im Garten gut: „Eisbegonien sind total einfache Blümchen“, sagt sie. Die Pflanzen – auch Gottesaugen genannt – müssen eingepflanzt und einmal eingegossen werden und blühen dann den ganzen Sommer über. „Ihnen ist es egal, ob sie Sonne oder Schatten haben, ob es viel oder wenig regnet“, erzählt Angermaier. Eisbegonien seien so unkompliziert, dass sie sogar wachsen, wenn der Hobbygärtner keinen grünen Daumen hat.
Ähnlich einfach gestaltet sich die Pflege vom Glücksklee. „Er blüht den Sommer über einfach vor sich hin“, sagt die Expertin. Wenn der Klee im Herbst abgeblüht sei, ziehe er einfach ein. „Alles wird trocken und die Blätter hängen herunter.“ Nun könne man den Topf nehmen, ihn in den Keller stellen und vergessen. „Im Frühjahr holt man den Klee wieder raus, gießt ihn, und schon fängt er an zu sprießen“, so Angermaier.
Wer gerne etwas ernten und in der eigenen Küche verwenden würde, dem empfiehlt die Gärtnerin Schnittsalat. „Man muss ihn nur einpflanzen und die Blätter abschneiden“, erklärt sie. Das Tolle dabei sei, dass der Salat immer wieder nachwachse. So könne man ihn drei bis viermal im Jahr ernten.
„Auch Tomaten sind super, weil man den ganzen Sommer über etwas davon hat“, sagt Angermaier. Bei der Pflege der Pflanzen müssen Hobbygärtner aber einige Dinge beachten: Tomaten brauchen einen sonnigen Platz, mögen es nicht, wenn der Regen von oben kommt, und sollten angebunden werden. Bei vielen Arten, müssen zudem noch regelmäßig die Seitentriebe herausgeschnitten werden, ausgeizen nennt man das. Außerdem ist die Tomate Starkzehrer, sie benötigt also „wirklich viel Dünger“. Die Expertin empfiehlt etwa Schafswollpellets, Hornspäne oder Knochenmehl. „Dafür hat man dann eine tolle Ernte und gute Tomaten zum Brotzeitmachen“, sagt sie.
Doch auch mit diesen pflegeleichten Pflanzen lässt sich gerade bei Anfängern der ein oder andere Fehler nicht vermeiden. Ein großes Thema seien etwa Schnecken. „Auf keinen Fall sollte man zu viel Schneckenkorn verteilen“, betont die Gärtnerin. Denn die Körner des Pflanzenschutzmittels enthalten Lockstoff. Deshalb habe man am Ende möglicherweise mehr Schnecken als zuvor. „Fünf Körner pro Quadratmeter reichen“, sagt Angermaier. Wenn diese gefressen wurden, können wieder neue ausgestreut werden.
Wenn es ums Pflanzen geht, rät sie, immer kräftig einzugießen, vor allem im Beet. Anders sei es, wenn man Pflanzen im Topf habe. „Diese werden oft zu viel gegossen. Dadurch faulen die Wurzeln ab. Wenn das passiert, wächst die Pflanze nicht mehr nach“, betont Angermaier. Stehe sie allerdings „nur“ zu trocken, treibe sie wieder aus, sobald die Wurzeln Wasser bekommen. „Also lieber mal trockenstehen lassen als zu nass“, betont die Expertin.
„Fehler passieren aber immer mal“, sagt Gertraud Polz, Geschäftsführerin des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege Rosenheim. Ihr zufolge werden oft die Beete nicht richtig vorbereitet, die Pflanzen zu tief gesetzt – oder eben zu viel gegossen.
Der Kreisverband und die 61 angeschlossenen Obst- und Gartenbauvereine bieten Kurse für Hobbygärtner an. „Darin bekommt man viele Infos, um es richtig zu machen“, so Polz. Tatsächlich sei das Gärtnern im Landkreis sehr beliebt. Das sehe man an den vollen Kursen. „Wer es gewohnt ist, den eigenen Salat und das Gemüse aus dem Garten zu verwenden, nimmt hierzu die Gartenarbeit gerne in Kauf“, betont die Geschäftsführerin.
Auch Misserfolge
gehören mit dazu
Mit dem Gärtnern kann man ihr zufolge schon Ende März beginnen. Zumindest mit dem Anpflanzen oder Säen von nicht frostempfindlichen Pflanzen. „Sehr von Vorteil ist natürlich, wenn ein Gewächshaus vorhanden ist, dann geht es noch früher“, erklärt Polz. Ab Anfang Mai können dann auch unter anderem Salat und Möhren ins Freie. „Vorsicht aber vor Nachtfrösten, mit denen bis Mitte Mai zu rechnen ist. Bei Frost muss abgedeckt, beziehungsweise geschützt werden“, betont sie.
Trotz aller Bemühungen kann es passieren, dass die Pflanzen nicht gedeihen. „Man sollte aber nicht verzagen, sondern es einfach nochmal wagen“, sagt Anna Angermaier aus Bad Feilnbach. Auch bei ihr in der Gärtnerei funktioniere nicht alles sofort. Die Gärtnermeisterin stellt sich trotzdem immer wieder der Herausforderung, denn: „Als Gärtner lernt man nie aus.“