Fahrräder für den guten Zweck

von Redaktion

Martin Hottner und Wolfgang Kaa betreiben im Ehrenamt eine Fahrradwerkstatt für Geflüchtete in der Marktgemeinde Bruckmühl. Mit mechanischer Kreativität und Geschick bringen sie gespendete Räder wieder zum Laufen.

Bruckmühl – Die Drahtesel stapeln sich förmlich in den Fahrradgaragen an der Wernher-von-Braun-Straße: Munter schrauben Martin Hottner und sein Kollege Wolfgang Kaa in der morgendlichen Frühlingssonne an manchem reparaturbedürftigen Fahrrad herum.

Seit eineinhalb Jahren befindet sich die Fahrradwerkstatt der Bruckmühler Asylhilfe zwischen Containern und Erstaufnahmeeinrichtung. Begonnen haben Kaa und Hottner das Projekt vor zehn Jahren gemeinsam mit dem Reparatur-Café.

Freiwillige
Helfer erwünscht

Schnell stellte sich damals heraus: Mobilität ist für Geflüchtete in Bruckmühl eine Herausforderung. In Deutschland kommen sie meistens nur mit dem Allernotwendigsten an. Ein Fahrzeug gehört nicht dazu. Doch „Bruckmühl ist weitläufig, da benötigt man ein Rad, um von A nach B zu kommen“, weiß Kaa.

„Viele Geflüchtete, die eine Arbeit in Bruckmühl oder Umgebung gefunden haben, sind auch auf das Fahrrad als Transportmittel für den Arbeitsweg angewiesen.“ Mancher Bewohner der Container-Unterkunft fährt sogar im Winter mit dem Fahrrad zur Arbeit bis nach Rosenheim und wieder zurück.

Inzwischen kommen viele Bruckmühler, aber auch Leute aus den Nachbargemeinden zu Kaa und Hottner, um ihre alten Fahrräder zu spenden. Angefangen hat Hottner vor zehn Jahren damit, die Wertstoffhöfe des Landkreises abzuklappern und weggeworfene Zweiräder zu sammeln. „Da war aber auch vieles dabei, was nicht mehr zu retten war“, erinnert sich Hottner an die Ausbeute während der Anfangsjahre.

So landet auch heute noch manches Rad in der Werkstatt, das selbst nicht mehr zu retten ist. „Dafür lassen sich diese Räder noch hervorragend als Ersatzteillager verwenden“, weiß Kaa, der häufig aus zwei ausgedienten Rädern ein neues zusammenschraubt.

Jedes Rad, das die beiden Hobby-Zweiradmechaniker verkaufen, ist nach der Reparatur wieder verkehrssicher. Früher haben die beiden die Räder umsonst ausgegeben, inzwischen verlangen sie pro Fahrrad und je nach Reparaturaufwand einen Unkostenbeitrag von 30 bis 50 Euro.

Auf Vorbestellung reparieren die beiden je nach Bedarf die benötigten Fahrräder. Rund 30 gespendete Drahtesel befinden sich immer auf Vorrat in der Garage. Hinzu kommt ein ganzer Fahrradfriedhof, auf dem sich diejenigen Räder stapeln, die von den beiden Bastlern als Ersatzteillager genutzt werden.

Werden die zwei Freiwilligen bei der Arbeit vor den Garagen gesichtet, gesellt sich schnell mancher Nachbar auf einen kleinen Plausch zu ihnen auf den Hof. Zwischen Bewohnern und Freiwilligen herrscht allgemein ein freundschaftliches Verhältnis. „Da kommt schon mal jemand vorbei und stellt mir Tee und Kuchen auf den Werkzeugkasten“, erinnert sich Hottner an eine nette Überraschung von vergangener Woche.

Zwar war die Fahrradwerkstatt anfangs als Teilprojekt des Reparatur-Cafés angedacht, doch arbeiten Hottner und Kaa inzwischen als separates Team. Während sie nur zu zweit sind, helfen im Reparatur-Café insgesamt rund 25 Ehrenamtliche mit. „Über den ein oder anderen motivierten Fahrradbastler, der uns ein wenig unter die Arme greift, würden wir uns sehr freuen“, merkt darum Fahrradexperte Hottner an.

Einsatzzentrale für beide Teams sind die zwei Garagen an der Wernher-von-Braun-Straße: Hier lagern die Freiwilligen alles notwendige Werkzeug für Reparaturen aller Art – nicht nur an alten Drahteseln.

Einmal im Monat sind die zwei Hobby-Mechaniker samstags von 14 bis 16 Uhr vor Ort, reparieren Fahrräder oder zeigen gestrandeten Radlern mit platten Reifen, verrosteten Bremsen oder kaputter Kette, wie sie ihr Rad selbst wieder mobil machen können.

Außerdem sind Kaa und Hottner jede Woche zu unterschiedlichen Zeiten stundenweise in der Werkstatt: Wer etwas braucht, kann immer auf dem Aushang am Garagentor nachlesen, wann diese geöffnet ist.

Die Arbeit in der Werkstatt bereitet Hottner und Kaa beiden große Freude. Vor allem bei den regelmäßigen Reparatur-Samstagen „geht es oft wie auf dem Basar zu“, so Kaa lachend. Irgendjemand bringt immer seine Musikboxen mit, andere Essen und Getränke. So machten sich Freiwillige und Bewohner auch beim vergangenen Reparatur-Tag am 18. April wieder einen schönen Tag in der Bruckmühler Frühlingssonne.

Der nächste Reparatur-Samstag findet am 23. Mai statt. Sind Hottner und Kaa gerade nicht in der Werkstatt, können die Bewohner der beiden Unterkünfte ihre Räder daneben abstellen. Manche Fahrradfahrer kommen sogar mit dem Rad von München bis nach Bruckmühl. Unter den Geflüchteten in der Region hat sich die Initiative inzwischen weit herumgesprochen.

„Aber wir haben absolut keinen kommerziellen Anspruch und wollen auch niemandem Konkurrenz machen“, betont Radlbastler Hottner. Die beiden arbeiten allein auf Spendenbasis und ihre Fahrräder vergeben sie an Geflüchtete, die auf Unterstützung angewiesen sind. Überschüssige Fahrräder spenden sie seit einiger Zeit an Bedürftige in der Ukraine.

Hier geht es
zu wie auf dem Basar

Zu Fahrradexperten sind die beiden eher zufällig geworden: Kaa hat selbst drei Kinder. Als diese jünger waren, war er oft als Fahrrad-Reparateur in der heimischen Garage im Einsatz. „Ansonsten helfen wir uns selbst weiter mit Youtube-Videos und viel ausprobieren”, erzählt Hottner.

So machen sie aus jedem gespendeten Fahrrad ein recyceltes Unikat: Die Vielfalt an Rädern und Fahrradgrößen oder -formen fordert Kreativität. „Wer sich bei uns ein Fahrrad holt, darf nicht die originalen Ersatzteile erwarten“, weiß Kaa. Doch genau das bereitet ihm als Hobbybastler an seinem Ehrenamt auch die größte Freude.

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