Bad Aibling – Er gehört zum gewohnten Erscheinungsbild der Bad Aiblinger Innenstadt: Der Traditionsladen „Erlesenes & mehr“ in der Kirchzeile, den viele Aiblinger seit Jahren für besondere Pralinen oder ausgewählte Teesorten aufsuchen. Doch nachdem das beliebte Tee- und Feinkostgeschäft in letzter Zeit ohnehin bereits viele Veränderungen durchlebte, steht nun erneut ein Umbruch an, bei dem auch das endgültige Aus des Ladens nicht ausgeschlossen werden kann. Doch geht es nach den Verantwortlichen, soll das möglichst vermieden werden.
Fluch der
guten Tat
Klar ist: „Erlesenes & mehr“ war in prädestinierter Lage über viele Jahre hinweg ein begehrter Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen. Aus vorwiegend gesundheitlichen Gründen musste die Erfolgsgeschichte unter dem ursprünglichen Betreiber Alexander Weyerer Ende Oktober 2023 ein Ende nehmen, wie er dem OVB damals verriet. „Es war die Erfüllung meines Traumes“, sagte Weyerer über die 15 Jahre im Geschäft. Ein Nachfolger für die Geschäftsräume wurde damals dringend gesucht – letztlich mit Erfolg.
Denn zunächst übernahmen die „Schokobuam“ den Laden, die in den Jahren zuvor mit einem Geschäftsmodell, das überwiegend auf Schaumküsse aller Art setzte, an verschiedenen Standorten in der Region für Aufsehen gesorgt hatten. Sie kombinierten das Traditionsgeschäft mit ihrer Süßware. Doch das Schaumkuss-Konzept stieß – gerade über die Sommermonate – in allen mittlerweile eröffneten Filialen an seine Grenzen und das junge Unternehmen löste sich wieder auf. Einer der ehemaligen Geschäftsführer, Sebastian Buttgereit, sah jedoch weiter Potenzial im „Erlesenes & mehr“.
„Ich will den Laden wieder wie früher aufziehen, Oldschool auf die große Tee- und Pralinen-Auswahl setzen und den Aiblingern einfach sagen, dass es ihren Feinkostladen wieder gibt“, erklärte Buttgereit im November 2024 gegenüber dem OVB. Seitdem wagte der Geschäftsmann aus Schechen einen Neustart in der Kirchzeile. Mit Erfolg. Die Rückmeldung der Kunden, die das altbewährte Sortiment schätzen, welches in der Kurstadt alternativlos sei, wurde in den vergangenen Jahren wieder gut angenommen.
„Zum alten Kundenstamm haben wir mittlerweile viele Neukunden hinzugewonnen“, sagt der 42-Jährige nun. Er geht von insgesamt etwa 3.500 zahlenden Kunden aus, was einer Steigerung von rund 20 Prozent entspreche. Doch genau in diesem Erfolg liegt für Buttgereit nun das Dilemma. Denn während er selbst zusätzlich einem Vollzeitjob im Bankenwesen nachgeht, seine Frau mit Arbeit ebenso voll ausgelastet ist und zu Hause zwei Kinder (7 und 9) warten, ist der Betrieb im kleinen Aiblinger Feinkostladen, in dem ein kleines Mitarbeiter-Team beschäftigt ist, kaum mehr zu stemmen.
„Ich merke, dass ich dem Ganzen so auf Dauer nicht mehr gerecht werden kann“, sagt Buttgereit. Lange habe er sich mit der Entscheidung gequält. Nun steht fest: Er wird den Laden abgeben. „Die Gründe sind zu 100 Prozent familiär“, betont Buttgereit, der schließlich einen „gesunden, gut funktionierenden Laden in bester Lage“ übergeben werde. Der Schritt falle ihm sichtlich schwer, er habe viel Herzblut in den Laden gesteckt. „Viel schöner wird schwierig und man bekommt Top-Konditionen vom Vermieter“, sagt der Noch-Inhaber mit Wehmut, der sich nun aber eine Weiterführung des Traditionsgeschäftes wünscht.
„Ich hoffe, dass wir einen Nachfolger finden, der Konzept und Sortiment, auch unseren Onlineshop, idealerweise übernimmt.“ Ob dies funktioniert, sei jedoch genauso unklar, wie der entsprechende Zeitpunkt. Interessenten könnten sich ab sofort bei ihm melden (im Laden, unter der Telefonnummer 0151/56098107 oder per E-Mail an s_buttgereit@gmx.de). „Wenn niemand kommt, mache ich noch bis zum Ende des Jahres – mit einer Sommerpause – weiter.“ In diesem Fall wäre dann am 24. Dezember Schluss.
Nachfolger für
etabliertes Konzept
Für die Zeit danach gebe es zwar bereits den einen oder anderen Interessenten, der dann jedoch etwas völlig anderes mit der Ladenfläche vorhat. „Wenn aber jemand schon ab Sommer das Konzept weiterführen möchte, Feuer frei“, betont Buttgereit. Und klar sei für ihn und den Vermieter auch, dass gewisse Geschäftsideen, wie etwa eine Gastronomie oder ein Standort für Automaten, nicht infrage kämen.