Zwei neue Lebensretter für die Bergwacht

von Redaktion

Die Bergwacht Bad Feilnbach gewinnt mit Lukas Gasteiger und Melissa Rossteuscher zwei neue Lebensretter. Nach einer intensiven Ausbildung unterstützen die beiden 22-Jährigen nun ehrenamtlich die Einsatzkräfte, um Menschen in den Bergen zu helfen.

Bad Feilnbach – „Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist“, soll der Südtiroler Bergsteiger Hans Kammerlander einmal gesagt haben. Auf dem höchsten Punkt zu stehen, ist das eine, das andere ist der Weg hinauf und der oft beschwerliche Weg zurück ins Tal. Dieser erfordert Geschick, Trittsicherheit und viel Ausdauer.

Leidenschaft für
den Bergsport

Verschätzt sich ein Bergsteiger dabei, kann das schnell böse enden. Nicht selten wird dann die Bergwacht Bad Feilnbach zu Hilfe gerufen. Seit einigen Wochen ist die Einsatzzentrale um zwei frisch ausgebildete Bergretter reicher: Lukas Gasteiger und Melissa Rossteuscher, beide 22 Jahre alt, haben im März ihre Ausbildung zum ehrenamtlichen Bergretter absolviert.

2022 wurde Lukas zum ersten Mal auf die Bergwacht aufmerksam: „Bekannte haben mich gefragt, ob ich mal vorbeischauen möchte. Ich habe in dieser Zeit ohnehin nach einer neuen Herausforderung gesucht und mich darum schnell für die Ausbildung bei der Bergwacht entschieden.“ Zwei Jahre später brachte er Melissa auf dieselbe Idee.

Mit den Bergen verbinden beide viel: Klettern, Skifahren und Bergsteigen gehören seit jeher zu ihren liebsten Freizeitaktivitäten. Neben ihrer Leidenschaft für den Bergsport studieren die zwei aktuell an der TH Rosenheim: Melissa im Bereich Bauingenieurwesen, Lukas ist für Maschinenbau eingeschrieben.

Ihre Ausbildung war in den vergangenen Jahren anspruchsvoll und zeitintensiv. Den Anfang machte eine medizinische Eignungsuntersuchung. Üblicherweise gliedert sich diese in einen Eignungstest im Sommer und einen weiteren im Winter. Im Sommer werden Kondition und Können beim alpinen Klettern und Bergsteigen im unwegsamen Gelände getestet.

Untersucht wird auch die allgemeine psychische und physische Belastbarkeit der Anwärter, erklärt Birgit Lotter, die Regionalgeschäftsführerin der Bergwacht Hochland Ost. Schließlich sehen sich die Bergretter bei ihren Einsätzen nicht selten mit Extremsituationen konfrontiert.

Im Winter testet die Bergwacht Skitechnik auf und abseits der Piste und Skitouren-Technik. Hinzu kommen Lawinenkunde und Verschüttetensuche mit dem Lawinenverschüttungsgerät (kurz: LVS-Gerät). „Nach Bestehen beider Eignungstests können die Anwärter bereits an Einsätzen der Bergwacht mitwirken“, so Lotter.

Geprüft wird ebenfalls sowohl im Sommer als auch im Winter. Die Bergwacht-Einsteiger müssen im Sommer für die behelfsmäßige Rettung ein Notfallszenario lösen. Dabei dürfen sie nur Material verwenden, das sie als alpine Kletterer zur Verfügung haben.

Hinzu kommt die Prüfung der planmäßigen Rettung mit Bergwacht-üblichen Methoden: etwa die Rettung eines verunglückten Bergsteigers mit Statikseil und Gebirgstrage.

Bei einer Naturschutzprüfung wird Wissen aus den Bereichen Meteorologie, Orientierung, Geologie oder Biologie getestet. Außerdem müssen die Prüflinge unter Beweis stellen, dass sie ihr eigenes Dienstgebiet kennen. Im Winter steht dann eine skigebundene Rettung auf dem Prüfungsplan. Hinzu kommt noch die Suche nach Verschütteten mit einem LVS-Gerät.

Bei einer zusätzlichen Notfallmedizinprüfung müssen die Anwärter einen Patienten präklinisch versorgen. Rund 80 Kursstunden gehen der medizinischen Prüfung voraus, weiß Expertin Lotter. Als Luftretter trainieren die angehenden Einsatzkräfte im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung der Bergwacht in Bad Tölz das Ein- und Aussteigen sowie Absetzen und Aufnehmen von Patienten mit der Winde am Hubschrauber.

Während der Ausbildungszeit können die Anwärter einmal wöchentlich an Ausbildungsterminen der Bereitschaft teilnehmen. „Aber diese Zeit reicht nicht, um sich gänzlich auf die Prüfung vorzubereiten“, findet Lukas. „Dafür braucht es einige Berg- und Skitouren am Wochenende und viele Abende, an denen man rettungstechnische oder medizinische Skills alleine oder mit den Ausbildern zusammen übt.“

„Die beste Vorbereitung auf die Prüfung war das Unterwegssein in den Bergen, inklusive viel Klettern, Skitourengehen und Skifahren“, sind sich Melissa und Lukas einig. „Wenn es dann auf die entsprechende Prüfung zuging, haben wir oft zusätzlich mit Ausbildern der Bereitschaft trainiert“, erinnert sich Bergretter Lukas.

„Die Aufregung vor und bei der Prüfung war definitiv da“, findet Melissa. Was aber gut sei, immerhin fordern die Aufgaben, die die Bergretter im Notfall erledigen müssen, höchste Konzentration. Eine gewisse Anspannung schaffe da den richtigen Rahmen.

Grundsätzlich kann jeder, der gerne in den Bergen unterwegs ist, die Ausbildung bei der Bergwacht beginnen. Von Vorteil sind sicheres Skifahren und erste Erfahrungen im Alpin- und Sportklettern. Der stellvertretende Bereitschaftsleiter der Bergwacht Bad Feilnbach, Maximilian Grasschröder, findet außerdem: „Ein grundlegendes Interesse für Notfallmedizin ist absolut wichtig, da die Rettung von Menschen in Not eine unserer Hauptaufgaben ist.“

Die Freude seiner Bergretter-Truppe ist groß, „mit Lukas und Melissa zwei motivierte und engagierte neue Einsatzkräfte begrüßen zu dürfen.” Der erfahrene Lebensretter ist stolz auf die beiden, die nach so langer und anspruchsvoller Ausbildungszeit offiziell Teil der Bergretter-Einheit von Bad Feilnbach sind.

Große Freude
über die Neuzugänge

Nachwuchsarbeit spielt für Grasschröder und seine Kollegen eine wichtige Rolle. Die jungen Bergwacht-Anwärter stellen sicher, „dass wir auch in Zukunft Menschen in Bergnot helfen können”, weiß er. Aktuell befinden sich zehn angehende Bergretter in der Ausbildung. Zwei bis drei Anwärter schließen jedes Jahr ihre Prüfungen ab.

„Für mich ist es ein unglaublich schönes Gefühl, als aktive Einsatzkraft Menschen, die in Not geraten sind, helfen zu können”, freut sich Lukas auf sein neues Bergretter-Ehrenamt. Auch Kollegin Melissa ist erleichtert, den langen Ausbildungsweg hinter sich gebracht zu haben. Für sie stehen ab sofort Berg- und Skidienste am Wochenende an. „Außerdem beginnen nun die Weiterbildungen, bei denen wir uns noch mehr spezialisieren können.“

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