Tuntenhausen – Im Haushalt 2026 kann die Gemeinde Tuntenhausen die vorgesehenen Investitionen letztmals ohne Kreditaufnahmen durchführen. Ab 2027 folgen dann zum Teil sehr große Kreditaufnahmen. Für die Gemeinde ein Novum, denn jahrelang war die Kommune schuldenfrei.
Schon eingangs der Haushaltsdebatte des Gemeinderates nannte der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Bürgermeister Georg Weigl den Grund des Engpasses: Aufgrund der guten Steuereinnahmen aus dem Jahr 2024 erhält Tuntenhausen in diesem Jahr keine Schlüsselzuweisung und muss eine deutliche Steigerung der Kreisumlage um rund 1,4 Millionen Euro verkraften. Dies führt dazu, dass die Zuführung an den Vermögenshaushalt in 2026 gerade mal mickrige 6.000 Euro beträgt. Vorbei also die Zeiten, wie 2024, als die Gemeinde stolze 4,8 Millionen Euro an den Vermögenshaushalt zuführen konnte.
Insgesamt liegt der Verwaltungshaushalt von Tuntenhausen heuer bei 20,5 Millionen Euro und damit rund eine Million Euro über dem des Vorjahres. Kämmerer Andreas Marx betonte, dass diese Mehrung diesmal nicht aus Steuermehreinnahmen resultiert, sondern überwiegend aus steigenden Ausgaben, vor allem bei der Kinderbetreuung.
So steigt die Betriebskostenförderung für die Kindertagesstätten im Vergleich zum Vorjahr um weitere 750.000 Euro an, der staatliche Anteil aber lediglich um 500.000 Euro. „So bleibt Jahr für Jahr immer mehr an der Gemeinde hängen“, klagte Weigl.
6,6 Millionen Euro gehen
in die Kreisumlage
Zu den größten Ausgabenposten des Verwaltungshaushaltes gehören die Personalkosten (rund vier Millionen Euro), die erwähnte Betriebskostenförderung (3,65 Millionen Euro) und, als absoluter Spitzenreiter, die Kreisumlage (6,6 Millionen Euro).
Auf der Einnahmenseite dominiert die stabile Einkommensteuerbeteiligung mit 6,2 Millionen Euro vor der Gewerbesteuer mit 4,5 Millionen Euro. Diese zeigt sich zwar gegenüber 2025 erholt (3,6 Millionen Euro), aber noch weit entfernt von dem Wert aus dem Jahre 2024 mit knapp sieben Millionen Euro. Drittgrößter Posten ist die schon erwähnte Zuweisung der Betriebskostenförderung nach dem BayKiBiG mit 2,1 Millionen Euro.
Deshalb mussten Bürgermeister und Kämmerei, wie Weigl zugab, ganz schön jonglieren, um wenigstens 6.000 Euro Zuführung zu erreichen. Aber in den Folgejahren sollte, so die Vorausschau, wieder Besserung kommen, damit man Investitionen aus eigener Kraft schultern kann. Bereits im Jahr 2027 erwartet die Gemeinde eine Zuführung von 1,37 Millionen Euro an den Vermögenshaushalt.
Trotzdem kann die Kommune auch heuer wieder eine Reihe von Investitionen stemmen (wir berichteten). So fließen 457.000 Euro in den Feuerwehrbereich und 346.000 Euro in den Schulsektor. Einer der größten Einzelposten ist der geplante Bürgersaal in Schönau. Der DSL-Ausbau sticht mit 3,1 Millionen Euro heraus, ist jedoch wegen des zu erwartenden Zuschusses in fast gleicher Höhe wenig belastend. Mit einem Betrag von einer Million Euro schlägt auch erstmals das Projekt Ostermünchen-Mitte zu Buche (Planungskosten).
Somit summiert sich der Vermögenshaushalt auf gut neun Millionen Euro (Vorjahr 9,13 Millionen Euro), der Gesamthaushalt damit auf 29,51 Millionen Euro (Vorjahr 28,57 Millionen Euro).
Der Kämmerer hatte aber noch einen großen Wermutstropfen zu verkünden: Die geplanten Investitionen können letztmals ohne Kreditaufnahme finanziert werden. „Ab 2027 sind dann zum Teil nicht unerhebliche Darlehensaufnahmen notwendig“, so Marx. Und diese werden auf lange Sicht den finanziellen Spielraum erheblich einschränken.
Grund für diese Verschuldung sind zwei Maßnahmen: Ostermünchen-Mitte als notwendige Infrastrukturmaßnahme und der geplante Bürgersaal in Schönau, der das kulturelle Leben in der Gemeinde bereichern soll.
Zwei echte Kraftakte
für die Gemeinde
Bei Letzterem warnte Marx allerdings und bat, die mögliche Auslastung genau zu prüfen, um festzustellen, ob diese Investition verkraftbar ist. Denn sowohl Bürgersaal als auch Ostermünchen-Mitte seien ein echter Kraftakt für die Gemeinde. Die seit dem November 2014 bestehende Schuldenfreiheit der Gemeinde ist ab 2027 passé. 2027 und 2028 sind Kredite von 9,71 Millionen Euro für Ostermünchen-Mitte und 2,86 Millionen Euro für den Haushalt 2028 notwendig. Ende 2028 beträgt der Schuldenstand dann 12,5 Millionen Euro, das sind 8.050 Euro pro Einwohner.
Auch die stattlichen Rücklagen der Gemeinde schmelzen. So die Allgemeine Rücklage von 8,46 Millionen Euro heuer auf 4,48 Millionen Euro – und 2028 sind dann nur noch exakt 145.373 Euro in der Spardose. Zudem sind die Rahmenbedingungen schlecht: Die politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen weltweit werden immer extremer und die Kalkulation eines Haushalts immer schwerer.
„Inwieweit sich die weltwirtschaftlichen Probleme und die in Deutschland notwendigen Reformen auf die Einnahmen der so wichtigen Gewerbesteuer und Einkommensteuerbeteiligung auswirken, kann überhaupt nicht vorhergesagt werden“, bekundete Marx vorsichtig. Sparsames Handeln sei deshalb nach wie vor das Gebot der Stunde.
Deshalb war Bürgermeister Georg Weigl der einstimmige Beschluss zum Haushalt mit der Finanzplanung für die Jahre 2025 bis 2029 sehr wichtig, zumal die Kommune dadurch wieder Handlungsspielraum besitzt. „Wir müssen uns einfach alle Ausgaben genau anschauen“, warf er einen Blick in die Zukunft – zumal Tuntenhausen in der Steuerkraft auch nicht gerade vorne dabei ist.