Bad Aibling – Dritte und Zweite Bürgermeisterin war sie bereits in ihrer mehrjährigen Zeit als Stadträtin in Bad Aibling. Nun folgt zumindest auf dem Papier der nächste logische Schritt für Kirsten Hieble-Fritz. Als erste Frau überhaupt tritt sie das Amt der Ersten Bürgermeisterin in der Kurstadt an. Die FW/ÜWG-Kandidatin hatte sich bei der Stichwahl im März knapp gegen Amtsinhaber Stephan Schlier (CSU) durchgesetzt.
„Insgesamt war es eine große Freude und ich verspürte gleich eine große Lust auf die Aufgabe“, sagt Hieble-Fritz. Ihr Handy stand anfangs freilich kaum still. Nun verspürt die gebürtige Bielefelderin, die um die Jahrtausendwende der Liebe wegen nach Bad Aibling zog, eine große Verantwortung, wie sie dem OVB verriet.
„Für die Stadt das
Beste abliefern“
So nehme sie eine „gewisse Erwartungshaltung“ wahr, da ein solcher Amtswechsel immer auch mit einer gewissen Aufbruchstimmung, mit etwas Neuem, verbunden sei. „Und genau das war ja auch immer mein Ansinnen, neu zu beleben, neu zusammenzuführen, neue Lösungsstrategien zu finden und für unsere Stadt das Beste abzuliefern.“ Dabei will die Rechtsanwältin immer „serviceorientiert“ arbeiten und in erster Linie für die Bürger der Stadt da sein.
Doch was bedeutet es wirklich, rund um die Uhr Rathauschefin und Ansprechpartnerin für alle Belange der Stadt zu sein? „Vielleicht fragen Sie mich das noch mal in einem Jahr“, sagt Hieble-Fritz lächelnd, wohlwissend, dass sie die gesamte Tragweite der Aufgabe im Vorfeld noch nicht gänzlich einschätzen kann.
Besser beurteilen könne dies ihr Vorgänger. „Ich habe eine hohe Anerkennung für das, was Herr Schlier in seiner vorigen Amtszeit geleistet hat, das steht für mich außer Frage.“ Er habe die Funktion mit sehr viel Einsatz ausgefüllt, wofür sie als Nachfolgerin extrem dankbar sei. Auf persönlicher Ebene verspüre Hieble-Fritz zudem ein „tiefes Mitgefühl“ für den Unterlegenen, „und ich habe absolutes Verständnis dafür, wenn er niedergeschlagen ist“. Ihre Anerkennung für Schliers Leistung habe sie ihm auch in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, betont Hieble-Fritz.
Dass sie nun als erste weibliche Bürgermeisterin gewählt wurde, hat sie aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz des Themas zwar bereits während des Wahlkampfes thematisiert. Wenngleich die Frage nach Mann oder Frau in einer idealen Welt eigentlich gar keine Rolle spielen sollte. „Aber es ist natürlich auch in einer Stadt wie Bad Aibling absolut historisch. Das gab es noch nie“, sagt Hieble-Fritz, die daher auch eine Verantwortung darin sieht, dies auch darzustellen. Schließlich stoße die Gesellschaft bei aller Diskussion um Frauenbeteiligung oftmals an Grenzen, sobald es beruflich um die Besetzung der Führungsebenen gehe.
Doch dass Familie und Karriere durchaus in Einklang zu bringen sind, zeigt der Lebensweg von Hieble-Fritz. Die Mutter dreier erwachsener Kinder ist seit 25 Jahren, wie sie sagt, „erfolgreich“ im Kanzleibetrieb tätig. Seit fünf Jahren nimmt sie zusätzlich noch eine Lehrtätigkeit am Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus wahr.
Nun sowohl das Anwaltsdasein als auch die Lehrtätigkeit zu beenden, fällt der gebürtigen Westfälin durchaus schwer. „Das ist natürlich ein einschneidender Schritt“, sagt sie. Der Abschied sei ihr nicht leicht gefallen, aber: „Es ist besser, einen schweren Abschied zu haben, als wenn die Leute applaudieren, wenn man geht.“
Die Familie
stärkt ihr den Rücken
Für die ohnehin bisher gut beschäftigte Frau wird der Einzug ins Rathaus nun nicht weniger Arbeit bereithalten. Und damit sicher auch noch weniger Zeit für ihr Privatleben. Dies sei jedoch mit ihrer Familie im Vorfeld klar abgesprochen worden. „Die Freude war tatsächlich sehr groß, auch bei meinen Kindern. Da hätte ich mehr Vorbehalte erwartet“, sagt sie.
Die Sorge davor, dass sie nun noch weniger zu Hause sein würde, trage, wenn dann, ihr Mann, der ihr aber uneingeschränkt den Rücken stärkt. Da er über viele Jahre hinweg beruflich viel unterwegs war, habe es zwischen ihm und Hieble-Fritz nun eine Art „Agreement“ gegeben. „Denn jetzt werde natürlich ich in erster Linie viel abwesend sein.“
Dennoch will die 56-Jährige versuchen, bei allem Fokus auf die Arbeit einen Weg zu finden, sich „gewisse Inseln, eine gewisse Zeit mit der Familie“ nicht nehmen zu lassen. Denn dass das Amt Einschränkungen der Privatsphäre mit sich bringt, sei ihr bewusst „und das ist auch in Ordnung“. Und im Idealfall springt am Ende trotzdem noch ein wenig Zeit für eine morgendliche Rennradrunde, einen Ritt mit dem Pferd oder einen Spaziergang heraus.
Auf ihre ersten Tage an neuer Wirkungsstätte blickt Hieble-Fritz durchaus mit einer gewissen Anspannung, vor allem aber mit Vorfreude. Was dann tatsächlich alles auf sie zukommt, wisse sie noch nicht in Gänze. Und so sei es für sie auch klar, dass sie selbst auch Fehler machen werde in ihrer Amtszeit.
„Man wird bestimmt auch mal Dinge entscheiden oder sagen, die man später korrigiert, das ist menschlich“, sagt sie und wirbt vorab um Nachsicht bei den Bürgern, die schon jetzt eine Aufbruchs- und Erwartungshaltung an die künftige Bürgermeisterin herantragen. „Ich glaube, und da müssen wir insgesamt gesellschaftlich daran arbeiten: Wir sollten solche Denkprozesse und Lernprozesse von Menschen nicht immer gleich negativ bewerten.“ Sich zu entwickeln, sei nicht gleichzusetzen mit Wortbruch, so die neue Aiblinger Bürgermeisterin.
Offener Dialog
ist ihr wichtig
Kirsten Hieble-Fritz, die sich seit Jahrzehnten als „gut verankert und verzahnt in dieser Stadt“ bezeichnet, sieht sich jedenfalls gut gerüstet für die anstehenden Aufgaben. Sowohl intern als auch nach außen will sie an einem offenen Dialog, an einem wortwörtlich offenen Rathaus arbeiten.
Ihr übergeordnetes Ziel formuliert sie so: „Am Ende möchte ich immer schauen, was das Beste für die Stadt ist und wie wir das gemeinsam bewerkstelligen können.“ An Aufgaben wird es ihr in den kommenden Jahren nicht mangeln.