Bruckmühl – Um 18.27 Uhr öffneten sich kürzlich die großen Pforten der katholischen Herz-Jesu-Kirche, und über 200 sichtlich emotional bewegte und bestens gelaunte Kirchenbesucher verließen mit einem breiten Lächeln im Gesicht das Gotteshaus. Ursächlich für die entspannte Atmosphäre war das gerade nach zwei Zugaben beendete Kirchenkonzert der Blaskapelle Bruckmühl. Über 87 Minuten fesselten die Musiker um die sympathische und routiniert agierende Dirigentin Martina Riedl ihr Publikum auf den voll besetzten Kirchenbänken mit einem facettenreichen Musikrepertoire.
Gesamtes Gotteshaus
wird musikalisch genutzt
Dabei zog der beeindruckende Klangkörper mit großem Idealismus viele Register. So nutzte er bei der Präsentation seiner einzelnen Musikstücke das ganze Gotteshaus, vom Altarraum bis hinauf zur zweiten Kirchen-Empore. Gerade dieses Musik-Arrangement über mehrere Ebenen löste bei den Kirchenbesuchern ein besonderes räumliches Musikgefühl aus. Als genialer Schachzug erwies sich zudem, dass neben dem kompletten Orchester auch einzelne Ensembles und Solisten mit ihrem musikalischen Können in den Fokus des Konzertes treten konnten.
Parallel zum Fünf-Uhr-Glockenschlag betrat die Blaskapelle Bruckmühl die Herz-Jesu-Kirche. Blaskapellen-Vorsitzender Thomas Krapichler freute sich bei seiner kurzen Begrüßung über den großen Besucherzuspruch: „Schön, dass das Haus voll ist.“
Das professionell agierende 38-köpfige Blasorchester startete unter der feinfühligen Führung von Dirigentin Riedl mit „The Glory of Love“, einem großartigen, sehr emotionalen und wirkungsvollen Stück. Ein Hauch von Sehnsucht schwebte bei Antonín Dvoraks „Largo“ aus der Symphonie „Aus der neuen Welt“ durch das Gotteshaus. Eine intensive Berührung strahlte die Engelsmusik „Hebe deine Augen auf“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy aus. Der Solisten- und Ensembleteil glänzte als harmonische Einheit bei dem Oratorium „Elias“ – der Geschichte des biblischen Propheten.
Nach dem von Stefan Maier neu arrangierten „I Remember“ aus dem Soundtrack des Films „Hook“ mit seinem lyrischen, emotionalen Thema übernahm das Saxofon-Ensemble mit spielerischer Leichtigkeit bei einer jazzigen Variante von „The Man in the Woods“ den Taktstock. Bei der festlichen Barockkomposition „Rondeau“ glänzten im Obergeschoss des Kirchenschiffs Stephan Wörndl an der Trompete und Karl Heinz Vater an der Orgel.
Bei dem gefühlvoll vorgetragenen Walzer voller Melancholie „Zum Abschied“ zeigte sich das Flügelhorn-Duo Thomas Krapichler und Tobias Schwegler durch den warmen Sound der großen Brass-Bands und von irischer Folklore inspiriert. Im Anschluss daran wechselte die Musikauswahl mit schön intonierter Flexibilität und „It Is Well with My Soul“ wieder zum Genre der Kirchenlieder.
Mit der berühmten „Elisabeth Serenade“ (Arrangement Karl Heinz Vater) schlug die souverän fordernde Dirigentin Riedl einen instrumentalen Bogen über den Kanal Richtung Großbritannien. Mit viel Herzblut ließen die Vollblut-Musiker die eingängige und schmelzende Melodie der British Light Music durch das Gotteshaus schweben.
Spürbar emotional wurde es bei dem musikalischen Fingerzeig Richtung Weltpolitik und dem Musikstück „On the Nature of Daylight“. Nach eigenen Aussagen hatte es Blaskapellen-Chefin Riedl bei einem Konzert des Posaunenchors von Berthold Schwarz gehört und sofort den Entschluss gefasst: „Das will ich unbedingt spielen.“ „Nachdem es aber bis dato keine Version für Blasorchester gab, hat es der ehemalige Dirigent der Blaskapelle Bruckmühl Schwarz auf meine Bitte ohne mit der Wimper zu zucken für uns arrangiert und unserem Saxofon-Solisten Florian Roith quasi auf den Leib geschrieben“, zeigte sich Riedl tief berührt.
Mit „Baba Yetu“, der Titelmelodie des Videospiels Civilization IV, lud der 38-köpfige Klangkörper zu einem Streifzug durch die Konzertsäle der Welt ein, wie die Royal Festival Hall, die Carnegie Hall oder auch die Dubai Fountain.
Stehende Ovationen
zum Abschluss
Mit „Schena Mensch“, einer Hymne auf all jene Menschen, „die unseren Alltag, unser Leben und unsere Entwicklung um so vieles bereichern und uns ein Lächeln ins Gesicht und Zuversicht ins Herz zaubern“, beendete das Blasorchester nach eineinhalb Stunden unter stehenden Ovationen und rhythmischem Klatschen der restlos begeisterten Konzertbesucher seinen beeindruckenden Auftritt in der katholischen Herz-Jesu-Kirche.
Der Reinerlös durch freiwillige Spenden in Höhe von 1.900 Euro geht an den Verein „FrühStart ins Leben“. Der gemeinnützige Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Frühgeborene und ihre Familien durch diese schwierige Zeit vor, während und nach der Geburt mit Rat und Tat zu begleiten.