Naturkindergarten finanziell nicht stemmbar

von Redaktion

Vor fünf Jahren wurde der Naturkindergarten „Auer Waldzwerge“ in Bad Feilnbach eröffnet. Zum Ende des aktuellen Kindergartenjahres muss die achtköpfige Gruppe allerdings ausziehen: Der Aufschrei der betroffenen Eltern angesichts der Schließung ist groß, doch die Gemeinde sieht keine Alternative.

Bad Feilnbach – „Ich bin einfach geschockt“, so die Mutter eines Kindergartenkindes der „Auer Waldzwerge“, nachdem sie kürzlich beim Elternabend von der Schließung des Naturkindergartens erfuhr. An der Entscheidung der Gemeinde schien es nichts mehr zu rütteln zu geben. Die versammelten Eltern fühlten sich „vor den Kopf gestoßen“.

„Ich verstehe die große Enttäuschung der Eltern über die Entscheidung, den Kindergarten einstweilen zu schließen“, so der Bad Feilnbacher Bürgermeister Max Singer. Doch die Anmeldezahlen für den Naturkindergarten waren in den vergangenen Jahren konstant niedrig.

Eltern fordern
unabhängige Prüfung

Aktuell beherbergt der Kindergarten sieben Kinder aus der Gemeinde Bad Feilnbach und ein weiteres „Gastkind“ aus Raubling. Kapazität bestünde für 20 Kinder. Sowohl Eltern als auch Kinder sind mit dem Angebot sehr zufrieden, weiß der Rathauschef.

„Die Auer Waldzwerge sind mehr als eine Betreuungseinrichtung. Sie sind ein Lern- und Lebensraum, der Kindern Natur, Gemeinschaft, Bewegung und Selbstständigkeit täglich erfahrbar macht. Ein solcher Ort sollte nicht geschlossen werden“, heißt es in einem offenen Brief der Eltern der betroffenen Kindergartenkinder.

Diese Eltern entscheiden sich bewusst für das pädagogische Konzept. Ebenso bewusst entscheiden sich viele Elternpaare dagegen, ihr Kind in einen Naturkindergarten zu schicken: Das schlägt sich unmittelbar in den Anmeldezahlen nieder.

In den vergangenen Monaten konnte und wollte die Gemeinde noch keine konkrete Aussage zu Schließung oder Fortbestand der Kindergartengruppe machen. Die Mitarbeiter wollten erst noch die Anmeldezahlen für das kommende Kindergartenjahr abwarten. Nun steht jedoch fest: Finanziell kann die Gemeinde den Naturkindergarten nicht mehr stemmen. 

„Als Kommune müssen wir hier wirtschaftlich entscheiden“, erklärt der Bürgermeister. Dass das den Kindern zu Lasten fällt, bedauere ich sehr“, betont Bürgermeister Singer. Die betroffenen Eltern wollen die Schließung nicht klanglos hinnehmen: Sie fordern deshalb eine „unabhängige externe Prüfung“ und Neubewertung der Situation.

Mit den Waldzwergen befinden sich unter der Trägerschaft der Gemeinde Bad Feilnbach fünf Kindergärten. Was die Wirtschaftlichkeit betrifft, stellt sich insgesamt die Frage, wie ausgelastet jeder Einzelne von ihnen ist. Allerdings gilt zu beachten, dass die Kindergärten nicht als Profitgeschäft seitens der Gemeinde angesehen werden, betont Singer.

Alle Kinder, die aktuell den Naturkindergarten besuchen, oder sich im kommenden Jahr dafür angemeldet haben, kommen in einem der übrigen Kindergärten unter. Außerdem ist der Betreuungsschlüssel für den Naturkindergarten ein anderer als für herkömmliche Einrichtungen. Hinzu kommt das inklusive Konzept, das wiederum mehr Aufwand in der Betreuung bedeutet. Das gesamte derzeitige Personal der Waldzwerge kommt mit der Auflösung der Gruppe in einer der weiteren Einrichtungen der Gemeinde unter. 

Rettung durch
Petition und Spenden?

„Hätten wir genügend Anmeldungen für die Waldzwerge bekommen, hätten wir uns nicht für die Schließung entschieden“, erklärt Bürgermeister Singer außerdem. Immerhin wurde seitens der Gemeinde bereits der Pachtvertrag für das Gelände verlängert, auf dem sich der Kindergarten befindet. Damals standen die Anmeldezahlen für das kommende Jahr noch nicht fest. Dennoch habe die Gemeinde immer wieder betont, dass die Anmeldezahlen für die Naturkindergarten-Gruppe verhältnismäßig niedrig seien und zum Problem für den Kindergarten werden könnten. 

Dennoch klagen die betroffenen Eltern über vorschnelles Handeln und die zunächst fehlende schriftliche und offizielle Stellungnahme seitens der Gemeinde. Diese hat das Rathaus aber inzwischen formuliert.

Aktuell suchen einige der Eltern händeringend nach Möglichkeiten, die Kindergartenschließung dennoch zu verhindern: Beispielsweise steht die Idee im Raum, Spenden zu sammeln, um zumindest eine gewisse Zeit zu überbrücken.

Eine Gruppe von Eltern, deren Kinder von der Schließung des Naturkindergartens betroffen sind, hat nun außerdem eine Online-Petition gegen die Schließung gestartet. „Ich verstehe die Beweggründe der Betroffenen“, zeigt sich Singer verständnisvoll, „aber was sollen wir machen?“ 

Auch wenn die Eltern viele Menschen zur Unterschrift mobilisieren, wird das nichts an der angespannten finanziellen Situation der Gemeinde ändern. Bürgermeister Singer betonte außerdem, dass die Schließung des Kindergartens zunächst vorübergehend sei. Melden sich im kommenden Kindergartenjahr wieder genügend Kinder für die Auer Waldzwerge an, wird der Betrieb dort auch wieder aufgenommen.

Genutzt werden soll das Gelände des Naturkindergartens künftig von den Auer Füchsen. Provisorisch ist eine Gruppe des Kindergartens aktuell im Martinsheim untergebracht. Außerdem sollen verschiedene ansässige Kindergartengruppen das Gelände für Waldtage oder andere Aktionen in der Natur nutzen.

Neuer Träger
wird gesucht

Grundsätzlich sei die Gemeinde außerdem offen dafür, den Kindergarten an einen anderen Träger zu übergeben. Doch fehlt die zündende Idee, wer diese Funktion übernehmen kann und will. Um das bevorstehende Kindergartenjahr planen zu können, mussten sich die Eltern der Auer Waldzwerge innerhalb kürzester Zeit vergangene Woche für einen anderen Kindergartenplatz in Bad Feilnbach entscheiden.

Einige Betroffene klagten über große Überforderung mit dem straffen Zeitplan. „Wir verstehen die Entscheidung der Gemeinde, hätten uns aber bessere und frühzeitigere Kommunikation mit uns gewünscht“, so eine betroffene Mutter, die nicht namentlich genannt werden möchte. Mit ihrer Petition und Eigeninitiative hoffen die Eltern nun, die Auer Waldzwerge entgegen dem Vorhaben der Gemeinde vor der Schließung bewahren zu können.

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