Bruckmühl – Das freiwillige Ehrenamt-Engagement der Bürger, egal ob bei Vereinen, sozialen Einrichtungen und auch Blaulicht-Organisationen, ist dem allgemeinen Gesellschaftstrend und -bild entsprechend schon seit Längerem kein reiner Selbstläufer mehr.
So gehen unter anderem auch die Freiwilligen Feuerwehren (FF) bundes- und landesweit mit diversen kreativen Aktionen auf Nachwuchs-Werbetour. Mit plakativen Headlines wie „Stell dir vor, es brennt, und keiner löscht“, „Am Anfang war das Feuer, dann kamen wir“ oder „Frauen an den Brand-Herd“ und „Voller Einsatz, dafür stehen wir“ oder „Nutze deine Stärken, verändere deine Welt“ versuchen sie, das Interesse zu einem Engagement für die rote Blaulicht-Familie zu wecken.
Quereinsteiger
sind willkommen
In dem Zusammenhang kreierte die FF Heufeld des Marktes Bruckmühl die pfiffige Idee „Du für Heufeld, komm als Quereinsteiger zu uns“. Was als Versuchsballon ursprünglich geplant war, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wahren Erfolgsstory entwickelt. So haben die Heufelder Floriansjünger mit dieser Kampagne bereits 16 neue aktive Mitglieder im Alter von 18 bis 50 Jahren gewinnen können. „Ausgangspunkt zu der Aktion war, dass in den letzten Jahren das Aufgaben- und Einsatzspektrum der Feuerwehren immer breiter und spezialisierter geworden ist. Bildlich gesprochen sind wir wie ein Multitool-Werkzeug, mit dem man auf jedes Einsatzgeschehen variabel mit den entsprechenden technischen und taktischen Entscheidungen und Maßnahmen reagieren kann“, bringt der erste Kommandant der Heufelder Wehr, Florian Glück, die Ausgangslage auf den Punkt.
Nach seinen Aussagen muss eine FF-Mannschaft wie ein Schweizer Uhrenwerk agieren. Dazu gehören unter anderem neben dem „normalen“ Feuerwehrmann in der Gruppe Führungskräfte wie Trupp- und Gruppenführer, Maschinisten, ABC-Fachleute sowie Spezialisten für den Einsatz an hydraulischen Einsatzgeräten und Atemschutzträger. Dementsprechend bunt gemischt ist auch die Mannschaft der Heufelder Floriansjünger. Dazu gehören Zimmerer, Buchhalter, Studenten, Forstarbeiter, Lehrer, Selbstständige sowie Gesundheits- und Krankenpfleger oder auch Ingenieure.
Nach dem Motto `Stillstand ist Rückschritt´ wollen die Heufelder Floriansjünger mit ihrer Aktion „Du für Heufeld“ weiter am Ball bleiben. „Je breiter wir aufgestellt sind, umso zielgerichteter und variantenreicher können wir ausbilden und agieren“, verdeutlicht Erwin Pötzinger, zweiter Kommandant, und ergänzt: „Basis dafür ist das facettenreiche Tätigkeitsfeld der FFen. Es ist so interessant und abwechslungsreich, dass jeder nach seinem individuellen Interesse, seinen körperlichen Fähigkeiten sowie technisch und taktischen Fertigkeiten ein Aufgabengebiet finden kann“.
Nach dem Anforderungsprofil für Interessenten gefragt, kommt die Antwort von Feuerwehr-Chef Glück kurz und knapp: „Teamplayer-Qualitäten sind gefragt, dazu eine gute Portion an Eigen-Motivation und die Lust auf aktiv gelebte Kameradschaft sowie auf neue persönliche Herausforderungen genügen vollkommen. Um die fachspezifischen Feuerwehr-Themen kümmern wir uns mit unserem qualifizierten Ausbilderteam.“ In dem Zusammenhang veranstaltet die Heufelder Wehr am 21. Mai um 19 Uhr beim Feuerwehrgerätehaus an der Fraunhoferstraße 12 einen unverbindlichen Infoabend „Du für Heufeld, komm als Quereinsteiger zu uns!“. Zum Abschluss ist dem ersten Kommandanten Glück aber noch eine Feststellung besonders wichtig: „Bei aller Feuerwehr-Thematik haben wir aber auch eine Menge Spaß, Freude, Geselligkeit und Gemeinschaft. Diese vier Faktoren sind der Kitt für unseren notwendigen Zusammenhalt und Erfolg bei den Ausbildungsmaßnahmen und Einsätzen“.
Vier Quereinsteiger
stellen sich vor
Oliver Arlt (50) lebt in Heufeld und war Mediengestalter. Jetzt ist er Quereinsteiger bei der FF Heufeld. Arlt sagt: „Ich bin jetzt seit Juni 2020 dabei. Ein Balkonbrand in meiner Wohnungsnähe war die Initialzündung für meine Neugier und Bewerbung. Mit 45 Jahren war es der berühmte Sprung ins kalte Wasser. Der Erstkontakt war einfach super. Mein offizieller Schnuppertermin war eine Samstagsübung mit drei Einsatzszenarien. Ich war total überrascht, wie professionell und kameradschaftlich hier alles ist, das hat mich echt gepackt, da wollte ich mitmachen. In einer tollen Gemeinschaft etwas zum Positiven zu bewegen, ist ein berauschendes Gefühl. 2022 habe ich die MTA und 2025 die Truppführer-Ausbildung abgeschlossen. Mein Fazit: Traut euch.“
Auch Marion Schmid (40) ist Quereinsteigerin. Sie lebt in Bad Aibling und war als Bürokraft tätig. „Ich bin seit Dezember 2024 bei der Heufelder Feuerwehr. Ich habe mit dem Gedanken schon länger gespielt, da mein Ehemann Andreas seit zehn Jahren aktives Mitglied und meine zehnjährige Tochter Sophia bei der Kinder-Feuerwehr ist. Nach den ersten echt aufregenden Minuten bei der Mittwochsübung war klar, das ist eine coole Sache. Trotz Familie mit zwei Kids kann man die Ausbildung und das Ehrenamt echt gut handeln. Mittlerweile habe ich auch meine spannende MTA-Ausbildung erfolgreich beendet. Der Zusammenhalt ist echt beeindruckend. Mein Fazit: Warum habe ich den Schritt nicht schon viel früher gemacht?“, sagt Schmid.
Gina Seidl (40) ist aus Au/Bad Feilnbach und war vorher selbstständig. Auch sie ist nun Quereinsteigerin und erzählt: „Ich habe schon eine kleine Vorgeschichte, seit 10 Jahren bin ich als Einsatzfahrerin beim First Responder-Team in Au aktiv. Seit Dezember 2024 bin ich mit meiner MTA-Ausbildung als Tagesausrückerin bei der Heufelder Wehr aktiv mit von der Partie. Die Erzählungen von meinem Bruder Luis, seit 2018 selbst aktiver Heufelder Feuerwehrler, haben mich neugierig gemacht. Trotz meiner Erfahrungen im medizinischen Einsatzbereich war der Start bei der Feuerwehr aufregend und quasi ein Neuanfang. Hier wird dir von Beginn an Vertrauen geschenkt. Das gelebte Motto „wir machen das zusammen, wir schaffen das im Team“ hat definitiv Suchtpotenzial.“
Dem schließt sich Sebastian Druckmüller (27) an. Der Heufelder ist gelernter Kfz-Mechatroniker. „Über meinen Kindergarten-Spezl Kilian bin ich zum Heufelder Feuerwehr-Team gekommen. Die Schnittstelle dazu ist auch meine berufliche Ausbildung. Als Lkw-Mechaniker bin ich zwar große Fahrzeuge gewohnt, trotzdem hat mich der Blick in die Fahrzeughalle mit den Spinden und Einsatzjacken gepackt. Vom ersten Tag an wurde ich hier super aufgenommen. Das Gefühl, das Richtige gemacht zu haben, war ganz schnell da. Ich mag es, Probleme unter Zeitdruck zu lösen. Feuerwehr ist Adrenalin mit viel Kopfsache. Das Wissen, in brenzligen Situationen Menschen helfen zu können, lässt mich nicht mehr los. Mein Rat: Traut euch, wir sind an eurer Seite, es lohnt sich“, sagt Druckmüller.