Erfolg mit Holz, Schrauben und Clicks

von Redaktion

Die Videos der Zimmerei Holzbau Franke aus Tuntenhausen erzielen auf Instagram Millionen Aufrufe und Zehntausende Likes. Der Handwerksbetrieb setzt gezielt auf Social Media, um neue Mitarbeiter und Kunden zu gewinnen und als moderner Betrieb wahrgenommen zu werden. Die Bekanntheit hat auch Nebeneffekte für die Mitarbeiter.

Tuntenhausen – Was machen Zimmerer um 7 Uhr? An der Werkbank stehen und eine Zigarette rauchen, während die Maschine in der Hand auf voller Lautstärke läuft. Von einem ruhigen Start in den Tag kann man hier nicht sprechen. So zumindest parodiert es die Firma Holzbau Franke in einem kurzen Video auf Instagram. Der Clip ist viral gegangen und hat inzwischen 3,5 Millionen Aufrufe. Das Video ist allerdings nicht das einzige des Tuntenhausener Betriebs, das auf Social Media gut ankommt.

Neustart
nach Hackerangriff

„Anfang des Jahres hatten wir teilweise rund sechs Millionen Insta-Aufrufe in einem Monat. Das war ein riesiges Wow“, erzählt Manuela Franke gegenüber dem OVB am Telefon. Ihr Mann Maximilian hat die Zimmerei vor zehn Jahren gegründet. Die 38-Jährige ist Assistenz der Geschäftsführung, kümmert sich um Projekte, alles, was im Büro anfällt – und um den Instagram-Account.

Die ersten Posts auf Social Media gab es schon vor etwa acht Jahren, damals noch initiiert von Gründer Maximilian Franke. „Richtig professionell haben wir das Ganze dann vor etwa vier Jahren aufgebaut, als ich in die Firma eingestiegen bin und den Bereich übernommen habe“, erinnert sich Manuela Franke. Doch nach einem Hackerangriff im September 2024 musste sie noch einmal komplett von vorn anfangen. „Das war ein Rückschlag, aber im Nachhinein eine Chance, es noch professioneller anzugehen“, betont sie.

In der heutigen Zeit sei ihre Zielgruppe auf Instagram am aktivsten – egal ob potenzielle Kunden oder zukünftige Mitarbeiter. „Für uns war deshalb klar: Wenn wir sichtbar sein wollen, dann müssen wir genau dort stattfinden“, sagt Franke. Nicht nur, um die Arbeit zu zeigen, sondern auch, um als moderner Betrieb wahrgenommen zu werden. „Gerade im Handwerk geht es ja viel um Vertrauen, und über Social Media können wir authentisch zeigen, wie wir arbeiten und wer wir sind“, erklärt sie.

Viele Ideen aus
dem Arbeitsalltag

Dafür arbeitet die Zimmerei schon seit etwa eineinhalb Jahren mit einer Kommunikationsagentur zusammen. Die Ideen für die Videos kommen ihr zufolge sowohl aus dem Betrieb als auch von der Agentur. „Vieles entsteht direkt aus unserem Arbeitsalltag auf den Baustellen“, erzählt Franke. Wichtig sei ihr eine Mischung aus echten Einblicken, aber auch lustigen und lockeren Inhalten.

Die Agentur filmt die Videos ab. Im Mittelpunkt der kurzen Clips stehen hauptsächlich die Mitarbeiter des Unternehmens. „Sie sind ja das, was den Betrieb ausmacht“, erklärt Franke. Die Hauptrolle spiele meistens der Nachwuchs, der sich gerne für die Videos vor die Kamera stelle.

Dass Millionen Menschen die Videos sehen, sei für das ganze Team etwas Besonderes. „Den ein oder anderen lustigen Nebeneffekt gibt es auch“, verrät die 38-Jährige. So sei es schon öfter vorgekommen, dass die Darsteller über Instagram von interessierten Frauen und Mädels angeschrieben werden.

Besonders gut funktionieren die unterhaltsamen Inhalte, das hat Franke schon bemerkt. „Über Social Media wollen die Leute in erster Linie unterhalten werden“, so erklärt sie sich das. Diese Art von Videos dreht das Team im Normalfall nach der Arbeit, in der Halle am Firmensitz in Lampferding bei Tuntenhausen. „Die Arbeit hat zwar Priorität, aber ich denke, dass es auch für das Team eine nette Auflockerung ist“, sagt Franke.

Sie will mit dem Account vor allem potenzielle neue Mitarbeiter erreichen. „Wir wollen zeigen, wie es bei uns im Betrieb wirklich läuft, und vor allem junge Leute für das Handwerk begeistern“, erklärt sie. Und es funktioniert: „Wir haben tatsächlich schon einige Mitarbeiter über Social Media gewinnen können“, verrät Franke. Sie merkt aber, dass auch viele Kunden und Architekten ihnen folgen. Genau deshalb sei Social Media heutzutage gerade im Handwerk extrem wichtig.

Das sieht Alexander Tauscher, Sprecher der Handwerkskammer für München und Oberbayern, ähnlich. „Das Thema gewinnt für viele Handwerksbetriebe an Bedeutung, da sich die jüngere Generation häufig in erster Linie über Social Media informiert“, sagt er auf OVB-Anfrage. Social Media könne Marketing und Vertrieb unterstützen sowie neue Zielgruppen erreichen. „Viele Handwerksbetriebe sind bereits aktiv und erfolgreich auf Social Media.“

Eine starke Präsenz beispielsweise auf Instagram könne den Nachwuchs auf den Betrieb aufmerksam machen. „Er holt damit die jungen Menschen dort ab, wo sie kommunizieren“, erklärt Tauscher. Ein weiterer Vorteil liege in der direkten Kommunikation der sozialen Plattformen, etwa über die Kommentarfunktion. „Das baut – gerade im Kontakt mit jungen Menschen – Hürden ab.“

Sollte sich also jedes kleine Unternehmen einen Social-Media-Account zulegen? Diese Frage kann Tauscher nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. „Ein solcher Account will, wenn er professionell geführt wird, gepflegt werden. Das erfordert Kapazitäten“, gibt er zu bedenken. Dabei bestehe allerdings wiederum die Chance, junge Menschen wie Azubis einzubinden und ihnen damit weitere spannende Aufgaben und Verantwortung im Betrieb zu übertragen.

Die Tuntenhausener Zimmerei Holzbau Franke setzt das bereits um. In einem Video mit 2,5 Millionen Aufrufen ist ein Azubi zu sehen, darüber der Schriftzug: „Wir überlegen, unseren Azubi zu übernehmen, kennt ihn jemand?“ Damit springt das Unternehmen auf einen Trend auf: Die Firma tut so, als kenne sie den Azubi nicht gut genug und wolle deshalb von den Nutzern mehr über ihn erfahren. Diese kommentieren dann bewusst übertrieben positive Dinge. „Ich musste meine Kupplung wechseln und er hat mir einfach ein neues Auto geschenkt“, witzelt etwa ein Account in den Kommentaren. „Ich hatte Durst und er hat mir einen Brunnen gebaut“, schreibt ein anderer Nutzer.

Fachkräftemangel
immer noch groß

Manuela Franke erzählt, dass nicht nur sie und ihr Mann oft auf die Videos angesprochen werden, sondern auch die Jungs, die häufig vor der Kamera stehen. „Wir merken alle eine deutlich höhere Bekanntheit und eine Wiedererkennung“, sagt sie. Das sei schön zu sehen.

Wichtig ist das vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels. Denn der ist im Handwerk immer noch groß. „Aktuell ist es wirklich sehr schwierig“, so Franke. Sie glaubt deshalb, wer heutzutage nichts macht und nicht sichtbar ist, der hat es noch viel schwerer. „Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass von allein oder auf dem alten Weg über Stellenausschreibungen Bewerbungen hereinkommen“, sagt sie. Deshalb habe sich Holzbau Franke entschieden, auf Social Media aktiv zu werden. „Dadurch haben wir uns einen klaren Vorteil verschafft.“

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